Werbinich : Zeit zum Nachbessern

Susanne Vieth-Entus

Herbstferien in Berlin. Die erste längere Verschnaufpause seit dem Beginn des neuen Schuljahres. Und eine gute Gelegenheit, auf die Startphase des größten Reformpaketes aller Berliner Schul-Zeiten zurückzublicken. Zunächst einmal: In den östlichen Bezirken ist alles verhältnismäßig entspannt abgelaufen. Sie waren nicht von allen Neuerungen betroffen. Vor allem die überstürzte Verlagerung der Horte und der Einbau der Kantinen blieben ihnen erspart, weil Horte und Kantinen schon immer zu ihrem Schulbetrieb gehörten. Deshalb konnten sich die Lehrer ganz auf die übrigen Reformen wie die vorgezogene Einschulung konzentrieren.

In den West-Bezirken war das leider nicht der Fall. Zu viele Schulen sind noch Baustellen, und das räumliche Chaos legt sich hier wie Blei auf die Aufbruchstimmung. Wo hundert Kinder sich mittags in zwei oder drei kleinen Räumen herumdrücken, ist an Pädagogik nicht zu denken, sondern nur noch daran, eine reibungsarme Beaufsichtigung hinzubekommen. Schon stellt sich Sehnsucht nach den schönen kleinen Schülerläden ein.

Dennoch ist es falsch, wenn die GEW schon jetzt der Öffentlichkeit einreden will, die Reformen seien kurz vorm Scheitern. Gescheitert sind manche Bezirksämter bei der Organisation der Bauvorhaben. Gescheitert sind einzelne Schulleiter, die ihr mangelndes Organisationstalent hinter der Kritik am Senat zu verstecken suchen. Dennoch muss der Senat die Alarmsignale ernst nehmen. Von Anfang an stand fest, dass so viele kleine Kinder, darunter tausende Milieugeschädigte und tausende ohne Deutschkenntnisse, genügend Lehrer und Erzieher brauchen. Es darf nicht zu Engpässen kommen! Diese Herbstferien sind zum Nachbessern da. Personell und räumlich.

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