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Abgasskandal bei Volkswagen : Designierter Nordamerika-Chef Vahland verlässt VW

Kurz vor dem geplanten Amtsantritt verlässt der Nordamerika-Chef den Konzern. Der dementiert unterdessen die angebliche Verstrickung von 30 Managern in die Abgasmanipulationen.

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Winfried Vahland war bisheriger Chef der VW-Tochter Skoda.
Winfried Vahland war bisheriger Chef der VW-Tochter Skoda.Foto: dpa

Der Weg aus der Krise ist lang und voller Hindernisse. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der eigentlich für die USA als Nothelfer vorgesehene VW-Manager Winfried Vahland die Brocken hinwirft, bevor er am 1. November die Leitung der Region Nordamerika übernimmt. Der Aufsichtsrat hatte erst am 25. September die Neuordnung des Geschäfts in Nordamerika und die Bestellung Vahlands beschlossen. Angeblich gab es nun unterschiedliche Auffassungen über die Strategie in den USA an der VW-Spitze, meldete die Nachrichtenagentur Reuters.
In den USA ist die Situation des Konzerns besonders prekär, weil dort die Behörden getäuscht wurden über den tatsächlichen Ausstoß von Stickoxiden durch Dieselmotoren. Inzwischen ist eine Handvoll Top-Manager, darunter auch der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, ausgewechselt worden. Die niedersächsische Justizministerin entschuldigte sich am Mittwoch für „den Fehler der Staatsanwaltschaft Braunschweig“, die Ende September fälschlicherweise behauptet hatte, gegen Winterkorn zu ermitteln. Die Prüfung, ob es einen Anfangsverdacht gebe, dauere an, sagte nun die zuständige Ministerin.

VW-Chef Müller trifft heute 400 Führungskräfte

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hatte wenige Tage nach Bekanntwerden des Skandals die US-Kanzlei Jones Day mit der Aufklärung beauftragt. Das Magazin „Spiegel“ berichtete am Mittwoch, die Ermittlungen der Kanzlei hätten inzwischen ergeben, dass einige Dutzend Führungkräfte Kenntnis gehabt hätten von der Motormanipulation. VW wies den Bericht als Spekulation zurück. Bis Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen, dürften noch Wochen vergehen.

Bosch-Chef warnt vor hohen Grenzwerten

Der neue VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller hat für den heutigen Donnerstag rund 400 Konzernmanager nach Dresden bestellt, um ihnen den aktuellen Stand zu erläutern. Bosch-Chef Volkmar Denner warnte unterdessen vor zu strengen Vorgaben für den Diesel. Wenn man die Abgasgrenzwerte „unrealistisch absenkt, sodass sie mit klassischen Verbrennungsmotoren nicht mehr erreichbar sind, dann tut man dem Verbraucher und der Industrie nichts Gutes“. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte entsprechende Überlegungen geäußert.

Spekulationen um Vahland

Vahland war auch als Kandidat für die Nachfolge von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gehandelt worden, die Wahl war dann aber auf Porsche-Chef Matthias Müller gefallen. Der Aufsichtsrat hatte den 58-Jährigen zum 1. November als Konzernverantwortlichen für die neue Region USA, Mexiko und Kanada ernannt. In dieser Funktion sollte Vahland an den neuen VW-Markenchef Herbert Diess berichten. Davor war spekuliert worden, Vahland könne zum Konzernvorstand für das Amerika-Geschäft berufen werden. Dann hätten die USA in der Konzernspitze ein ähnliches Gewicht erhalten wie das China-Geschäft, für das Jochem Heizmann zuständig ist.

Untersuchungen laufen noch

VW-US-Chef Michael Horn hatte vergangene Woche bei einer Anhörung im US-Kongress gesagt, der Einsatz der Abschaltsoftware sei nicht durch den Konzern entschieden worden. "Das waren ein paar Software-Ingenieure, die das aus irgendwelchen Gründen eingebaut haben", erläuterte er vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Weltweit sind bis zu elf Millionen Autos mit dem manipulierten Computerprogramm unterwegs. Ob und wie weit es auch in anderen Ländern unerlaubt eingreift, wird noch untersucht.

Mit Vahland verlässt ein Manager Volkswagen, dessen Fähigkeiten in dem weltumspannenden Konzern geschätzt werden. Den ersten Ritterschlag verdiente er sich in China: Als dort vor zehn Jahren der Autoboom einsetzte, baute Vahland die dort dringend benötigen Fertigungskapazitäten auf, brachte neue Modelle an den Start und legte so die Basis für den Erfolg von Volkswagen auf dem inzwischen weltgrößten Pkw-Markt. 2010 kehrte Vahland zu Skoda zurück, wo er Anfang der 2000er Jahre schon einmal im Vorstand saß. Seither steht der Manager mit dem grauen Kurzhaarschnitt an der Spitze der tschechischen VW-Tochter. Seine Karriere begann der gebürtige Westfale bei Opel, es folgte Audi. In Ingolstadt begann schon für mehrere spätere VW-Top-Manager die Karriere. Winterkorn selbst war Audi-Chef, bevor er Anfang 2007 nach Wolfsburg wechselte. Winterkorn trat wegen des Abgasskandals im September zurück.

Skoda peilt die 1,5-Millionen-Marke an

Unter Vahland hat Skoda sein Biedermann-Image ablegt. Die Marke mit dem geflügelten Pfeil im Logo macht mit ansprechendem Design und höherwertiger Ausstattung der Autos anderen Töchtern des Wolfsburger Imperiums Konkurrenz. Die einstige graue Maus ist zudem ein wichtiger Ertragsbringer des VW-Konzerns geworden. Im vergangenen Jahr verkauften die Tschechen weltweit erstmals mehr als eine Millionen Fahrzeuge. In den nächsten drei Jahren peilt Skoda die 1,5-Millionen-Marke an. Dazu beitragen sollen neben den bereits neu aufgelegten Fabia, Octavia, Superb sowie weitere Modelle. Skoda hätte dann vom Stadtflitzer Citigo bis zum schweren SUV alles im Angebot, was man als Hersteller braucht, um oben mitspielen zu können. (mit Reuters)

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