Winter : Willkommen in der Eiszeit

Jede Menge Schnee, minus 20 Grad. Der Winter in Deutschland beschert ideale Wintersportbedingungen, aber auch starke Behinderungen. Während sich die einen freuen, bibbern und fluchen die anderen.

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Schulfrei. Der siebenjährige Johann und die zehnjährige Helene spielen am Donnerstag in Annaberg-Buchholz im Schnee.
Schulfrei. Der siebenjährige Johann und die zehnjährige Helene spielen am Donnerstag in Annaberg-Buchholz im Schnee.Foto: dapd

Eine neue Schneefront schiebt sich seit Donnerstag über Deutschland. Sie beschert dem Land viel Neuschnee. Die Wetterdienste gaben Unwetterwarnungen heraus. Kinder in mehreren Bundesländern freuen sich über schulfreie Tage, Wintersportler kommen auf ihre Kosten. Die Reden über die Klimaerwärmung sind Reden über eine neue Eiszeit gewichen, die wiederum von der Erwärmung angestoßen sein könnte.

Vor allem in Norddeutschland und im Westen Deutschlands begann es bereits am Donnerstagmorgen zu schneien. Vorsorglich blieben in Hamburg, Schleswig-Holstein und in Teilen Niedersachsens die Schulen geschlossen. Auch in anderen Bundesländern gab es zum Teil schneefrei.

Das Winterwetter sorgte auch wieder für zahlreiche Unfälle auf Deutschlands Straßen. So kam es etwa auf Autobahn A2 in der Nacht zum Donnerstag nahe Braunschweig auf eisglatter Fahrbahn zu einem Unfall, als ein Sattelzug ins Schleudern geriet. Die Autobahn musste für mehrere Stunden gesperrt werden. In Nordrhein-Westfalen registrierte die Polizei bis Donnerstagmittag knapp 170 witterungsbedingte Unfälle.

Die Schneefront breitete sich im Laufe des Tages vom Nordwesten her Richtung Südosten über Deutschland aus. Insgesamt rechnete der DWD mit zehn bis 20 Zentimetern Neuschnee. Erschwerend kommt demnach in manchen Regionen starker Wind hinzu. Das erhöht die Gefahr von Schneeverwehungen.

Am Freitag sollte sich das Wetter vorübergehend beruhigen. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wird dann laut Paetzold die nächste Schneefront vom Westen her erwartet. In der kommenden Woche könnte es milder werden. Berlin und Brandenburg bleiben zunächst fest im eisigen Griff des Winters. In der Region werden weitere starke Schneefälle und in den kommenden Nächten eisige Temperaturen erwartet. Ein neuer Temperatursturz wird für die Nacht zum Samstag erwartet. Wegen arktischer Winde wird es beißend, die Werte sinken bis auf minus 15 Grad. Vor allem die Nacht zum Sonntag bringt dann in manchen Gebieten Brandenburgs Temperaturen von minus 15 bis minus 20 Grad.

Winterkleidung wird knapp

Aufgrund von Kälte und Schnee gehen in Deutschland derweil bereits die Winterartikel aus. Schlitten und Schneeschieber seien derzeit nicht mehr überall verfügbar, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk, der Nachrichtenagentur AFP. Auch bei einigen Wintertextilien gebe es Engpässe. „Wir haben nicht in jedem Jahr einen Winter wie diesen“, begründete Falk die Knappheit. „Die Verbraucher richten sich derzeit auf eine lange Wintersportsaison ein.“ Die Einzelhändler hingegen orientierten sich beim Bestellen der Winterware immer „nach den Bedürfnissen in einem Durchschnittswinter“. Mit Schlittenherstellern seien die Händler bereits im Gespräch, damit der Engpass schnell beseitigt werde. Bei der Winterkleidung hingegen seien keine kurzfristigen Nachbestellungen möglich. Oft komme die Ware aus Übersee, da „gibt es feste Liefertermine“.

