• Adtranz und die schweizerische Stadler AG gründen Gemeinschaftsunternehmen, aber jeder dritte Arbeitsplatz fällt weg

Wirtschaft : Adtranz und die schweizerische Stadler AG gründen Gemeinschaftsunternehmen, aber jeder dritte Arbeitsplatz fällt weg

jn

Die Schließung des Bahntechnik-Werks Pankow ist endgültig abgewendet. Am Dienstag unterzeichneten die DaimlerChrysler-Tochter Adtranz und die Stadler Fahrzeuge AG einen Joint-Venture-Vertrag, der den Fortbestand des Standortes sichern soll. "Damit hat Pankow wieder eine klare Perspektive", sagte Rolf Eckrodt, Vorsitzender der Konzernleitung von Adtranz.

Stadler wird über ihre Holdinggesellschaft PSC zu zwei Dritteln an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt sein, DaimlerChrysler Rail Systems (Adtranz) zu einem Drittel. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Die unternehmerische Führung liegt bei Stadler. Das neue Unternehmen mit dem Namen "Stadler Pankow GmbH" wird Gelenktriebwagen und Schienenfahrzeuge für spezielle Kundenbedürfnisse herstellen. Außerdem soll in Pankow der Regio-Shuttle gefertigt werden.

In dem Pankower Werk sollen 200 der gegenwärtig 350 Arbeitsplätze gesichert werden. Allerdings hat Stadler die Option, vom Vertrag zurückzutreten, falls der Personalabbau am Widerstand von Betriebsrat und Gewerkschaft scheitert. Neben der Stellenreduzierung fordert Stadler-Vorstandschef Peter Spuhler eine Ausweitung der Arbeitszeit von derzeit 35 auf 40 Stunden, weitere Flexibilisierungen sowie einen Lohnverzicht von fünf Prozent. Zudem will Spuhler aus dem Flächentarifvertrag aussteigen. Derzeit wird mit der IG Metall über einen Haustarifvertrag verhandelt. Die Gespräche verliefen "sehr gut", betonte Spuhler am Dienstag.

Auch die IG Metall betonte, man sei mit dem Stand der Verhandlungen "zufrieden". Bezirkschef Arno Hager, der für die Gewerkschaft in den Verhandlungen um die Zukunft des Werkes saß, erklärte, der Einstieg Stadlers sei eine "sehr gute Lösung". Schließlich sollte das Werk ursprünglich zum Jahresende geschlossen werden. Zum Inhalt der Gespräche sagte Hager, die 40-Stunden-Woche sei "im Grundsatz durch". Er gehe allerdings davon aus, dass trotz des angekündigten Personalabbaus "nur sehr wenige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden". Ein Teil der Beschäftigten im Pankower Werk werden seinen Angaben zufolge künftig im Adtranz-Werk Hennigsdorf arbeiten.

Der Vetragsunterzeichnung war ein monatelanges Tauziehen um den Fortbestand des Standortes vorausgegangen. Das Pankower Werk war erst im Jahre 1996 fertig gestellt worden und gehört zu den modernsten Montagewerken für Schienenfahrzeuge in Europa. Nachdem jedoch im vergangenen Jahr U-Bahn-Aufträge der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ausgeblieben waren, war das Werk in seiner Existenz bedroht. Sein Engagement in Pankow machte Adtranz vom Auftrag über 20 weitere U-Bahnen abhängig. Erst nachdem der Senat in der vergangenen Woche dem Erwerb der Züge zugestimmt hatte, konnte das Joint Venture zustande kommen.

Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sagte am Dienstag, dass die Politik nun auf die Einhaltung der Unternehmenszusagen zum Erhalt der Arbeitsplätze achten werde. Sollten die Stellen in Pankow nicht dauerhaft gesichert werden, könnte der Senat die in den vergangenen Jahren geflossenen Fördermittel in Höhe von 18,4 Millionen Mark zurückfordern. Er sei aber optimistisch, dass das Joint Venture eine Initialzündung für die Ansiedlung weiterer Verkehrstechnikunternehmen und Zulieferer in Berlin sein kann.

Die Stadler Fahrzeuge AG, Bussnang / Thurgau, setzte 1998 rund 100 Millionen Franken um. Sie beschäftigt in der Schweiz bislang rund 250 Mitarbeiter. Damit gehört Stadler nicht zu den Riesen, betont aber stets, als mittelständisches Unternehmen besonders flexibel arbeiten zu können. Zur Produkt-Palette gehören Lokomotiven, Spezialschienenfahrzeuge sowie Zahnradtriebwagen. Entgegen dem Branchentrend konnte Stadler in den vergangenen Jahren wachsen und agiert erfolgreich am Weltmarkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben