• Zur Anmeldung: Das Einmaleins des Schulbeginns 38000 Erstklässler kommen 2005 in die Schule. Was Eltern bei der Anmeldung jetzt wissen müssen

Werbinich : Zur Anmeldung: Das Einmaleins des Schulbeginns 38000 Erstklässler kommen 2005 in die Schule. Was Eltern bei der Anmeldung jetzt wissen müssen

Susanne Vieth-Entus

Die Schultüten werden erst am 13. August 2005 gepackt, jede Menge Aufregung um die 38000 neuen Erstklässler gibt es aber schon jetzt. Das liegt nicht nur daran, dass die Schüler dieses Jahrgangs mit sehr vielen Reformen konfrontiert werden, wie zum Beispiel mit der vorgezogenen Schulpflicht mit fünfeinhalb Jahren und dem neuen Sprachtest „Deutsch plus“. Die Aufregung hat vor allem damit zu tun, dass die Eltern seit gestern und bis zum 12. November ihr Kind in der zuständigen Grundschule anmelden müssen und dort auch gleich angeben sollen, ob ihr Kind vor oder nach dem Unterricht betreut werden soll.

Das ist eine Premiere: Bisher war das Jugendamt die Anlaufstelle für Hortanträge. Jetzt ist die Schule zwischengeschaltet. Wenn sie genügend Platz hat, kann die Hortbetreuung auf ihrem Gelände stattfinden. Andernfalls muss sie auf ein benachbartes Horthaus ausweichen oder mit privaten Trägern kooperieren. Bis Ende November sollen die Rahmenbedingungen für diese Kooperationen abgestimmt werden. Noch herrscht in diesem Punkt Unklarheit. Andere Fragen sind leichter zu beantworten:

ANMELDUNG

Überall in der Stadt hängen Plakate, auf denen Eltern auf die Schulpflicht ihrer Kinder hingewiesen werden. Darüber hinaus erhalten Eltern, die ihr Kind bereits in einer Kita oder Vorklasse haben, vor Ort Elternbriefe mit allen wichtigen Informationen. Jetzt müssen alle Kinder angemeldet werden, die zwischen dem 1. Juli 1998 und 31. Dezmber 1999 geboren wurden. Anträge für eine vorgezogene Einschulung kann man für Kinder stellen, die zwischen dem 1. Januar und 31. März 2000 geboren wurden.

WAHL DER SCHULE

Wenn man nicht die Schule im Einzugsgebiet besuchen will, muss man das in einem Antrag begründen und sich sowohl in der zuständigen Grundschule als auch in der gewünschten vorstellen. Die Entscheidung fällt das Bezirksamt.Wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, werden die Familien bevorzugt, die begründen können, was ihnen am speziellen Profil der gewünschten Schule gefällt. Vorteile haben auch die, die bereits ein Kind an der Schule haben oder nachweisen können, dass Freunde des Kindes in die Schule gehen, sozusagen „gewachsene Bindungen“ zu dem gewünschten Standort bestehen. Auch wenn das Kind nachmittags durch jemanden betreut wird, der in der Nähe der Schule wohnt, ist das ein Argument, das das Bezirksamt umstimmen kann. Ob der Schulwechsel klappt, erfährt man erst im Mai oder Juni.

FALSCHE ADRESSEN

Viele Eltern melden ihre Kinder zum Schein bei Freunden in einem anderen Bezirk an, damit sie formal im Einzugsgebiet der Wunschschule wohnen. Nur wenige Bezirksämter kommen diesem Trick auf die Spur. Die Schulverwaltung kann nicht abschätzen, wie viele tricksen. Es dürfte aber Hunderte sein.

FRANZÖSISCH AB KLASSE 3

Etliche Grundschulen bieten Französisch als erste Fremdsprache an und Englisch ab Klasse 7. Wenn Eltern nach der zweiten Klasse zweifeln, ob Französisch tatsächlich die richtige Wahl ist, können sie laut Schulverwaltung „die Klasse und gegebenenfalls die Schule wechseln“.

BETREUUNGSZEITEN

Alle rund 450 Grundschulen müssen den Kindern vom Sommer 2005 an eine kostenlose Betreuung von 7.30 bis 13.30 Uhr bieten — egal ob Lehrer krank sind oder hitzefrei ist. Dies bedeutet, dass Mütter und Väter halbtags arbeiten können, ohne den Hortplatz bezahlen zu müssen. Darüber hinaus kostet es. Wenn man eine Betreuung braucht, muss man das bei der Schulanmeldung angeben und den Bedarf nachweisen. Zur Auswahl steht die Frühbetreuung von 6 bis 7.30 Uhr, die Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr, die Spätbetreuung bis 18 Uhr.

HORTBEITRÄGE

Die Schulverwaltung erarbeitet zurzeit Vorschläge für neue Hortbeiträge. Da sie vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden müssen, kann die Verwaltung noch nicht sagen, wann die neuen Beiträge feststehen. Sie hofft „in Kürze“.

FLEXIBLE SCHULEINGANGSPHASE

Damit die Schulen besser auf die unterschiedlichen Begabungen und Voraussetzungen der Kinder reagieren können, gibt es ab dem Schuljahr 2005 die „flexible Schuleingangsphase“. Vom Stoff her umfasst sie die ersten zwei Klassen, sodass sie in der Regel zwei Jahre dauert. Kinder, die den Stoff schon nach einem Jahr beherrschen, können gleich in die dritte Klasse aufrücken. Wer nach zwei Jahren noch nicht so weit ist, kann ein drittes Jahr in der Eingangsphase bleiben, ohne dass das als „Sitzenbleiben“ gewertet wird.

MEH R PÄDAGOGEN

In der Eingangsphase sollen möglichst viele Erzieher oder zusätzliche Pädagogen die Klassenlehrer unterstützen. Diese Hilfe ist dringend nötig, denn auf Lehrer und Schüler kommt ein schwieriges Jahr zu: Durch die vorgezogene Schulpflicht werden in der Eingangsphase Kinder nebeneinander sitzen, die zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahren alt sind. Außerdem wird es mehr Schüler mit Problemen geben als sonst, da es keine Rückstellungen mangels Schulreife mehr gibt und erstmals alle lernbehinderten Schüler in den Grundschulen aufgenommen werden müssen.

DER SPRACHTEST „DEUTSCH PLUS“

Alle Erstklässler müssen den neuen Sprachtest „Deutsch Plus“ absolvieren und die Ergebnisse bis zum 17. Dezember den Schulen nachreichen. Einige Vorklassen und Kitas haben den Test schon durchgeführt, andere lassen sich Zeit. Wer schlecht abschneidet, soll bis zur Einschulung eine intensivere Sprachförderung erhalten. Was das bedeutet, weiß noch niemand ganz genau. „Die Kitas sollen sich das selbst überlegen“, vermutet eine Kita-Leiterin. Fest steht bislang nur, dass alle Kinder, die beim Test schlecht abschneiden und weder eine Kita noch eine Vorklasse besuchen, von Februar bis Juli an einer Grundschule in Wohnortnähe von montags bis freitags einen zweistündigen Sprachkurs besuchen müssen.

STUNDENPLAN

In der ersten Klasse haben die Kinder 20 Stunden Unterricht. Hinzu kommen wahlweise zwei Stunden Religion.

Informationen zum Schulbeginn unter www.senbjs.berlin.de. Dort sind auch alle Schulen aufgelistet, die Französisch als erste Fremdsprache anbieten oder sport-, theater-, kunst- oder musikbetonte Züge haben.

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