Wirtschaft : ADAC koopiert jetzt auch mit Sixt

Mitglieder erhalten deutliche Rabatte / Bisheriger Partner Europcar fürchtet um sein Geschäft

MÜNCHEN (tmh).In Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) will das Mietwagenunternehmen Sixt in neue Kundensegmente vordringen und den Markt für Unfallersatzwagen novellieren.Für die rund 13,4 Millionen ADAC-Kunden hat das deutliche Rabatte beim Automieten zur Folge, kündigten ADAC-Geschäftsführer Volker Knapp und Sixt-Chef Erich Sixt am Montag in München gemeinsam an.So sinke beispielsweise der Normaltarif für einen "Opel Corsa" von bei Sixt üblichen 172 DM pro Tag für ADAC-Mitglieder auf 99 DM pro Tag.Die Preise gelten auch bei der VW-Tochter Europcar, mit der der ADAC schon seit Ende 1991 Autos vermietet, betonte Knapp. Sixt stoße als Marktführer in Deutschland im Vermietgeschäft ab Juli deshalb neu hinzu, weil der ADAC 1996 bei 56 Mill.DM Vermietumsatz und 165 000 Buchungen (plus 9,5 Prozent) durch ADAC-Mitglieder an die Kapazitäten des Stationsnetzes gekommen sei.Zu den 450 Europcar-Vermietstationen kommen nun 326 weitere bei Sixt, die auf rund 400 Filialen ausgebaut werden sollen.Grundsätzlich verweise der ADAC seine Mitglieder an die nächstgelegene Station, egal ob Europcar oder Sixt, sagte Knapp.Gibt es beide an einem Ort, soll der Kunde selbst entscheiden.Europcar sei vom neuen ADAC-Partner Sixt nicht begeistert, räumte Knapp ein.Binnen zwei bis drei Jahren will der ADAC über Sixt seinen Vermietumsatz verdoppeln, Europcar aber nicht an den Rand drängen.Das sieht Sixt naturgemäß etwas anders.Falls der über den ADAC abgewickelte Europcar-Umsatz auf Null sinkt, "würde ich nicht klagen," ließ Sixt wissen.Der ADAC biete nicht nur durch seine große Mitgliederzahl enormes Wachstumspotential, sondern schaffe auch Zugang zu den bisher von Sixt eher am Rande bedienten Sparten Privatkunden/Tourismus und das Geschäft mit Unfallersatzwagen.Auf letzteres entfallen nur fünf Prozent der Sixt-Umsätze.Branchenweit sind es dagegen rund 30 Prozent.Große Teile der rund 900 kleinen Autovermieter in Deutschland würden davon leben, für Unfallersatzwagen um rund 20 Prozent überhöhte Preise zu kassieren, meinte Sixt.Das schaffe ein Marktvolumen von rund 1,5 Mrd.DM.KfZ-Werkstätten und Kleinvermieter hätten dabei zu "alten Provisions-Seilschaften" gefunden, denen er zusammen mit dem ADAC nun über "faire Preise" ein Ende setzen wolle.Deswegen suchen beide Partner auch das Gespräch mit der Assekuranz, die immer wieder über hohe Mietwagenpreise klage, wenn Versicherte nach einem Autounfall auf Kosten von Versicherungen einen Ersatzwagen mieteten. Die ADAC-Kooperation sei deutschlandweit und flächendeckend zudem in Richtung professionelles Car-Sharing ausbaubar, schwärmte Sixt.Die Rabatte für ADAC-Mitglieder würden im übrigen nicht eine Verwässerung der Sixt-Profite nach sich ziehen.Da die eigenen Fixkosten praktisch unverändert blieben, könnte die Kooperation zur "deutlichen Ergebnisverbesserung führen".Den Vermietumsatz will Sixt im laufenden Jahr ohne ADAC-Effekte auf "mindestens 900 (Vorjahr 753) Mill.DM steigern.

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