Afrika-Wirtschaftsgipfel : „Das Image muss besser werden“

Hans Meier-Ewert ist Geschäftsführer des Afrika-Vereins der Wirtschaft. Im Tagesspiegel-Gespräch fordert er mehr Hilfe für Firmen.

Was wird beim Afrika-Wirtschaftsgipfel im Kanzleramt beraten?



Es geht dabei um einen Erfahrungsaustausch zwischen Bundesregierung und deutschen Unternehmen, die in Afrika seit vielen Jahren investieren. Die Frage ist, wie der Aufbau einer eigenständigen Wirtschaft in Afrika stärker unterstützt werden kann. Denn nur so sind die Probleme des Kontinents zu lösen.

Mehr Geld, wie jetzt von der Bundeskanzlerin angekündigt, kann das nicht?

Entwicklungshilfe wird die Probleme nicht lösen, selbst wenn sie verdoppelt würde. Im Gegenteil: Sie werden dadurch oft noch verschärft. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzer Kontinent von Hilfe lebt. Die Länder müssen ihr Geld selbst erwirtschaften, um Krankenhäuser oder Schulen zu bauen.

Geht es bei dem Treffen auch um die Frage, wie deutsche Unternehmer leichter in Afrika aktiv werden können?

Hoffentlich. Deutsche Firmen brauchen vor Ort ein positives Umfeld, also weniger Bürokratie, mehr Rechtssicherheit und Verlässlichkeit. Aber zuerst muss ein Wirtschaftswachstum organisiert werden. Da sind die afrikanischen Länder relativ gut aufgestellt: Durchschnittlich wächst die Wirtschaft inzwischen um mehr als fünf Prozent. Und ein paar Topkandidaten wie Angola oder Botswana wachsen zwischen zwölf und 15 Prozent.

Das Afrika-Engagement deutscher Unternehmen ist nicht gerade umfangreich.

Ein Grund ist, dass die Verbindungen zwischen deutschen Unternehmen und Afrika durch zwei Weltkriege unterbrochen wurden. Wer dort investiert hatte, ist nach jedem Krieg enteignet worden – im Kontrast zu unseren englischen oder französischen Konkurrenten. Zudem waren deutsche Firmen traditionell stärker auf der Handelsschiene unterwegs als klassische Import- und Exporthäuser. Investitionen in produktive Unternehmen haben in Deutschland nicht die gleiche Tradition wie in anderen Ländern.

Was muss sich verändern, um mehr Investitionen in Afrika zu ermöglichen?

Vor allem muss das Image des Kontinents besser werden. Wird die öffentliche Meinung von Hilfsorganisationen geprägt, die Bilder hungernder Kinder zeigen, ist das keine gute Werbung für Afrika – und eher abschreckend für Investoren. Außerdem müssen die Risiken reduziert werden, etwa durch Beihilfen für Eigenkapitalinvestitionen. Da sind andere vorbildlich: Investiert ein holländischer Unternehmer 100 Millionen Euro in eine Blumenfarm in Tansania, gibt der Staat einen Zuschuss dazu. Nicht zuletzt sollte ein möglicher Verlust im Ausland in Deutschland steuerlich absetzbar sein.

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