Wirtschaft : 1999 stehen noch mehr Börsengänge bevor

ROBERT REICHEL (HB)

Im zu Ende gehenden Jahr 1998 haben Banken und Unternehmen Grund zum Jubeln: Die Bilanz der Aktienemissionen fällt mit 70 Börsengängen so gut aus wie nie zuvor.Gerade junge innovative Gesellschaften entdeckten mit dem Neuen Markt ein Börsensegment, daß auf breite Akzeptanz bei den Anlegern stößt.Auch der Amtliche Handel und der Geregelte Markt wurden nicht vernachlässigt.

Die Banken verdienten bei der Plazierung von Unternehmen nach einer Analyse der DG Bank über 365 Mill.DM, wenn man eine Konsortialprovision von fünf Prozent des Plazierungsvolumens unterstellt.Die meisten Emissionen führte die DG Bank mit zehn Emissionen durch, gefolgt von Dresdner und Deutscher Bank (jeweils sieben).Besonders auffallend ist die hohe Zahl der neuzugelassenen Gesellschaften am Neuen Markt - 42 Unternehmen.Das Plazierungsvolumen sei mit 3,4 Mrd.DM fast so groß wie im Amtlichen Handel (3,6 Mrd.DM/16 Emissionen) gewesen, analysiert die DG Bank.Der Geregelte Markt folgt abgeschlagen auf Platz drei (0,4 Mrd.DM/12 Emissionen).Insgesamt wurden Stammaktien über 7,3 Mrd.DM plaziert.

Für die Konsortialprofis steht fest, daß sich die Erfolgsstory des Marktes auch 1999 fortsetzen wird."Schon heute plant eine große Zahl von Unternehmen die Erstnotiz für das kommende Jahr." Im Neuen Markt, Amtlichen Handel und Geregelten Markt rechnen die Experten mit über 100 Neuemissionen.Allerdings dürften die Anleger nicht mehr alles unkritisch kaufen.Ein notwendiger Auswahlprozeß werde einsetzen."Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wird sich normalisieren, so daß in der Vergangenheit häufig zu beobachtende Ausreißer, d.h.bis zu 50fachen Überzeichnungen, nur noch selten anzutreffen sein werden."

Das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen (KGV) bei Emissionen werde geringer ausfallen.In 1998 sah die Situation bei den Emissions-KGVs so aus: Neuer Markt knapp 31, Amtlicher Handel 17,4, Geregelter Markt 19,1.

Mit einem weiteren Erstarken des Neuen Marktes werde es künftig immer schwerer für den Geregelten Markt werden, sich als geeignete Plattform für kleinere Firmen zu präsentieren, urteilen die Banker.

Eine mögliche Trendwende sieht die DG Bank durch die für April 1999 von der Deutschen Börse geplanten Indexfamilien SMax und SDax.Hier handele es sich um künftige Qualitätssegmente für kleinere Unternehmen des Amtlichen Handels und des Geregelten Marktes.Es würden Erfolgsfaktoren des Neuen Marktes wie erhöhte Transparenz und verbesserte Liquidität auf grundsolide und ertragsstarke Gesellschaften übertragen.Der Amtliche Handel werde hingegen von bevorstehenden Jumbo-Emissionen (z.B.Deutsche Post) profitieren.

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