Wirtschaft : Abschied von Hoechst

Letzte Hauptversammlung in der Firmengeschichte

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Frankfurt am Main Ein nüchterner Zweckbau in der hessischen Kurstadt Wiesbaden bot am Montag die Kulisse für den Epilog auf ein Stück deutscher Industriegeschichte. Etwa 150 Aktionäre versammelten sich im Saal 6 der Rhein-Main-Hallen zur letzten Hauptversammlung der Hoechst AG. Einziger Punkt der Tagesordnung: die Abstimmung über eine Zwangsabfindung durch den Mehrheitseigner Aventis.

Am Ausgang des Votums gab es keinen Zweifel, auch wenn die Aktionärsversammlung bei Redaktionsschluss noch andauerte. Aventis hält inzwischen mehr als 98 Prozent des Kapitals und will mit dem so genannten „Squeeze-out“ den Weg frei machen für die vollständige Eingliederung der alten Hoechst AG in ein noch größeres Gebilde: den gerade neu formierten Pharmariesen Sanofi-Aventis.

Und für Wehmut bot die letzte Hauptversammlung in der 140-jährigen Firmengeschichte von Hoechst gleichwohl wenig Anlass. Denn operativ endete die Geschichte bereits vor fünf Jahren, als Firmenchef Jürgen Dormann den Konzern in die Fusion mit Rhône-Poulenc führte. Aber auch die daraus entstandene Aventis-Gruppe erwies sich als zu schwach, um dem Fusionsstreben des französischen Konkurrenten Sanofi zu widerstehen.

Wie kein anderes Beispiel symbolisiert der Werdegang von Hoechst damit den Niedergang der deutschen Pharmaindustrie. Dabei gehörte das Unternehmen ein Jahrhundert zuvor zu den Pionieren der pharmazeutischen Industrie. Die Zusammenarbeit mit Nobelpreisträgern wie Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich begründete damals den Weltruf des Konzern und die Rolle Deutschlands als „Apotheke der Welt“. An diese Glanzzeiten konnte Hoechst letztlich nie mehr anknüpfen, auch wenn man mit einer Serie von Übernahmen in der Nachkriegszeit zumindest umsatzmäßig noch einmal eine Spitzenposition eroberte.

In den frühen 90er Jahren stand Hoechst bereits auf schwachem Fundament, als der neue Chef Jürgen Dormann antrat, den Chemie- und Pharmariesen zu „entfrosten und entrosten“. Seine Radikalkur mündete in der Zerschlagung der alten Hoechst AG. Kleinere Randbereiche wurden in Firmen wie SGL Carbon oder Pfeiffer Vakuum ausgegliedert. Einen Teil des Chemiegeschäfts brachte Dormann in die Schweizer Clariant ein, den anderen Teil als Celanese AG an die Börse, das Pharmageschäft ging in Aventis auf.

Aktionäre können sich damit trösten, dass sie in den letzten zehn Jahren mit der Hoechst-Aktie besser gefahren sind als die Eigner des Bayer-Konzerns. Das allerletzte Wort zu Hoechst werden wohl die Richter am Frankfurter Landgericht behalten, die über die Anfechtungsklagen von Kleinaktionären entscheiden. Die opponieren gegen das Sanofi-Angebot von 56,50 Euro je Aktie. shf (HB)

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