Wirtschaft : 750 Euro für das letzte Stück Parkett

Die Berliner Börse blickt auf ein gutes Jahr zurück - trotz der Schließung des Präsenzhandels

Philipp Lichterbeck

Berlin - Der Wehmut der Berliner Börsianer hielt sich dann doch in Grenzen. Im Ludwig Erhard Haus, dem Sitz der Berliner Börse, feierten sie das Ende eines Börsenjahres, in dem es hieß: Abschied nehmen vom Handel auf Zuruf und Handzeichen. Denn die Berliner Börse schloss im Sommer ihren Parkettbetrieb, gehandelt wird seitdem nur noch elektronisch, also per Computer. Das beliebte, weil anschauliche Bild vom Börsenparkett als Marktplatz, wo die Händler mit hochgekrempelten Ärmeln zusammenkommen, gehört in Berlin der Vergangenheit an.

Doch die Umstellung kam nicht plötzlich, sondern vollzog sich über die letzten Jahre. Am Ende waren es nicht mal zwei Dutzend Händler, die sich noch im Börsensaal trafen. Börsenpräsident Jörg Franke fasste den Abschied in seiner Rede zur Jahresabschlussbörse denn auch emotionslos zusammen: „Es ist kein Wunder, dass heute Nachmittag mehr Bevölkerung hier ist, als im Börsensaal. Das Ding ist ja auch zu.“

Nur die älteren Makler und Maklerinnen schwelgten in den Zeiten, als man seine Handelspartner vor sich sah. Angela Imlau, ehemalige Leiterin der Börsenabteilung der Berliner Volksbank, erinnert daran, wie man sich damals half, wenn mal ein Fehler passierte: „Es war eine schöne Zeit, weil wir uns nicht gegenseitig hängen ließen. Ich bin traurig.“

Nach dem Schluss der Räume hatte die Berliner Börse ihr gesamtes Parkett zersägen lassen und fast alle der 34 Stücke bei Ebay versteigert. Nur eins der 30 mal 30 Zentimeter großen Teile aus hellem Buchenholz wurde bis Freitag aufgehoben. Es ging für 750 Euro an einen ergrauten Kursmakler.

Damit brachte die Versteigerung, bei der auch 15 Maklerstühle, 28 Arbeitsplatzlampen und die besonders begehrte Börsenuhr ihren Besitzer wechselten, insgesamt 7850 Euro ein. Den Auktionserlös spendete die Börse an das Kinder-, Jugend-, und Familienzentrum FEZ in der Berliner Wuhlheide. Die Kinder sollen mit dem Geld ein Börsenspiel veranstalten.

Die Berliner Regionalbörse ist im internationalen Vergleich klein. Doch sie hat sich eine Nische mit ausländischen Aktien und frei handelbaren Aktienfonds erarbeitet. In diesem Jahr hat sie das Angebot ausländischer Aktien um rund 2000 auf 15 000 Titel erweitert. Die Palette der handelbaren Investmentfonds wurde in Berlin auf 3100 erhöht. Der Aktienumsatz stieg 2006 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent auf 31 Milliarden Euro. Deutschlandweit stieg er nur um 31 Prozent.

In Berlin besonders erfolgreich waren so genannte „grüne Aktien“, also Aktien von Firmen, die in Umwelttechnik investieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar