Zu Tisch beim Minister : „Warum liegt hier eigentlich Stroh?“

Neben Wraps fand unsere Autorin auch Stroh im Landwirtschaftsministerium.

Barbara Lucius

„Na wir sind hier ja das Landwirtschaftsministerium!!“ – die eindeutige Antwort auf eine zweideutige Frage räumt Zweifel aus dem Weg. Die knapp 100.000 Mitglieder der gleichnamigen studiVZ-Guppe kennen alle den dazugehören youtube-Film und sind längst zuhause im Netz. Im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hingegen liegt das Durchschnittsalter der Besucher bei gefühlten 50 plus. Es ist eine Web2.0-freie Zone, frei von Computeranimationen und Anglizismen. Wer ein Event sucht, ist fehl am Platz. Der Innenhof bietet Raum für ein entspanntes Familienfest. Oma, Opa und das lärmende Kleinkind fühlen sich wohl. Man hat sich bemüht. 50.000 Euro kostet das Wochenendprogramm laut einem Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit. Im Preis inbegriffen sei so ziemlich alles, die Pavillons im Innenhof die über ministeriumsrelevante Themen berichten, die Stelzenläufer, der Koch auf der Bühne und eben auch die Dekoration. Aber die Schnittchen, die sind nicht all inclusive. Frei von Stroh aber in ähnlichen Tönen gehalten ist das Arbeitszimmer des Ministers. „sachlich, ohne besonderen Stil, frei von Persönlichkeit“ bemerkt ein Besucher. Der Besucher führende Mitarbeiter bemüht sich um ein wenig Glanz und Glitter, hier sei die „Repräsentationsebene“ mit der „Repräsentationstreppe“. Manche Besucher sind jetzt doch beeindruckt. Immerhin befinden sie sich im Sicherheitsbereich, in den „nicht jeder“ kommt. Andere zerbrechen sich den Kopf über die Heimat von Minister Seehofer. „Ingolstadt“ schlägt ein Rentner vor. „Wo der Papst her ist!“ versucht ein Besucher zu ergänzen. Die allgemeine Verwirrung endet mit einer Frage an den Besucher führenden Mitarbeiter. „Kommt der Minister aus Bayern oder aus Franken?“ Und dann geht die Tür auf. Der Minister. Der Überraschungseffekt wirkt. „Wo kommts ihr denn alle her?“ Die Schrecksekunde hat eingesetzt und Antworten werden gestammelt. Zur Gegenfrage kommt es nicht. Keiner fragt, ob der Minister denn nun aus Franken kommt oder nicht. Und dann ist er auch schon wieder weg. Die Presse wartet schließlich bereits. Draußen geht alles weiter, wie bisher. Die Moderatorin bittet herumstreunende Kinder doch bitte die Strohballen stehen zu lassen, der Koch auf der Bühne macht weiter fleißig seine Wraps, übersetzt TexMex-Küche in rentnerfreundliches Deutsch und beendet kaum einen Satz. Aber er wirkt. Leute hören ihm zu und vielleicht macht nächste Woche der ein oder andere Gast Wraps zuhause. Leichte Kost, gesunde Küche und schnell gemacht – es sollten mehr Wraps auf dieser Welt gegessen werden. Der Minister selbst hingegen isst gerne Schweinshaxe verrät ein Mitarbeiter. „Das haben sie aber nicht von mir!“ schiebt er schnell nach. Ein anderer Mitarbeiter bestätigt dieses Lieblingsessen jedoch nicht – Zwiebelrostbraten sei das Lieblingsessen. Auf jeden Fall ist es wohl nicht der Wrap.

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