Wirtschaft : 104 neue Modelle

Der deutsche Automarkt bleibt im kommenden Jahr stabil – trotz der Mehrwertsteuererhöhung

Philipp Lichterbeck

Berlin - Nach einem anfänglichen Schock durch die Mehrwertsteuererhöhung wird sich der deutsche Automarkt im Laufe des kommenden Jahres erholen: dank einer robusten Konjunktur, aber vor allem wegen neuer Modelle im Mittelklassesegment. Das erwartet das von Ferdinand Dudenhöffer geleitete Marktforschungszentrum B&D.

Während das ablaufende Jahr geprägt war von neuen Mini- und Kleinwagen, werden im kommenden Jahr 19 neue Mittelklasse-Autos oder Varianten bestehender Modelle auf den Markt kommen. Die wichtigsten seien die rundum erneuerte Mercedes C-Klasse, der neue Ford Mondeo und der Opel Vectra. Allein für diese drei Modellreihen prognostizieren die Forscher 270 000 Verkäufe.

Vom Aufschwung nicht profitieren könne hingegen Volkswagen. Die Wolfsburger würden demnach Verkaufseinbrüche von etwa 40 000 Autos erleiden. Der Grund: fehlende Neuerungen.

Über alle Segmente verteilt bieten die Autohersteller im Jahr 2007 den Kunden 104 neue Automodelle an, 30 mehr als 2006. Dennoch seien laut Dudenhöffer von ihnen geringere Impulse zu erwarten als 2006, weil viele Neuerungen lediglich Modellvarianten seien und Nischen abdeckten.

Insgesamt sagt B&D für 2007 den Verkauf von rund 3,36 Millionen Autos voraus. Das sei geringfügig weniger als die Prognose für 2006 von 3,4 Millionen Käufen. Allein in den letzten Monaten dieses Jahres würden die Deutschen rund 50 000 Neuwagen erwerben, um der Mehrwertsteuererhöhung auszuweichen.

Als Problem betrachten die Automarktforscher den Erfolg der sogenannten Sports Utility Vehicle (SUV) in Deutschland. Bei diesen Geländewagen sind 24 Modellneuheiten vorhergesagt – so viele wie noch nie. „Die SUV-Welle ist also nicht zu bremsen“, konstatiert Dudenhöffers Institut.

„Politischen Sprengstoff“ berge, dass die großen und schweren Autos weit mehr Treibstoff verbrauchen als kleinere Modelle. Und das obwohl 70 Prozent von ihnen mit Diesel-Motor laufen. Es bleibe daher fragwürdig, wie die Autoindustrie die für 2008 anvisierte Selbstbeschränkung bei den Kohlendioxid-Emissionen einhalten wolle. Die europäischen Autohersteller (ACEA) haben sich verpflichtet, 2008 den Kohlendioxidausstoß der Fahrzeuge im Durchschnitt auf 140 Gramm pro gefahrenen Kilometer zu reduzieren.

Doch Audi, Mercedes und BMW überschreiten dieses Ziel um rund 30 Prozent. Porsche liegt sogar 110 Prozent über der Grenze. Zwar gilt die Selbstbeschränkung nicht für einzelne Marken, sondern wird auf die Gesamtheit der deutschen Hersteller angerechnet. Doch auch die Gruppe der deutschen Autobauer überschreitet das Limit um 15 Gramm – anders als die Franzosen und Italiener, die es heute schon erfüllen beziehungsweise nur leicht darüber liegen.

Dudenhöffer sagt daher einen schweren Konflikt in der ACEA voraus. Außerdem werde die Politik die Einführung von Strafsteuern und CO2-Abgaben diskutieren. „Mit Sicherheit wird sich auch die EU-Kommission einschalten“, sagte Dudenhöffer zum Tagesspiegel. Wegen des abzusehenden Streits rechne er damit, dass im Jahr 2008 viele potenzielle Käufer deutscher Autos verunsichert sein werden.

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