Wirtschaft : Ackermann räumt auf

Der Chef der Deutschen Bank will die Führungsspitze neu ordnen, um sein Renditeziel zu erreichen

C. Potthoff[C. Wanner],R. Landgraf

Frankfurt am Main - Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, greift durch. Nachdem er erst vergangene Woche „personelle und strukturelle Veränderungen“ in Aussicht stellte, um das für 2005 angestrebte Renditeziel von 25 Prozent zu erreichen, sind jetzt erste Einzelheiten eines weit reichenden Umbaus der Führungsriege bekannt geworden. Die geplanten Personalien sollen nach Informationen aus Finanzkreisen spätestens bei einer Tagung des erweiterten Vorstands der Bank am Wochenende in Nizza festgezurrt werden. Sprecher der Deutschen Bank wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Spätestens seit den enttäuschenden Zahlen des zweiten Quartals bezweifeln Analysten, dass die Bank das angestrebte und international übliche Renditeziel erreichen kann. Im ersten Halbjahr 2004 lag die Rendite bei 20 Prozent. Experten hatten wiederholt davor gewarnt, die Deutsche Bank sei wegen ihrer international vergleichsweise niedrigen Börsenbewertung – nicht zuletzt ein Resultat der schwachen Rendite – ein Übernahmekandidat.

Gespräche mit der weltgrößten Bank, der Citigroup, wurden vor Monaten allerdings abgeblasen. Die von der Bundesregierung später ins Rollen gebrachten Pläne, die Deutsche Bank solle die Postbank nicht die Börse bringen, sondern selbst übernehmen, wurden wegen der problematischen Doppelrolle des Branchenführers nicht weiter verfolgt. Nach dem Freispruch im Mannesmann-Prozess, der Ackermann wochenlang beschäftigt hatte, meldet sich der Deutsche-Bank-Chef nun zurück.

Obwohl die Bank sich offiziell zum Umbau der Top-Etage nicht äußern wollte, sickerte durch, dass der Bereich Firmenkunden und Investment-Banking (CIB) – er liefert 70 Prozent der Konzernerträge – eine Doppelspitze erhalten soll. Sie dürfte aus Michael Cohrs und Anshu Jain (siehe Kasten) bestehen, die derzeit für das Geschäft mit weltweit agierenden Konzernen (Corporate Finance) und das Zinsgeschäft (Global Markets) zuständig sind. Bisher bekleideten außerdem Jürgen Fitschen und Kevin Parker Führungspositionen bei CIB. Parker soll dem Vernehmen nach dafür gewonnen werden, die Vermögensverwaltung (Asset Management) zu übernehmen. Dieser Bereich wird von Tom Hughes geleitet, läuft aber nicht sonderlich gut. Fitschen ist als Gesamtverantwortlicher für Deutschland im Gespräch. Mit der Einführung eines neuen „Mr. Deutschland“ will Ackermann das Geschäft auf dem Heimatmarkt stärken.

Die Umbaumaßnahmen beziehen sich auf den erweiterten Vorstand, das so genannte Group Executive Committee (GEC). Diesem Gremium gehören außer den vier Vorständen Josef Ackermann, Clemens Börsig, Tessen von Heydebreck und Hermann-Josef Lamberti auch die Chefs der sieben Geschäftssparten an. Die Änderungen betreffen ausschließlich die sieben Spartenchefs, nicht aber die vier Vorstandsmitglieder. Von der Straffung der CIB-Führung erhofft sich Konzernchef Ackermann dem Vernehmen nach weitere Einsparungen. Ein größere Personalabbau stehe aber nicht auf der Agenda, heißt es in Finanzkreisen. HB

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