Wirtschaft : Ackermann trimmt neue Tochter auf Rendite

Gewinn soll sich bis 2010 fast verdreifachen / Arbeitsplätze vier Jahre garantiert / Für Kunden soll sich kaum etwas ändern

Stefan Kaiser

Berlin - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will seine hohen Renditeerwartungen auch auf die Berliner Bank ausdehnen. Nach dem Kauf durch die Deutsche Bank soll die bisherige Tochter der Bankgesellschaft Berlin ab 2010 rund 75 Millionen Euro Gewinn pro Jahr einbringen – nach Steuern. Bisher weist die Berliner Bank ihren Gewinn nur vor Steuern aus, für das vergangene Jahr lag er nach Angaben der Bankgesellschaft zwischen 42 und 45 Millionen Euro. Nach Steuern dürfte er Schätzungen zufolge unter 30 Millionen Euro liegen.

Gespart werden soll in Zukunft vor allem bei der Informatik und durch gemeinsamen Einkauf, nicht aber beim Personal. 1100 der rund 1200 Mitarbeiter sollen zur Deutschen Bank wechseln. Für sie wurden betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausgeschlossen. Die restlichen 100 Mitarbeiter bleiben im Bankenservice der Landesbank Berlin, der auch künftig für die Berliner Bank arbeiten soll. „Wir haben immer gesagt, dass nicht allein der Kaufpreis zählt“, sagte Hans-Jörg Vetter, Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin, zu der Landesbank und Berliner Bank bisher gehören. Auch Kriterien wie Weiterführungskonzepte und Transaktionssicherheit hätten eine Rolle gespielt.

Ackermann verteidigte am Mittwoch in Berlin den Kaufpreis, der mit 680,5 Millionen Euro deutlich höher ausgefallen war als erwartet. Der Preis spiegele „ein hochattraktives Kundenportfolio“ wider. „Wir sind mit dem erreichten Ergebnis sehr zufrieden“, sagte der Chef der Deutschen Bank. Pro Kunde bezahlt sein Institut mehr als 2000 Euro. „Der Preis ist eindeutig zu hoch“, sagte Matthias Engelmayer von Independent Research, dem Tagesspiegel. Der Kauf sei für die Deutsche Bank eher symbolischer als ökonomischer Natur. Wolfgang Gerke, Professor für Bankenwesen in Nürnberg, hält den Kauf für „ein strategisches Signal, dass man im Privatkundengeschäft aktiv sein will“. Ackermann hatte mehrmals betont, auch durch Zukäufe wachsen zu wollen.

Gemeinsam kommen Deutsche und Berliner Bank in Berlin auf 3800 Mitarbeiter, 770 000 Kunden und 119 Filialen. Damit rücken sie auf Platz drei vor (siehe Grafik). Für die Kunden der Berliner Bank soll sich zunächst kaum etwas ändern. „Die Berliner Bank wird ihre Eigenständigkeit behalten“, sagte Rainer Neske, der das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank leitet. Man werde auch in Zukunft unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die Aufteilung in zwei Marken sei eine Stärke. Profitieren werden die Berliner-Bank-Kunden laut Neske von der Mitgliedschaft der Deutschen Bank in der so genannten Cash Group. Deshalb werden sie bald kostenlos Geld an den Automaten der Dresdner Bank, Commerzbank, Postbank und Hypo-Vereinsbank abheben können. Auch die Leistungen der Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, würden künftig für die Kunden bereit stehen. Dafür sollen nach und nach weniger Anlageprodukte der Deka-Bank, die Investmenttochter der Sparkassengruppe, angeboten werden. Die Fonds der Gesellschaft BB Invest, die zur Bankgesellschaft gehört, sollen laut Privatkundenchef Neske aber weiter vertrieben werden.

ln Berlin löste der geglückte Verkauf, der Ende des Jahres vollzogen werden soll, fast ausnahmslos positive Reaktionen aus. Der Wirtschaftsstandort werde gestärkt, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Es ist im Interesse der Unternehmen, wenn die Berliner Bank eigenständig bleibt und ihren Sitz in der Hauptstadt behält.“

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßte die Übernahme. „Die Berliner Bank bleibt längerfristig als eigenständige Bank bestehen, das ist ganz wichtig“, sagte Verdi-Mitarbeiter Frank Wolf auf Anfrage. Während die Deutsche Bank den Mitarbeitern ihre Arbeitsplätze für vier Jahre garantiert, hätten andere Bewerber nur drei Jahre angeboten. Die Verbraucherzentrale Berlin betonte, Kunden der Berliner Bank müssten sich keine Sorgen bezüglich ihrer Einlagen machen. Auch Preisänderungen für Kontoführung oder sonstige Konditionen seien nicht abzusehen. mit alf

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