Woran Jugendliche glauben : Ich glaube an Gott

Sonja Radde, 16 Jahre ist mal wieder in den Sonntagsgottesdienst gegangen - und irgendwas war anders.

Sonja Radde
Sonja blickt ins Universum. Foto: privat
Sonja blickt ins Universum.Foto: privat

Ich glaube auch daran, dass jeder seinen eigenen Gott hat (so lange er an ihn glaubt) und dass jeder von uns in seinem eigenen kleinen Universum lebt, in dem vieles gleich ist, aber auch vieles unterschiedlich. Laut Wikipedia gehöre ich mit dieser Einstellung der Freireligiösen Bewegung an. Trotzdem wünschte ich mir schon häufiger einen festen Platz, an dem ich mich mit anderen treffen könnte, um zu beten und um Gott zu zeigen, dass man eben doch ein wenig dankbar ist.
So kam es, dass ich mich zum ersten Mal seit meiner Konfirmation wieder entschied, in unser Gemeindehaus um die Ecke zum Sonntagsgottesdienst zu gehen. Am Eingang wurde ich nach meiner Konfikarte gefragt, auf der Konfirmanden sich 15 besuchte Gottesdienste eintragen lassen müssen. „Ich bin so hier“, sagte ich, und plötzlich fühlte ich mich deutlich besser als all die Male, die ich diesen kleinen, modernen Raum vorher betreten hatte. Während er mir das Gesangbuch gab, meinte der freundliche Herr am Eingang: „Ach so, freiwillig? Na, das ist doch schön.“
Die Kirche war leer. Außer mir waren noch fünf oder sechs Jugendliche da und etwa gleich viele alte Leute, alle im ganzen Raum verteilt. Auch die leicht missbilligenden Blicke der Besucher gegenüber den zu spät Kommenden hatten sich nicht geändert. Doch etwas war anders. Die ruhige Stimmung, die langsame Stimme des Pfarrers und der geregelte Ablauf der kleinen Andacht waren zwar vertraut, trotzdem langweilte ich mich nicht wie früher. Ich sang gerne mit, und anstatt während der Predigt die Lesezeichen des Gesangsbuches zusammenzuflechten, hörte ich zu, dachte nach und betete zu meinem ganz eigenen Gott. Wahrscheinlich ist für jeden Menschen Gott anders, und die Religion, der man angehört, ist nicht Zwang, sondern besteht vor allem in der Gemeinschaft, zu der man sich am ehesten zugehörig fühlt.
Nach dem Gottesdienst fand ich eine Einladung auf Facebook zur nächsten Konfifête im Gemeindehaus. Ich kannte die Fêten von meiner Konfirmandenzeit, sie sind mit viel Mühe organisiert, aber mangels Alkohols kommen meist nur sehr wenige Jugendliche. Ich nahm die Einladung an.

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