Absatzkrise : Bei Opel geht wieder die Angst um

Die Opelaner sind alarmiert: General Motors will sein Europageschäft profitabel machen - mit allen Mitteln.

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Auf der Streichliste. Das 1962 gegründete Werk in Bochum mit 3000 Mitarbeitern soll offenbar geschlossen werden. Bis 2014 ist dies laut Betriebsvereinbarung nicht möglich.
Auf der Streichliste. Das 1962 gegründete Werk in Bochum mit 3000 Mitarbeitern soll offenbar geschlossen werden. Bis 2014 ist dies...Foto: dpa

Es ist die bekannte Drohkulisse und der bekannte Ton aus Detroit, der die Opel-Beschäftigten in diesen Tagen wieder einmal in Alarmbereitschaft versetzt. Die US-Konzernmutter General Motors (GM), so heißt es in verschiedenen Quellen, will mit drastischen Einschnitten ihr Europageschäft endlich profitabel machen – koste es, was es wolle. Nach einem Verlust von 523 Millionen Euro im Jahr 2011 sollen zwei Werke mit zusammen 5000 Beschäftigten geschlossen werden, in Bochum und im britischen Ellsmere Port. Die 40 000 Opelaner in Europa sollen außerdem noch einmal dauerhaft verzichten: auf Lohn, Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Angeblich wird schon an einzelnen Standorten über zusätzliche Sparmaßnahmen verhandelt – obwohl es doch eigentlich eine Betriebsvereinbarung gibt. Danach darf bis Ende 2014 nicht betriebsbedingt gekündigt und kein Werk geschlossen werden. Im Gegenzug bringen die Beschäftigten in Europa jährlich 265 Millionen Euro an Einsparungen auf.

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und Chef des Europäischen Arbeitnehmerforums von Opel/Vauxhall, Wolfgang Schäfer-Klug, hält die Gerüchte aus Detroit für ein Manöver. „Behauptungen, dass es lokale Verhandlungen über Einsparungen gäbe, entsprechen nicht der Wahrheit“, teilte Schäfer-Klug am Freitag mit. Es mache außerdem wenig Sinn, über teure Werksschließungen zu spekulieren. „Diese würden eine Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone auf Jahre hinaus unmöglich machen.“ Nach „Handelsblatt“-Informationen würde die Schließung der beiden Werke rund 1,5 Milliarden Euro kosten. „Spekulationen über teure Werksschließungen nach 2014 verbieten sich schon deshalb, da es ausreichend Produktionsvolumen für die europäischen Werke gäbe, wenn Opel/Vauxhall-Fahrzeuge nicht mehr aus anderen Regionen importiert werden würden“, sagte Schäfer-Klug.

Er erneuerte den Vorwurf an die Unternehmensführung, die Aufforderung der Arbeitnehmer, „konstruktive Gespräche auf europäischer Ebene zu beginnen“, zu ignorieren. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und GM-Vertreter bei Opel/Vauxhall hätten im Dezember 2011 zugesagt, die Eckpunkte eines Unternehmensplans vorzulegen und gemeinsam an diesem zu arbeiten. Angeblich soll dieser Plan, der sich mit den langfristigen Perspektiven von Opel beschäftigt, nun in der kommenden Woche im Aufsichtsrat diskutiert werden. Glaubt man Arbeitnehmern und Beobachtern, sieht es nicht gut aus – vor allem nicht für das Werk in Bochum.

Abzulesen ist dies auch an der Ankündigung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die am Freitag wissen ließ, sie werde sich für die Zukunft des Werkes einsetzen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) übte harte Kritik am Management von General Motors. Das jahrelange Spiel des US-Konzerns mit der Angst der Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze sei unverantwortlich.

Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) sprach von „Gerüchten“ und nannte diese „äußerst bedauerlich“. „Das Werk in Bochum ist sehr gut, flexibel und zukunftsfähig aufgestellt. Es besitzt – auch im internationalen Vergleich – eine hohe Produktivität, Auslastung und Wettbewerbsfähigkeit.“ Das 1962 gegründete Werk ist mit mehr als 3000 Mitarbeitern der größte industrielle Arbeitgeber in der Region und hat nach Unternehmensangaben eine Kapazität von 160 000 Fahrzeugen jährlich. Zurzeit werden dort der Kompaktvan Zafira und Teile der Astra-Modellpalette produziert.

Gerade die effiziente Abstimmung von Werken, Modellen und Märkten macht GM zu schaffen. So musste die Produktion jüngst reduziert werden, weil die Werke nur zu drei Vierteln ausgelastet sind. Teile der Astra-Produktion sollen dennoch aus Rüsselsheim nach Polen verlagert werden – aus Kostengründen. Die Arbeitnehmerseite fordert stattdessen eine Offensive: Nur mit neuen Modellen und neuen Märkten könne das Volumen erhöht und Opel saniert werden, sagte Wolfgang Nettelstroth, Sprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen: „GM muss sich entscheiden, mehr Autos zu verkaufen, nicht Opel kleinzusparen. Das gefährdet die Marke und damit alle Standorte.“ (mit dpa, dapd)

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