Wintereinbruch : Leise rieselt der Schnee

„Heike“ bringt den Winter nach Deutschland – es gibt aber nur eine kleine Chance auf eine weiße Weihnacht.

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Garstiges Wetter. Ein Radler fährt am Donnerstagmorgen in München zur Arbeit.
Garstiges Wetter. Ein Radler fährt am Donnerstagmorgen in München zur Arbeit.Foto: dpa

Im Süden ist es schön. Teile Deutschlands sehen aus, als wären sie überzuckert. Nach einem relativ milden Herbst hat das Tief „Heike“ Winterwetter nach Deutschland gebracht. Bis Berlin schafft es der Schnee aber nicht. Die Stadt bleibt grau und trübe. Der Nieselregen verwandelt sich zeitweise in Schneeregen, aber für eine Schneedecke ist es zu warm. „Es kühlt nicht genug ab“, sagt der Meteorologe Marius Schlegelmilch von der Wetteragentur MeteoGroup. Vor allem die Straßen seien wegen des milden Wetters der vergangenen Tage zu warm. Kurzzeitige Minustemperaturen in der Nacht reichen nicht aus. Vielleicht wird am Dienstagmorgen ein bisschen Schnee liegen geblieben sein, vorher ist das allenfalls in den Außenbezirken und in Brandenburg möglich, weil Gräser und Blätter schneller abkühlen als die aufgeheizten Straßen. Aber das taut alles in den darauffolgenden Tagen wieder ab, ist sich der Meteorologe sicher.

Für eine weiße Weihnacht sieht er nur eine kleine Chance. „Die Langfristmodelle kündigen alle einen leicht unterdurchschnittlich kalten Dezember an.“ Das bedeutet einen nasskalten Monat. Ob es an Heiligabend für Schnee reicht, kann noch nicht vorhergesagt werden, dafür ist der Zeitraum zu lang. Bis dahin kann sich das Wetter noch drehen.

Für Wintersportler sind die Aussichten gut. In Hochlagen bereiten sich die Liftbetreiber auf den Start in die Saison vor. 27 Zentimeter dick ist die weiße Decke auf dem Feldberg im Schwarzwald, von den Höhen des Erzgebirges meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) 15 Zentimeter. Für die Eröffnung der Skisaison reicht das allerdings in den meisten Fällen noch nicht. Am Kahlen Asten bei Winterberg in Nordrhein-Westfalen etwa müssen sich Wintersportler mit dem Skifahren und Rodeln noch gedulden. Doch die Schneekanonen stehen schon bereit.

Nicht alle freuten sich am Donnerstag über den Wintereinbruch. Der erste Schneefall löste am Morgen auf vielen deutschen Straßen Chaos aus. Autos rutschten über verschneite Straßen oder fuhren wegen schlechter Sicht im Schritttempo. Räumfahrzeuge rückten aus, viele Autofahrer mussten ihre Wagen von einer zentimeterdicken Schneeschicht befreien. Für den Südwesten und Südosten gab der Wetterdienst Unwetterwarnungen heraus. Am ersten Adventswochenende bleibt es verbreitet weiß. Für einige Regionen ist weiterer Schneefall vorhergesagt.

Schnee in Deutschland
Der Winter in Deutschland zeigt sein raureifes Gesicht, vor allem bei diesem Sanddornbusch in Lützow.Weitere Bilder anzeigen
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10.12.2012 12:58Der Winter in Deutschland zeigt sein raureifes Gesicht, vor allem bei diesem Sanddornbusch in Lützow.

Mit Schnee und Glatteis hatten vor allem Autofahrer im Erzgebirge, im Thüringer Wald, in Baden-Württemberg und Bayern zu kämpfen. Besonders Lastwagen hatten Probleme mit dem Wintereinbruch. Einige blieben auf den Straßen liegen, andere schlidderten in den Graben. Im Hochschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb waren die Räumdienste im Dauereinsatz, um Straßen und Gehwege freizubekommen. In Bayern führte der Wintereinbruch zu Verkehrsunfällen auf schneeglatten Straßen. Im Allgäu kam ein Autofahrer ums Leben.

Bund, Länder und Kommunen haben für den Winter Rekordmengen an Streusalz gelagert, hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium.

Kalendarisch beginnt der Winter erst am 21. Dezember, doch für Meteorologen ist der 1. Dezember der erste Wintertag. „Zumindest in den Mittelgebirgen und in den Alpen wird es einen weißen 1. Advent geben“, hieß es beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Nach den Berechnungen der DWD-Klimaexperten war der November in Deutschland deutlich zu mild – die Durchschnittstemperatur lag um 1,2 Grad höher als im Vergleichszeitraum von 1961 bis 1990. Die Herbstmonate September, Oktober und November brachten es zusammen aber nur auf ein geringes Plus von 0,4 Grad.

Die schwersten November-Schneefälle seit 50 Jahren erlebt derzeit Moskau. Allein in der Nacht auf Donnerstag sei in der Hauptstadt etwa ein Drittel des sonst im November üblichen Niederschlags gefallen, teilte der Wetterdienst mit. Auf den Straßen kam es zu zahlreichen Massenkarambolagen. Schnee und Eisregen blockierten auch die drei internationalen Flughäfen in Moskau. mit dpa

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