Welt : Yesterday kommt morgen

McCartney ist Altrocker und Ritter und kann das Singen nicht lassen. Die Europatour führt ihn nach Deutschland

Deike Diening

Er ist von allen Beatles der zäheste. Er steht mehrmals im Guiness Buch der Rekorde, seit 1993 auch mit dem Rekord für den schnellsten Kartenvorverkauf aller Zeiten: 20 000 Stück in acht Minuten. Die englische Königin erhob ihn 1997 in den Ritterstand. Er hat diese attraktiven, starken Frauen mit den tragischen Gebrechen. Er hat eine schlaue Tochter, die Mode entwirft. Auch im letzten Jahr war er mit 190 Millionen Euro der meistverdienende Popstar der Welt. Der Dukatenesel unter den Rockern sozusagen, noch vor Eminem und Britney Spears. Er ist inzwischen 60 Jahre alt. Was hat er nicht erreicht? Die ersten böse Zungen übersetzen jetzt „Let it be“ mit „Lass’ es sein.“

Aber unverdrossen startete McCartney eine Europatournee, am 25. März in Paris, und nannte sie „Back to the World“ – obwohl er eigentlich nie aus ihr verschwunden war. Und weder das Publikum noch der Sänger zeigten Ermüdungserscheinungen, wenn man einmal davon absieht, dass McCartney, Sir Paul, am 5. April ohne seine Stimme aufwachte und ein Konzert im schönen Sheffield absagen musste.

Nach eigenen Aussagen zieht der Sänger seine Energie für die abend- und kontofüllenden Konzerte keineswegs nur aus seiner vegetarischen Gemüsediät, wie manche seiner Fans zu glauben scheinen – und im Netz auf seiner Homepage fleißig Rezepte austauschen. Sondern aus dem Publikum. Das weinen zu sehen, und hüpfen vor allem, gibt ihm selbst einen Energiestoß. Er, der auf dem Ticket seines inzwischen historischen Ruhms immer noch erster Klasse durch die Welt fährt, löst auch bei seinen jüngsten Konzerten eine Begeisterung aus, die ihn an die „Beatlemania“ erinnert. Als verhalte sich der Erfolg umgekehrt proportional zu seinem Alter. Der Sänger steht bei der Tour fast drei Stunden auf der Bühne. Zwei Drittel der mehr als 30 Songs sind alte Beatles-Klassiker. Einige der Songs waren live noch nie zu hören. Das Publikum singt mit und tanzt und weint, und McCartney sagt: „Es ist alles wie eine große Party.“

Letztes Jahr tourte er extrem erfolgreich durch die USA. Es war dort die erfolgreichste Tournee des ganzen Jahres. Er sang in Mexiko und spielte in Japan, wo er 1980 schon einmal wegen Marihuana-Besitzes festgenomen wurde. Ein Ereignis, das ein Rockmusiker sich als eigenen Punkt in den Lebenslauf schreiben darf. Seit rund zehn Jahren war McCartney nicht mehr in Deutschland auf Tournee. Am 27. spielt er das erste Konzert in Köln.

Am Ende wird der Ex-Beatle 91 Mal in 16 Ländern gespielt haben. Er wird kostenlos für die Römer vor dem Colosseum aufgetreten sein und in Erfüllung seines einmal unerreichbar scheinenden Traums die Russen auf dem Roten Platz mit „Back In The USSR“ zum Tanzen gebracht haben. Fans werden auf dem Schwarzmarkt Mondpreise für Karten gezahlt haben. Andere Fans werden sich in den Hintern beißen, dass sie keine Karten mehr bekommen. Enden wird die Weltreise in Liverpool, der Heimatstadt der Beatles, in der alles begann. Und McCartney denkt gar nicht daran, danach aufzuhören.

Tour-Termine in Deutschland: Köln 27./28. April, Hannover 30. April, Gelsenkirchen 8. Mai, München 17./18. Mai, Hamburg 21. Mai

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