Wirtschaft : Ängstliche Anleger drücken die Kurse

Dax verliert wegen Sorgen um Ölpreis und Zinsen weiter / DIW sieht deutsche Wirtschaft nur „im Kriechgang“

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Berlin (brö). Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag erneut deutliche Verluste verzeichnet. In allen Branchen gab es hohe Kursabschläge, bis zum Handelsschluss rutschte der Deutsche Aktienindex Dax auf 3784,61 Punkte, das war ein Minus von 2,9 Prozent. Bereits Ende vergangener Woche waren die wichtigsten Notierungen stark unter Druck geraten. Als Grund nannten Händler den hohen Ölpreis und die Angst vor steigenden Leitzinsen in Amerika. Am Montag kamen noch schlechte Konjunkturnachrichten hinzu: Demnach ist von einem starken Aufschwung in Deutschland noch nichts zu spüren, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zwischen Anfang April und Ende Juni werde die Wirtschaft nur um 0,3 Prozent wachsen.

Schon am Morgen war der Dax mit hohen Verlusten in den Handel gestartet, die er dann im Handelsverlauf ausbaute. Ende April, also bis vor rund zwei Wochen, hatte der Dax noch bei 4134 Punkten gestanden. Größter Verlierer am Montag war die Aktie der Commerzbank, die bei einem Minus von 4,8 Prozent lag. Abgestoßen wurden auch Papiere der Allianz, die 4,4 Prozent einbüßten. Starke Verluste verbuchten auch Technologiewerte. Der TecDax rutschte um 5,3 Prozent auf 544,70 Punkte ab. „Die Marktteilnehmer kaufen keine Aktien, sondern schaffen erst einmal Liquidität, um zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder einsteigen zu können“, sagte Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck&Aufhäuser. Selbst gute Unternehmensdaten ignoriere der Markt.

Auch die Börsen in den USA setzten ihren Negativtrend fort. Der Dow-Jones-Index fiel zum Handelsstart unter die Marke von 10000 Punkten. Am Abend lag er mit einem Minus von 1,2 Prozent leicht darüber. Die Nasdaq gab ebenfalls nach.

Die Investoren sind derzeit verunsichert, weil sie eine baldige Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank Fed fürchten. Nachdem die US-Wirtschaft derzeit mit rund vier Prozent wächst, ist der Aufschwung auch am Arbeitsmarkt angekommen. 288000 neue Stellen waren im April entstanden – daher hat die Fed nun Angst vor einer steigenden Inflation. Höhere Leitzinsen aber machen es für Anleger wieder attraktiver, ihr Geld in Anleihen zu stecken. Außerdem verteuern sich durch höhere Zinsen die Finanzierungskosten von Unternehmen.

DIW: Entwicklung ist „bedenklich“

Daneben bereitet der hohe Ölpreis den Börsianern Sorgen. Er könnte den Aufschwung in Amerika und Europa abwürgen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt könne wegen der hohen Preise um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte geringer ausfallen, kalkuliert Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der West LB. Hinzu komme der psychologische Effekt für die Verbraucher, sagte Ulrich Kater, Leiter Volkswirtschaft bei der Deka-Bank. „Die hohen Benzinpreise treffen die empfindliche Verbraucherseele ins Mark.“ Das werde sich weiter bremsend auf die schwache Binnennachfrage auswirken. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder räumte ein, dass er sich um den hohen Ölpreis sorge. Allerdings gebe die Entspannung bei den Wechselkursen Anlass zur Hoffnung, dass man auch die teuren Rohstoff-Preise in den Griff bekomme. Schröder äußerte sich zuversichtlich, dass die Konjunktur bald an Kraft gewinnen werde.

Die Forscher des DIW sind skeptischer. Als „konjunkturelle Dynamik im Kriechgang“ bezeichneten sie die Entwicklung in den ersten Monaten dieses Jahres. Nachdem das Wachstum in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal bei 0,2 Prozent gelegen hatte, sei nun mit 0,3 Prozentpunkten zu rechnen. Dies gehe in erster Linie auf das Konto des starken Exports. „Nach einer vorübergehenden Besserung gesamtwirtschaftlicher Indikatoren kommen nunmehr wieder abklingende Impulse zum Vorschein“, schreiben die Experten. So sei die Entwicklung im Einzelhandel und beim gesamten privaten Konsum „kraftlos“, und bei den Investitionen gebe es nach zunächst guten Zeichen wieder einen „bedenklichen“ Rückgang. Für das gesamte Jahr 2003 blieb das DIW aber bei seiner Vorhersage von 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum. Die Bundesregierung erwartet eine Rate von 1,5 Prozent.

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