Wolfram Siebeck : Schmackofatz!

Wolfram Siebeck, Deutschlands feine Zunge, wird heute 80 Jahre alt – ein Gratulationsmenü.

Sarah Wiener
Siebeck
Wolfram Siebeck (r.) bei einem Kochwettbewerb der "Zeit" im Ritz Carlton. -Foto: Mike Wolff

Lieber Wolfram Siebeck,

alles Beste zum Geburtstag! Eine richtig gute Flasche Wein, ein köstliches Menü mit vielen regionalen und saisonalen Lebensmitteln plus ein österreichisches klassisches Dessert und weitere interessante kreative Ideen und Einsichten für die nächsten Jahrzehnte auf unnachahmliche Weise aufs Papier gebannt! Das wünsche ich Ihnen und uns!

Sarah Wiener
— Die Fernsehköchin betreibt drei Restaurants in Berlin.

Wolfram Siebeck begann seine journalistische Laufbahn als Zeichner bei der „WAZ“ und schrieb dann jahrelang Satiren für den „Stern“ und Glossen für die Humorseite der „Zeit“. Dann fing er an, Artikel über Essen und Trinken zu schreiben. Aus dem spitteligen und appetitlosen Duisburger Jungen, der mit kalten Schweinekoteletts, Klopsen, fetten Bratkartoffeln und kraftlosen Suppen groß geworden war, wurde nach und nach „Deutschlands feinste Zunge“; der „Fresspapst“ der Nation; der Mann, dem wir hierzulande den „Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Mehlschwitze“ verdanken. Ein Volk aus mampfenden Ess-Stieseln hat er in eine Nation von genüsslichen Mitessern, ja: von enthusiastischen Mitkochern verwandelt. Seit 42 Jahren stellt Siebeck seine Kochkunst und Küchenkritik in den Dienst der „Zeit“. Wir wünschen ihm von Herzen ungebrochene Schaffenskraft und ungetrübte Lebensfreude an der Seite seiner Frau Barbara – und noch viele Jahre Gelingen am Herd und Glückseligkeit bei Tisch!

Theo Sommer
  — Editor-at-Large der Wochenzeitung „Die Zeit“

Schon seine Satiren und Zeichnungen waren ein Genuss – wie ein gutes Essen. Immer mit einer Prise Cayenne. Dann läutete er, mit der Feder und am Herd, ein neues Zeitalter ein. Die Deutschen verdanken ihm viel. Und ich unendlichen Spaß bei so mancher Flasche, die wir gemeinsam öffneten. Auf dass Worte und Wein einfach immer weiter fließen – bon anniversaire, lieber Wolfram !

Gero von Boehm
— Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer

Meine besten Geburtstagswünsche für Wolfram Siebeck sind mit großem, aufrichtigem Dank für die Unterstützung meiner Arbeit und die zahlreicher anderer Kollegen verbunden. Im aktuellen Marketing-Deutsch werden Journalisten oftmals gerne als Multiplikatoren apostrophiert, welch grausame Untertreibung, wenn man sich an die Koch- und Medienlandschaft Anfang der siebziger Jahre erinnert. Da war man als Rufer in der Wüste froh, ein Echo gefunden zu haben, einen Konterpart, der die Neuigkeiten an die Welt außerhalb der Küchen verbreitete. Aber Wolfram Siebeck war nicht nur Verbreiter der Neuigkeiten, er war immer ein sachkundiger, kritischer und neugieriger Wegbegleiter. Er hat großen Anteil am sogenannten Küchenwunder in Deutschland und ich bin froh und stolz darauf, mit ihm einige Steine ins Wasser geworfen zu haben, an deren kräftigen Ringen heute zunehmend mehr Menschen Freude am Herd haben. Herzlichen Glückwunsch!!

Eckart Witzigmann
— Deutschlands erster Drei-Sterne-Koch brachte einst die Nouvelle Cuisine nach Deutschland und führte das legendäre „Aubergine“ in München.

Mit Herrn Siebeck fing alles an. Als Koch trat ich den siebziger Jahren ins Bewusstsein der lesefähigen, schmatzenden Menschheit, als er einen Artikel über meine schwäbischen Kutteln verfasste. Seitdem bin ich ihm sehr verbunden und bemühe mich einigermaßen, ihm gerecht zu werden. Im Grunde ist das ein zu hohes Ziel, denn Wolfram Siebeck kann einfach viel besser essen, als ich kochen kann.

Vincent Klink — Wielandshöhe, Stuttgart, ein Stern

Siebeck hat in Deutschland die kulinarische Kultur revolutioniert. Mit seinen wunderbaren Überzeichnungen und seiner Konfrontationsliebe hat er uns gelehrt, nachzudenken und über den Tellerrand hinauszuschauen. Er hat uns Frankreich näher gebracht und ganzen Generationen ein neues kulinarisches Bild vermittelt. Er hat sich niemals modernistisch oder moralisch einbinden lassen. Das machte ihn auf eine Weise berechenbar. Nicht nur seine spitzfindigen Analysen, sondern die Lebensfreude, die er in all seiner Sturheit immer gehabt hat, zeichnen ihn aus. Wenn er für mich gekocht hat, war das immer erst ein wunderbares Chaos, aus dem etwas Wunderbares entstand. Und die Party fing bei ihm immer schon in der Küche an. Danke für die spitze Zunge, danke für die bösen, danke für die guten Worte!

Fritz Keller
  — Weingut Franz Keller, Schwarzer Adler im Kaiserstuhl. Führt das Unternehmen seines verstorbenen Vaters fort, der einst, unterstützt von Wolfram Siebeck, dafür kämpfte, dass man deutschen Wein wieder trinken kann.

Wir kennen uns seit zwanzig Jahren, unser gemeinsamer Nenner ist sicherlich Frankreich. Da ich die klassische französische Küche erlernt habe, verstehe ich das,was er sagt. Auch die russische Küche ist nah an der französischen, die Russen sind wollüstige Esser, das gefällt Siebeck wie mir. Ich wünsche ihm, dass er weder seine im Inneren doch eigentlich ostwestfälische Gesundheit, noch seinen guten Geschmack verliert.

Christian Lohse
— Fischers Fritz Berlin, zwei Michelin-Sterne

Wolfram Siebeck war einer der ersten Veteranen, der als Genussmensch die Gastronomie und ihre Kultur in den letzten 30 Jahren mit Beginn des deutschen Küchenwunders sehr stark geprägt hat. Herzliche Glückwünsche zum 80. Geburtstag und weiterhin viel Freude am Genuss!

Harald Wohlfahrt
— Traube Tonbach, Schwarzwald, drei Sterne

Eines schönen Wintermorgens 1975 kam mein damaliger Chef Eckart Witzigmann zu mir an den Gardemanger-Posten und stellte mir einen Journalisten vor, der mal ein paar Tage die Arbeit in der Tantris-Küche erleben wolle. Ich solle ihm als Erster alles zeigen und beantworten. Seither bewundere ich Wolfram Siebeck für seinen Wissensdurst, seinen Geschmackssinn und seine Genussfreude. Möge Gott ihn noch lange mit der Zunge schnalzen lassen!

Heiner Finkbeiner 
— Patron des Hotels Traube Tonbach

Alle, die etwas mit gehobener, anspruchsvoller und vor allem bewusster deutscher Küche zu tun haben, müssten Wolfram Siebeck sehr dankbar sein. Er war der Erste, der ohne Koch von Beruf zu sein, als Journalist die Deutschen im Hinblick auf ihre Küche sensibilisiert hat. Er hat sie davon überzeugt, dass auch diese Küche sehr kulinarisch sein kann, wenn man sich Mühe gibt und nicht nur die alten, ausgetretenen Pfade begeht. Lieber Wolfram Siebeck – herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag und herzlichen Dank!

Alfred Biolek
— Talkmaster und Fernsehproduzent

Zum Glück gibt es Wolfram Siebeck. Er hat die Kultur des guten Essens populär gemacht. Wenn ich seine Rezepte nachkoche, bin ich immer wieder überrascht, welch feiner Geschmack dahinter steckt. Schick oder nicht, das ist ihm egal: schmecken muss es. Und so nennt er Gerichte auch schon mal „Schmackofatz“, bei dem Wort lecke ich mir schon instinktiv die Lippen. Herzlichen Glückwunsch, Gesundheit und die Kraft, uns alle weiter mit guten Rezepten zu versorgen.

Renate Künast
— Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin. Künast und Siebeck, die mehrmals miteinander aßen, verband der gemeinsame Kampf der Biogourmets um eine bessere deutsche Küche.


(zusammengestellt von Eva Kalwa)

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