Wirtschaft : Ab Jahr 2000 Hoffnung für ostdeutsche Arbeitslose

HALLE (sil). In den neuen Bundesländern wird sich die Lage am Arbeitsmarkt zunächst nicht entspannen. Davon geht das IWH-Institut für Wirtschaftsforschung, Halle (Saale), in seiner jährlichen Sommerprog

nose aus. Danach werde die Zahl der Arbeitslosen im Prognosezeitraum 1999 / 2000 im ersten Arbeitsmarkt nochmals um etwa 50 000 zunehmen. Zwar kam es in der ostdeutschen Industrie im vergangenen Jahr zu einer Trendwende bei der Beschäftigung und per saldo wird das Personal erwartungsgemäß wieder aufgestockt, im Gegenzug werden dafür aber die Stellenstreichungen im Baugewerbe fortgesetzt. Erst im Jahr 2000 ist nach Angaben des IWH mit einer Stabilisierung des ersten Arbeitsmarktes im Zuge eines gesamtwirtschaftlichen Produktionsanstieges zu rechnen.

Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es erste Anzeichen für das Ende der Eintrübung der ostdeutschen Industrie. Seit März nehmen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe wieder leicht, aus dem Ausland sogar deutlicher zu. Verstärkt nachgefragt werden seitdem Vorleistungsgüter, was vom IWH als Indiz für einen nachfolgenden Produktionsauftrieb auch bei Investitions- und Konsumgütern gewertet wird. Nachdem die Bauproduktion im vergangenen Jahr regelrecht eingebrochen war und dieser Einbruch das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Ostdeutschland stark belastet hatte, rechnet das IWH für das kommende Jahr mit einem leichten Rückgang der negativen Einflüsse durch das Baugewerbe. So lag die Produktion des Bauhauptgewerbes im ersten Vierteljahr 1999 knapp über dem Niveau des Vorquartals, eine Trendwende kann nach Angaben des IWH daraus jedoch noch nicht abgeleitet werden.

Für den zweiten Arbeitsmarkt erwarten die Statistiker, daß die Zahl der Teilnehmer an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen 1999 im Jahresdurchschnitt nochmals über dem Vorjahresstand liegen wird. Das IWH sieht beschäftigungspolitische Programme mittelfristig jedoch nicht als Lösung für die Arbeitsmarktprobleme in den neuen Bundesländern an. "Wir plädieren nicht für Sondermaßnahmen von staatlicher Seite", erklärt Udo Ludwig, der die Befragung von 300 ostdeutschen Unternehmen mit ausgewertet hat. "Die Unternehmen müssen diese Aussichten verkraften und dementsprechend handeln", so Ludwig.

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