Traumbedingungen in den Bergen

Weiße Weihnachten in den Bergen – darauf dürfen sich Skiurlauber freuen, die über die Feiertage in die Alpen reisen. Auch in den Tälern liegt dort gut eine Woche vor Heiligabend zum Teil viel Schnee. Mancherorts sind Abfahrten bis zu den Talstationen auch in den bayerischen Alpen möglich, wie aus dem ADAC-Schneebericht vom Donnerstag hervorgeht. Schneehöhen von mehr als einem Meter in den Skigebieten sind zum Beispiel in Aschau, Berchtesgaden, Oberstdorf und Reit im Winkl gemessen worden. Spitzenreiter ist mit 1,90 Meter hohem Schnee das Zugspitz-Skigebiet bei Garmisch-Partenkirchen. Auch in den anderen Alpenländern liegt der Schnee bis in die Täler hinein. Der Automobilclub spricht von guten Bedingungen auf den Pisten in Italien, Österreich und der Schweiz. In Frankreich seien die Liftanlagen überwiegend ebenfalls schon geöffnet. Besonders große Schneehöhen sind mit bis zu 3,40 Meter im Val di Sole im Trentino in Italien gemessen worden. Auf 2,20 Meter kommt der Mölltaler Gletscher in Kärnten. In der Schweiz hat laut ADAC derzeit Engelberg mit 1,90 Meter die Nase vorn.

Eis stoppt Fähre nach Hiddensee

Wer seinen Weihnachts- und Silvesterurlaub auf der Insel Hiddensee verbringen will, sollte seine Anreise genau planen. Denn wegen starker Eisbildung auf der Ostsee stellt die Reederei ihren Fährbetrieb zwischen Stralsund und der Insel zwischen dem kommenden Montag und dem 3. Januar komplett ein. Besucher und Einheimische müssen sich also auf die Insel Rügen begeben, um von Schaprode aus nach Vitte, Neuendorf und Kloster zu gelangen. Hier kann der Fährverkehr nach Angaben der Reederei noch aufrechterhalten werden. „Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie meldet für die Nordansteuerung von Stralsund dichtes bis kompaktes Eis von fünf bis zehn Zentimetern“, sagte ein Reedereisprecher. „Im Bereich des Fahrwassers zwischen Rügen und Hiddensee wird an den Küstenstreifen ein rund 500 Meter breiter Eisgürtel von bis zu 10 Zentimeter Dicke beobachtet.“ Das Fahrwasser im Bereich Geller Haken an der Südspitze Hiddensee sei von einer starken Eisschicht bedeckt. Angesichts dieser Meldungen werden Erinnerungen an die schwierige Lage im Januar und Februar wach, als die von rund 1000 Einwohnern bewohnte und bei Urlaubern sehr beliebte Insel rund zehn Tage von der Außenwelt abgeschnitten war. Nur noch Hubschrauber konnten die Insel mit Lebensmitteln versorgen. Festsitzende Urlauber und Bewohner machten sich mit ihren Koffern, Handwagen und Schlitten kurzerhand zu Fuß auf den gefährlichen Weg übers Eis. Im letzten Februar hatte die zugefrorene Rinne viele Ausflügler angelockt. Einige von ihnen wagten sich sogar mit ihren Autos auf das 40 Zentimeter dicke Eis.

Salz wird knapp

Der anhaltende Schneefall stellt den Winterdienst in vielen Kommunen vor wachsende Probleme. Immer mehr Städte und Gemeinden melden einen Streusalzengpass, vielerorts musste der Winterdienst bereits eingeschränkt werden. Regensburg kann wegen Streusalzmangels seit Mittwoch nur noch einen eingeschränkten Winterdienst fahren. In einigen Baumärkten sind Streusalz, Schneeschieber und Eiskratzer knapp. „In einigen Märkten sind die Regale schon leer“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), Stefan Michell, in Köln.

Angst bei Abgeordneten

Aus Angst vor der angekündigten Schneefront haben die rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten bei wichtigen Abstimmungen mächtig auf die Tube gedrückt. Am Donnerstag verabschiedete das Landesparlament in Mainz in Rekordzeit den Haushalt 2011 und die Verankerung der Schuldenbremse in der Landesverfassung. Die letzte Plenarsitzung dieses Jahres endete schon am frühen Nachmittag und damit rund drei Stunden vor dem ursprünglich geplanten Zeitpunkt. Die etwa 100 Abgeordneten wollten sicher und ohne Rutschpartien etwa in die Eifel, den Westerwald und den Taunus nach Hause kommen. Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) sagte der dpa: „Das zeigt, dass es eigentlich immer so schnell gehen könnte.“ (mit dpa/AFP/dapd)

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