313 Music : Getrennte Wege

Thomas Stein verlässt die Musikfirma 313 Music. Das Ausscheiden des Musikmanagers schürt neue Gerüchte über finanzielle Probleme des Unternehmens. Kritiker warnen vor einem Ende mit Schrecken.

Heike Jahberg
stein
Erst Freunde, dann Feinde. Jack White (links) und Thomas Stein. -Foto: dpa

Berlin - Schlussakkord bei der Musikfirma 313 Music JWP AG, der früheren Jack White Productions AG. Thomas Stein, der Fernsehzuschauern eher als Ex-Jurymitglied bei „Deutschland sucht den Superstar“ und Gast in Oliver Geissens „Chartshows“ bekannt ist, legt Ende August den Vorstandsvorsitz des Unternehmens nieder.

Das Ausscheiden des Musikmanagers schürt neue Gerüchte über finanzielle Probleme des Unternehmens. Für das vergangene Jahr liegt noch immer kein Konzernabschluss vor, die Hauptversammlung wurde von Juli auf August verschoben. „Die Aktionäre müssen das Schlimmste befüchten“, warnt Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Aufsichtsratschef Jürgen Uhlemann weist diese Befürchtungen zurück: „Thomas Stein hatte nie vor, seinen Vertrag zu verlängern“, sagte der Unternehmer dem Tagesspiegel. Hinzu komme, dass Steins Frau Cornelia ein Baby erwartet. Mit dem finanziellen Zustand des Unternehmens habe die Entscheidung nichts zu tun, betont Uhlemann: „Die Entwicklung ist nicht schlecht.“ Zwar werde der Konzern für 2007 und 2008 noch rote Zahlen schreiben, „doch für 2009 bin ich zuversichtlich“, sagt der Aufsichtsratschef. Auch Stein selbst beteuert, sein Ausscheiden habe rein familiäre Gründe. Der Konzernabschluss werde spätestens in zwei Wochen vorgelegt, sagte er dem Tagesspiegel.

Kritiker Steins sehen das anders. „Stein versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, aber das wird ihm nicht gelingen“, meint Frank Nußbaum. Nußbaum war früher Finanzvorstand bei der Jack White AG. Die hatte sein Vater Jack White – mit bürgerlichem Namen Horst Nußbaum – gegründet und Stein im Herbst 2005 ins Unternehmen geholt. Aus den Männerfreunden wurden Feinde. Als erstes trat White-Sohn Frank 2006 wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Führung der US-Gesellschaften zurück, im August vergangenen Jahres musste dann auch Firmengründer Jack White gehen. Seitdem überziehen sich Jack White und Thomas Stein mit Klageandrohungen und Vorwürfen. Während Stein mit der Firma nach München umgezogen ist, hat Jack White in Berlin ein neues Label – Gloriella Music – gegründet. Mit dabei sind Sängerinnen wie Lena Valaitis und Ireen Sheer.

Dagegen setzt 313 Music JWP auf die Vermarktung von Deutschlands Superstars wie Mark Medlock und Thomas Godoj und will das Veranstaltergeschäft ausbauen. Dieter Bohlen, Jury-Chef bei DSDS, hat einen Beratervertrag, auch Stein will einen solchen Vertrag. Frank Nußbaum ist empört: „Erst wirtschaftet er das Unternehmen herunter, und dann will er auch noch abkassieren.“ Tatsächlich ist es mit dem Unternehmen in den vergangenen Jahren bergab gegangen. 2006 hatte sich der Umsatz auf 11,7 Millionen Euro halbiert und die Jack White AG war mit acht Millionen Euro in die Miesen gerutscht. Für das vergangene Jahr weist die 313 Music JWP AG – wie das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr heißt – einen Umsatz von nur noch 3,2 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von 4,3 Millionen Euro aus. Vorstandschef Stein hat das Unternehmen laut Geschäftsbericht ein Vorstandsgehalt von 304 000 Euro gezahlt.

Während Aufsichtsratschef Jürgen Uhlemann Gerüchte über eine drohende Insolvenz des Unternehmens weit von sich weist, hat Frank Nußbaum Zweifel: „Wir haben das Unternehmen damals sauber und mit fünf Millionen Euro Cash in der Kasse übergeben.“ Bevor Stein das Haus verlässt, sollte dringend ein Kassensturz gemacht werden, empfiehlt er.

Dann sollte auch geprüft werden, wo die Kapitalerhöhung geblieben ist. Rund 2,5 Millionen Euro haben die Aktionäre – allen voran der Effecten-Spiegel – dem Unternehmen vor einigen Monaten zugeschossen. „Wie lange reicht das Geld noch?“, fragt auch Aktionärsvertreter Kunert. Stein selbst will die „ständigen Unterstellungen“ nicht kommentieren. Dem Aktienkurs hat die Kapitalspritze nicht geholfen. 53 Euro hatte die Aktie beim Börsenstart 1999 gekostet. Als Stein Vorstandschef bei Jack White wurde, waren es noch neun Euro. Am Freitag wurde das Papier für 63 Cent verscherbelt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar