Welt : Wie eine Exekution

Nach dem Mord am Tuning-Spezialisten Uwe Gemballa rätseln Experten über die Hintergründe

Frank Räther[Johannesburg]

Die Auskünfte des südafrikanischen Polizeisprechers Vishnu Naidoo sind korrekt, aber dürftig. „Wir sind nahezu sicher, dass er es ist, aber Post-mortem-Tests sind noch nötig, um das 100 Prozent sicher zu bestätigen.“ Vorigen Dienstag wurde in der Schwarzensiedlung Atterigdeville bei Pretoria die in eine Zellophanfolie eingewickelte Leiche eines Mannes gefunden. „Er wies einen Kopfschuss auf, seine Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden“, sagt Naidoo. Dies sehe nach einer Exekution aus.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Toten um den deutschen Geschäftsmann Uwe Gemballa handelt, der seit Februar vermisst wurde.

Uwe Gemballa war der Eigentümer von „Gemballa Porsche Conversions“, ein Unternehmen, das weltweit für betuchte Kunden Porsche und andere Luxusautos nach deren Wünschen umbaut, ausgestaltet und frisiert. Am 8. Februar war er aus Dubai kommend zu einem zweitägigen Besuch in Johannesburg gelandet, versäumte aber dann einen angesetzten Geschäftstermin, bei dem es um die Etablierung einer südafrikanischen Niederlassung gehen sollte. Am folgenden Tag rief er seine Frau Christiane in Deutschland an, sagte im Flüsterton, er hätte einen „kleinen Unfall“ gehabt und sie solle eine Million Euro auf ein bestimmtes Bankkonto überweisen. Da er mit ihr Englisch sprach, was sonst nie der Fall ist, vermutete sie, dass er erpresst wurde. Es war sein letztes Lebenszeichen. Seitdem galt er als vermisst.

Die Familie ging davon aus, dass Uwe Gemballa von jemandem festgehalten wurde, der ein Lösegeld erpressen wollte. Dann kam die Vermutung auf, dass seine Firma vor dem Ruin stand – kurz darauf wurde das Unternehmen ja auch liquidiert – und er sich absetzen wollte. Die „Sunday Times“ verweist jedoch auf andere Verbindungen des Deutschen, die den Verdacht nähren, dass er in Geldwäsche verwickelt war, in ein internationales Syndikat, das von Deutschland und der Schweiz bis nach Südafrika reicht. „Wahrscheinlich Geldwäsche, Steuerhinterziehung, importierte Autos, die mit Banknoten vollgestopft sind, und Auftragsmorde“, schreibt das Blatt. Ein Name, der in Berichten auftaucht, ist der des tschechischen Millionärs Radovan Krejcir, der in Geldwäscheaktivitäten verwickelt gewesen sein soll. Und Krejcir war vor zehn Jahren auch im Prager Hilton-Hotel einmal mit Uwe Gemballa zusammengetroffen. „Stern.de“ will erfahren haben, dass Krejcir Gemballa „überzeugt habe, Autos für ihn nach Südafrika zu importieren und in diesen hohe Dollar- oder Eurobeträge ins Land zu schmuggeln“. Krejcir habe im September vorigen Jahres von Gemballa einen Porsche Cayenne mit Schwarzgeld erwartet. Das Auto kam, doch ohne das Geld. Daraufhin soll Krejcir ihm telefonisch gedroht haben: „Wenn du mir nicht das Geld schickst, bist du ein toter Mann.“Ein Kumpan des Tschechen habe dann mit einem lukrativen Geschäftsangebot Gemballa nach Südafrika gelockt, wo der allem Anschein nach ermordet wurde. Unklar ist, aus welchem Grund sich Gemballa überhaupt mit Krejcir eingelassen hat.

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