Absichtserklärung : Handyhersteller wollen einheitliche Ladegeräte

Wer sich heute ein neues Handy kauft, kann mit dem alten auch oft das zugehörige Ladegerät verschrotten. Nun haben sich die zehn größten Hersteller auf eine gemeinsame Technik verständigt - allerdings erst auf Druck aus Brüssel.

Thomas Gack

Brüssel Bevor Günter Verheugen am Montag vor die Presse trat, sah er in der Schublade seines Schreibtischs nach – und fand nicht weniger als sechs verschiedene Handy-Ladegeräte. Dem EU-Industriekommissar ging es in den vergangenen Jahren nämlich wie allen Nutzern von Mobiltelefonen: Wenn er ein neues Handy kaufte, musste er auch ein neues Landegerät mit kaufen. Denn auf dem Markt für Mobiltelefone herrscht Willkür. Jedes Handy benötigt sein spezielles Netzteil. Kaum ein Ladestecker passt in ein anderes Telefon – schon gar nicht in das eines anderen Herstellers.

Beim Neukauf muss man in schöner Regelmäßigkeit das alte Ladegerät wegwerfen. Auf diese Weise entstehen in der EU jedes Jahr mehrere tausend Tonnen Elektroschrott. „Das ist ein Ärgernis“, sagte Verheugen. Dass Ladegeräte nicht mit anderen kompatibel seien, „kostet unnötig viel Geld, ist unpraktisch und schadet der Umwelt“. Der Industriekommissar hat deshalb vor geraumer Zeit die Industrie aufgefordert, den verbraucherfeindlichen technischen Alleingängen ein Ende zu bereiten und sich auf eine gemeinsame Ladetechnik zu verständigen.

Der Druck aus Brüssel hatte Erfolg. Die zehn größten Hersteller, die rund 90 Prozent der in der EU verkauften Mobiltelefone herstellen, haben das Problem gemeinsam gelöst. Die Firmen – darunter Nokia, Motorola und Samsung – haben sich freiwillig auf eine gemeinsame Technik verständigt: Die neuen Mobiltelefone, die zur Datenübermittlung fähig sind, wird man künftig über den Micro-USB-Zugang mit einem universellen Netzteil aufladen können. Eine entsprechende Absichtserklärung der Industrie wurde am Montag dem EU-Industriekommissar übergeben, der sich hoch erfreut zeigte.

„Den Verbrauchern wird dadurch das Leben leichter gemacht“, sagte Verheugen. „Ich bin sehr froh, dass diese Lösung freiwillig im Zuge der Selbstregulierung gefunden wurde. Eine gesetzliche Regelung ist deshalb nicht mehr notwendig.“ Die Vereinbarung der Industrie wird in den kommenden Wochen durch eine neue technische Norm für Mobiltelefone ergänzt, die einer höheren Sicherheit dienen und Funkstörungen vermeiden soll. Mitte kommenden Jahres, so hofft man in Brüssel, werden die neuen Geräte mit dem universellen Netzgerät auf dem europäischen Markt sein.

Auch der Branchenverband Bitkom begrüßte die Lösung, die Verbrauchern und Umwelt helfe. Und der Bitkom nannte einen weiteren Vorteil: Auf Reisen könne man das eigene Ladegerät auch mal zu Hause lassen, da man künftig zum Beispiel in Hotels passende Geräte zur Hand haben werde. 

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