Zum Tod von Heinz Schenk : Fröhlich eingeschenkt

Heinz Schenk, der Meister der hessischen Stimmungsunterhaltung, ist tot. 21 Jahre lang moderierte er den "Blauen Bock". Er wurde 89 Jahre alt. Sehen Sie hier auch ein Erinnerungsvideo.

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Freundlichkeitsterror. 21 Jahre lang moderierte Schenk den „Blauen Bock“.
Freundlichkeitsterror. 21 Jahre lang moderierte Schenk den „Blauen Bock“.Foto: dpa

So geht Ruhm. Erst durfte Heinz Schenk mit seinem Lied „Es ist alles nur geliehen“ in die „ZDF-Hitparade“, dann durfte er genießen, wie die Rocker von „Rodgau Monotones“ in ihrem Kracher „Erbarme, die Hesse komme“ texteten: „Unser David Bowie heißt Heinz Schenk“. In der Zwischenzeit hatten Abermillionen von Zuschauern den „Blauen Bock“ gesehen, waren 6500 „Ehrenbembel“ verteilt und 125 000 Liter Apfelwein ausgeschenkt worden. 1987 schloss Schenk den „Blauen Bock“, nach 21 ARD-Jahren. 15,9 Millionen sahen beim Abschied zu, eine sagenhafte Zahl und doch für einen, der in der goldenen Ära der Fernsehunterhaltung am Samstagabend aufgetreten war, eine gewohnte Marke. Der „Blaue Bock“ mit Schenk als oberkellnerndem Gastgeber und Lia Wöhr als Wirtin gehört in eine Reihe mit den Klassikern „Der goldene Schuß“, „Am laufenden Band“, „Vergissmeinnicht“.

Heinz Schenk - mehr Hesse geht nicht

Der „Blaue Bock“ war nicht Schenks Erfindung, die Show übernahm er 1966 von Otto Höpfner, aber es war Schenk, der als gebürtiger Mainzer ganz genau kalkulierte, was er als Fernseh-Hesse bieten musste: den „Ebbelwoi-Babbler“, das „Schlappmaul“, den Bembel-Troubadour. Mehr Hesse und mehr Hessisches in einer einzigen Person ging nicht.

Heinz Schenk hat den „Blauen Bock“ fest im Griff gehabt. Der Mann in der Tracht war der Kopf, er schrieb die Texte, in denen er blitzschnellen Wortwitz, harmlose Neckereien und manch vorwärtsstürmende Kritik an den Zeitläuften zu Satzgebirgen türmte. Die Couplets, die er zudem sang, hatte er selbst komponiert und getextet. Mit der Rasanz seines Vortrages, seiner unverbrüchlich guten Laube und seinem – sorry – Freundlichkeitsterror brachte er selbst Bernhard Grzimek und Rosi Mittermaier zum Singen vor den schunkelnden Reihen. Heinz Schenk war ein Meister der Stimmungsunterhaltung.

Heinz Schenk war Sohn eines Drogisten und einer Solotänzerin

Geboren am 11. Dezember 1924 als Sohn eines Drogisten und einer Solotänzerin nutzte er schon den Beichtstuhl im Mainzer Dom als Kasperletheater, dafür hat ihn der Bischof fast der Schule verwiesen. Er nahm Schauspielunterricht am Wiesbadener Konservatorium, er bildete sich aus und weiter als Conférencier in Varietés, Kabaretts, bei Rundfunkveranstaltungen und Schlagerparaden mit Sketchen und Quizspielen. Schenk lernte während seiner Bühnenjahre, was er später vor der Fernsehkamera kapitalisieren konnte: Umgang und Umarmen des Publikums, ein so feines wie präzises Gespür für das, was ging, und das, was nicht ankam. Schenk fand für sich das Schenk’sche Erfolgsrezept.

Metropolenintellektuelle mochten sich für diese hessisch verbrämte Deutsch-Spießigkeit entleiben wollen, dieser Entertainer wollte sein Publikum um fast jeden Preis amüsieren. Das war sein Elixier. Lange Jahre soll er ein Auto mit dem Kennzeichen „WI-TZ 3“ gefahren haben.

Heinz Schenk ging bald bei allen Hörfunk- und Fernsehanstalten ein und aus, dabei wurde der Hessische Rundfunk (HR) sein Haussender. Wie Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld hatte er Auftritte im „Frankfurter Wecker“, der komödiantischen Frühsendung im HR-Radio. Dann, 1966, übernahm er den „Blauen Bock“. 1987 hörte er auf, eine kluge Entscheidung, „ehe die Mäkeleien hätten überhand nehmen können“, wie die „Frankfurter Rundschau“ lobte.

Schenk blieb tätig im Sektor volkstümlicher Unterhaltung, orientierte sich mehr Richtung Theater, wurde Stammkraft im Frankfurter Volkstheater, und dass er den „Datterich“, den wegen Trunksucht zwangspensionierten Kanzleischreiber Friedrich Hauser, als großen Publikums- wie Kritikererfolg ausspielte, dürfte ihn am wenigsten überrascht haben. Von 1992 bis 1996 kehrte er mit der Sendung „Fröhlich eingeschenkt“, einer Mischung aus Musik und Smalltalk mit Prominenten, ins ARD-Fernsehen zurück. Eine Sendung speziell für Senioren, weil laut Schenk für diese Zielgruppe das Fernsehen „oft die einzige Möglichkeit“ sei, „von der Welt etwas mitzukriegen“. Der Publikumskönner wusste eben, was er erreichen konnte. Selbstironie blieb ihm nicht fremd. 1992 spielte Schenk in Hape Kerkelings Film „Kein Pardon“ den alternden Showmaster Heinz Wäscher, der seinen Assistentinnen nachstellt und intrigiert, wo immer sich Gelegenheit bietet.

Am Donnerstag ist Heinz Schenk mit 89 Jahren in Wiesbaden gestorben. Begraben will er neben seiner im Dezember 2013 verstorbenen Frau Gerti werden. Das Paar war 62 Jahre verheiratet.

Und als ob die Nachricht vom Tod des Volkskünstlers Heinz Schenk nicht reichte, meldeten die Agenturen ebenfalls am Donnerstag: Karl Moik, der König des „Musikantenstadls“, sei auch schon ganz krank.

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