Aer-Lingus-Chef im Interview : „Wir müssen uns damit arrangieren“

Der deutsche Aer-Lingus-Chef Christoph Müller über Komfort beim Billigflieger, die Luftverkehrssteuer und die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens.

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Der Betriebswirt und Industriekaufmann Christoph Müller (50) arbeitete unter anderem für Lufthansa, die Post und Tui. Seit 2009 ist er Aer-Lingus-Chef.
Der Betriebswirt und Industriekaufmann Christoph Müller (50) arbeitete unter anderem für Lufthansa, die Post und Tui. Seit 2009...Foto: promo

Die 1936 gegründete irische Staatsfluglinie Aer Lingus geriet durch den rasanten Aufstieg von Ryanair schon in den 90ern unter Druck, früher als andere Ex-Monopolisten. 2009 stand Aer Lingus kurz vor der Pleite. Der Deutsche Christoph Müller machte die Airline wieder profitabel. Heute hält Ryanair knapp 30 Prozent, der irische Staat gut 25. Irland erwägt, seinen Anteil an Air Berlins Großaktionär Etihad zu verkaufen.

Der Betriebswirt und Industriekaufmann Christoph Müller (50) arbeitete unter anderem für Lufthansa, die Post und Tui. Seit 2009 ist er Aer-Lingus-Chef.

Herr Müller, Ryanair ist Hauptaktionär und Hauptkonkurrent. Geht das gut?

Früher hat Aer Lingus versucht, Ryanair als Billigflieger zu kopieren. Seit zwei Jahren fahren wir eine neue eigene Strategie. Dadurch sind wir  heute zur dritt oder viertprofitabelste Airline in Europa geworden. Bei uns können Kunden einen einfachen Flug selbstständig zum vollwertigen Business-Class-Produkt selbst aufbauen. Wer Zugang zur Lounge oder ein Mittagessen haben will, kann dafür zahlen und bekommt es auch. Wir bieten alle Services einer klassischen Fluggesellschaft, aber immer ausgehend vom einfachen Sitzplatz.

Ihr Heimatmarkt Irland steckt in der Krise, welchen Einfluss hat das?

Unsere Basis liegt in einem Markt, der im Luftverkehr um 30 Prozent geschrumpft ist. Selbst wenn die Konjunktur in Irland nun wieder wie erwartet ins positive dreht, rechnen wir nicht damit, dass das Verkehrsaufkommen schnell die Spitzenwerte von 2007 und 2008 wieder erreicht. Allerdings haben wir Marktanteile gewonnen und sind nun wieder stärkste Airline von und nach Irland. Auf vielen Strecken beweisen wir, dass es einer Gesellschaft, die mehr Service anbietet, gelingen kann, erfolgreich Marktanteile zurückzugewinnen.

Deutsche Airlines klagen  besonders über die Luftverkehrssteuer. Zu Recht?

Deutschland ist nicht alleine. Ähnliche Steuern gibt es auch in anderen Ländern. In Großbritannien ist sie sogar noch höher. Alle Fluggesellschaften haben mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Von daher kann ich den Aufschrei nicht verstehen. Auch wir finden die Steuer nicht toll, aber wir müssen uns damit arrangieren.

Auch mit dem  Emissionshandel?

Ich habe zehn Jahre lag mit allen demokratischen Mitteln gegen den EU-Emissionshandel gekämpft, auch in meiner Zeit als Verbandspräsident in Brüssel. Leider vergeblich. Wir sind nicht mit dem Argument durchgedrungen, dass der hohe Spritpreis für Airlines die größte Motivation ist, Sprit zu sparen. Aber nun ist die Entscheidung gefallen, das müssen wir akzeptieren – und die Kirche im Dorf lassen: Wir müssen wegen der Regelung in diesem Jahr 16 Cent auf jedes Ticket schlagen.   Da geht die Welt nicht unter. Was mich aber wirklich  am Emissionshandel stört, ist, dass die Einnahmen in keiner Weise der Umwelt zu Gute kommen sondern im allgemeinen Haushalt versickern.

Airlines und Flughäfen bei uns erleben Bürgerproteste für Nachflugverbote und dergleichen. Wie ist das bei Ihnen?

Irland steht wirtschaftlich mit dem Rücken zu Wand. Ich glaube, hier hat jeder verstanden, dass jetzt nicht die Zeit ist für Nachtflugverbote. Hier ist man froh um jeden Passagier und jede Tonne Fracht, die nach Irland und von Irland weg transportiert wird. Das Nachflugverbot in Frankfurt ist fahrlässig: Infrastruktur, die Milliarden kostet, kann man nicht einfach mehrere Stunden am Tag ungenutzt lassen.

Ein Wort noch zu Berlins Flughafen?

Also die Angelegenheit ist hochgradig peinlich. Wir haben in Dublin vor knapp zwei Jahren  ein riesiges neues  Terminal in Betrieb genommen, ohne Verzögerungen, ohne Störungen, kein einziger Koffer ist da verloren gegangen, kein Passagier zurückgeblieben. Ähnliches gab es auch schon in anderen Städten. In Berlin scheint es aber drunter und drüber zu gehen. Die offizielle Nachricht mit Verschiebung des Umzuges habe ich per Post zwei Tage vor der eigentlich geplanten Eröffnungsfeier am Donnerstag erhalten. So ein Verfahren habe ich im Leben noch nicht erlebt.

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