Absicherung gegen Brexit : Easyjet gründet Tochterfirma in Österreich

Immer mehr Billigflieger gründen Töchter in Österreich. So auch Easyjet. Damit sichert sich das Unternehmen gegen die Folgen des Brexit ab und genießt die günstigen Tarifbedingungen.

Rainer W. During
Ein Flugzeugmodell der britischen Billig-Airline easyJet steht vor der Anzeigetafel.
Ein Flugzeugmodell der britischen Billig-Airline easyJet steht vor der Anzeigetafel.Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Österreich entwickelt sich immer mehr zur kostengünstigen Oase für Billigflieger. Nachdem die Lufthansa hier bereits eine Schwerstern ihres Low-Cost-Carriers Eurowings angesiedelt hat, gab die britische Easyjet am Freitag bekannt, dass sie als Reaktion auf den Brexit beim Wiener Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde Austro Control die Betriebserlaubnis für eine Tochtergesellschaft beantragt hat.

Als EU-Fluggesellschaft kann Easyjet bisher Flüge zwischen allen Mitgliedsstaaten anbieten. Diese Rechte droht sie als britische Luftverkehrsgesellschaft mit dem Brexit zu verlieren. Die neue Easyjet Europe mit Sitz in Wien soll nun gewährleisten, dass diese Verkehrsrechte unabhängig von möglichen Verhandlungsergebnissen zu einem künftigen Luftverkehrsabkommen zwischen Großbritannien und der EU erhalten bleiben. Easyjet hat circa 4000 Mitarbeiter und rund 100 Flugzeuge mit britischer Zulassung in den übrigen EU-Staaten stationiert.

Diese Maschinen sollen nun auf die österreichische Tochter übertragen werden. In der Schweiz besteht bereits eine weitere Tochtergesellschaft mit 25 Flugzeugen und 950 Beschäftigten. In Großbritannien zählt die Airline 140 Jets und 6000 Mitarbeiter. Easyjet befördert jährlich rund 78 Millionen Passagiere und bedient 874 Strecken zwischen 138 Flughäfen in 31 Ländern.

Günstige Tarifbedingungen

Aktionäre aus den anderen EU-Staaten halten nach Angaben des Billigfliegers nahezu die Hälfte der Anteile. Allein 33 Prozent der Aktien befinden sich im Besitz der Familie des Firmengründers Stelios Haji-Ioannou, die durchweg zypriotische Pässe besitzt. Das Zulassungsverfahren in Österreich ist laut Easyjet bereits weit fortgeschritten, so dass man in naher Zukunft mit den erforderlichen Genehmigungen rechnet.

Ziel sei es gewesen, den besten Partner zu finden, hieß es bei Easyjet zur Entscheidung für den Standort Österreich. Austro Control verfolge einen strikten Kurs bei der Umsetzung der Richtlinien der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA hin zu mehr leistungsorientierter Sicherheit. Allerdings dürften auch die günstigen Tarifbedingungen eine Rolle gespielt haben.

Die Lufthansa hat in Wien mit Eurowings Europe bereits einen eigenen Flugbetrieb ihres Billigfliegers angesiedelt. Die Pilotengewerkschaft Cockpit und die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (UFO) werfen ihr deshalb Tarifflucht und Dumpinglöhne vor. Lufthansa besitzt auch Austrian Airlines, wobei aus regulatorischen Gründen 50,2 Prozent einer eigens zu diesem Zweck gegründeten, österreichischen Privatstiftung gehören.

Die Touristiksparte der Air Berlin wurde in deren österreichischer Tochtergesellschaft Niki gebündelt, die ebenfalls zu deutlich günstigeren Kosten produziert als das Mutterunternehmen. In Niki sollte nach einer geplanten Fusion auch der Flugbetrieb von TUIfly integriert werden, doch die Verhandlungen zwischen dem Touristikkonzern und dem Air Berlin-Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi sind gescheitert. Auch ein bereits vereinbarter Verkauf von Niki an die Araber konnte bisher nicht realisiert werden.

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