Wirtschaft : Adidas-Salomon AG: Wechsel an der Spitze des Unternehmens

tmh

Herbert Hainer hat ab dem heutigen Donnerstag ein Problem weniger. Der ambitionierte Topmanager, der es nach eigenem Bekunden nicht mag, die Nummer Zwei zu sein, wird dann auch offiziell Nachfolger von Robert Louis-Dreyfus als Vorstandsvorsitzender der Herzogenauracher Adidas-Salomon AG. Die Fäden hält der 46-jährige Niederbayer schon seit über einem Jahr in der Hand. Damals hatte ihn der scheidende Louis-Dreyfus den Verkaufsvorstand für die Regionen Europa, Afrika und Asien zu seinem Kronprinzen bestimmt und die Geschäfte seitdem immer mehr dem gebürtigen Dingolfinger überlassen.

Als klar war, dass Hainer das konzerninterne Rennen um die Nachfolge von Louis-Dreyfus für sich entschieden hatte, gaben vor Jahresfrist drei Adidas-Vorstände ihren Rückzug bekannt. Diplombetriebswirt Hainer, der 1987 von Procter & Gamble zu Adidas kam, ließ das Ausscheiden seiner Vorstandskollegen von der Pressestelle lakonisch als "erste Maßnahmen, die Zukunft unserer Marken noch erfolgreicher zu gestalten" kommentieren. Spätestens seit diesem Zeitpunkt gilt Hainer als äußerst energisch.

Die Durchsetzungsfähigkeit wird er auch brauchen. Denn Adidas, mit einem Umsatz von 11,3 Milliarden Mark der zweitgrößte Sportartikler der Welt, macht zurzeit eine Schwächeperiode durch. Und das hat auch zum Teil auch mit dem Wirken des scheidenden Vorstandschefs zu tun, der Adidas-Salomon nur als Aktionär verbunden bleibt.

Louis-Dreyfus, Spross einer reichen französischen Handels- und Schifffahrtsdynastie, hatte Adidas zunächst erfolgreich saniert. Er schloss unrentable Werke in Deutschland und Frankreich und verlagerte die Produktion an Lohnfertiger in Südostasien oder Osteuropa.

Bei manchen gilt Adidas-Salomon seitdem als virtueller Großkonzern, dessen Zentrale und Marketingabteilung in Herzogenaurach sitzt, der sonst aber nur per Internet mit Zulieferern in aller Welt in Verbindung steht. Unter Louis-Dreyfus wurde Adidas vom Sportartikel-Hersteller zum -Händler. Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Adidas-Börsengang 1995 fädelte der Harvard-Absolvent mit der Übernahme des französischen Sportartiklers Salomon für 2,4 Milliarden Mark jedoch einen spektakulären und zunächst gefeierten Deal ein, unter dem die neue Adidas-Salomon AG noch heute leidet.

Für Salomon habe man wohl zu viel bezahlt, räumte der unkonventionelle Sanierer, der gern im Poloshirt auftritt, selbstkritisch ein. Die Integration von Salomon, der das traditionelle Adidas-Sortiment vor allem um Skier bereichert, geriet mühselig und kostspielig. Ein ursprünglich für dieses Jahr angepeilter US-Börsengang musste verschoben werden. "Wir haben in den Jahren schnellen Wachstums Fett angesetzt," beschrieb der neue Vorstandschef Hainer jüngst den aktuellen Zustand des Unternehmens. Deshalb hat er dem Konzern eine neue Markenstrategie und ein Fitnessprogramm verordnet, das 75 Millionen Mark kosten wird.

Im Zuge des Programms wird die Zahl der Lagerstätten europaweit von 25 auf fünf verringert, ein Fünftel des Sortiments ausgemustert und verstärkt an hochpreisigen Innovationen gearbeitet. Das soll ab diesem Jahr per anno 100 Millionen Mark mehr in der Kasse bringen. Vor allem aber muss Adidas-Salomon in den USA wachsen, wo knapp die Hälfte des globalen Sportartikelumsatzes anfällt. Dort liegen die Franken mit knapp 13 Prozent Marktanteil weit hinter Weltmarktführer Nike zurück, der einen Anteil von 40 Prozent hält.

Um bis 2003 in den USA zumindest ein Fünftel des Marktes zu kontrollieren, wurde jüngst das US-Topmanagement der Herzogenauracher ausgewechselt. Da der passionierte Langstreckenläufer Hainer sich als Angreifer sieht, dürfte die Aufholjagd kaum bei dieser Quote enden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben