Airline zieht Jahresbilanz : Streiks kosten Lufthansa eine halbe Milliarde Euro

Lufthansa-Chef Spohr baut den Konzern um - und ist mit den vorläufigen Ergebnissen zufrieden. Während die Airline spart, soll Spohr mehr Geld verdienen.

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Blickt trotz Streiks und Umbaus auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Lufthansa-Chef Spohr.
Blickt trotz Streiks und Umbaus auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Lufthansa-Chef Spohr.Foto: picture alliance / dpa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht sein Unternehmen trotz der vielen Streiks und der Germanwings-Katastrophe im Frühjahr auf gutem Kurs. Auch der Aufbau von Eurowings als neuem Billigflug-Ableger der Lufthansa zahle sich aus.

„Wir verdienen mit Eurowings und Germanwings erstmals seit neun Jahren Geld“, sagte Spohr am Rande des Treffens der Chefs des Airline-Verbundes Starallianz in Chicago dem Tagesspiegel. Es werde ein zweistelliger Millionenbetrag sein, so der Lufthansa-Chef ohne Details zu nennen.

Auch den Konzern sieht er trotz der Streiks in diesem Jahr auf Kurs. Der Betriebsgewinn der Lufthansa soll auf Rekordhöhe zwischen 1,75 und 1,95 Milliarden Euro liegen. Die Kosten für die 30 Streiktage 2014 und 2015 beziffert Spohr auf rund eine halbe Milliarde Euro. 

Vielflieger bekommen Extra-Meilen als Entschuldigung

Die Auswirkungen der Streiks auf die Nachfrage hält Spohr für mehr als überschaubar. Trotz des streikbedingten Einbruchs im November seien die Lufthansa-Flugzeuge 2015 so gut ausgelastet wie noch nie, vor allem auch in der für Lufthansa extrem wichtigen Business-Class, die Zahl der Passagiere auf Rekordhöhe. „Die Kunden halten weiter zu uns“, ist Spohr überzeugt.

Gleichwohl geht die Airline in diesen Tagen wie schon im vergangenen Jahr mit Briefen auf Geschäftskunden und viel fliegenden Privatkunden zu, entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten im zu Ende gehenden Jahr, wirbt um Verständnis für die „nötige Konsequenz“ in den Tarifverhandlungen und schreibt ihnen als Entgegenkommen jeweils mehrere tausend Flugmeilen gut. „Wir hoffen darauf, dass wir im nächsten Jahr einen solchen Brief nicht schreiben müssen“, sagt Spohr.

Am Rande der Tagung der Starallianz wurde allerdings bei Airline-Partnern der Lufthansa Unmut über die Streiks laut, weil ihre Passagiere zum Teil von Frankfurt oder München aus mit Lufthansa nicht weiterfliegen konnten. Kunden seien deshalb auf die Konkurrenz und Airlines anderer Flugallianzen umgeschwenkt. Mark Schwab, Chef der Starallianz, bestritt in Chicago allerdings, dass die Streiks bei Lufthansa Folgen für Buchungen bei anderen Allianz-Airlines hätten. „Wir sehen keinen signifikanten Einfluss“.

Bessere Auslastung und erfolgreiche Langstrecken

Generell sieht Spohr die Lufthansa auf einem guten Weg. Dabei habe sicherlich auch der niedrige Ölpreis geholfen. Die Treibstoff-Rechnung fällt in diesem Jahr um 800 Millionen Euro niedriger aus als 2014. Allerdings zahlten sich auch die Investitionen in die Ausstattung der Flugzeuge mit neuen Sitzen in allen Klassen und verbesserten Unterhaltungsangeboten aus. Das werde von den Kunden honoriert. Schließlich bewährt sich nach Ansicht von Spohr das Kapazitätsmanagement der Lufthansa. In diesem Jahr wurden angesichts der schwierigen Marktlage 25 Jets weniger eingesetzt.

Als richtig erweist sich Spohr zufolge auch die Aufnahme von Langstreckenflügen von Eurowings und Lufthansa zu touristischen Ziele. Seit Anfang November etwa fliegt Eurowings nach Kuba, Lufthansa demnächst unter anderem nach Mauritius und nach Tampa in Florida. „Die Buchungslage ist gut, wir legen mit diesen Strecken offenbar zum richtigen Zeitpunkt los“.  

Spohr: "Alle sind des Konfliktes überdrüssig" 

Mit Blick auf die Verhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo verbreitet der Lufthansa-Chef nach dem Job-Gipfel in der vergangenen Woche Zuversicht. Am 20. Januar beginnen die Schlichtungsgespräche mit Ufo unter Leitung von Matthias Platzeck, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg. Am schwierigsten sind aus Sicht von Spohr die Verhandlungen mit VC.

Zwar hofft er auf eine Beilegung der Konflikte im nächsten Jahr, er setzt sich aber keine Frist. „Ein Zeitpunkt für das Ende der Verhandlungen ist nicht entscheidend“. Allerdings habe der gesamte Lufthansa-Vorstand größtes Interesse die Konflikte um die Übergangs- und Altersversorgung - bei dem es freilich auch um die Konditionen beim Billig-Ableger Eurowings geht – endlich zu lösen. „Alle sind müde und des Konfliktes überdrüssig.“

Spohrs Gehalt soll steigen 

Sein Verhältnis zu einzelnen Piloten bezeichnet Spohr als gut. Für die harte Haltung der Pilotenvereinigung äußert er zum Teil Verständnis, weil auch dort natürlich gesehen werde, dass Lufthansa nur bei Germanwings und Eurowings wachse, nicht aber in der Muttergesellschaft. Das aber könne sich erst ändern, wenn man auch da die Kosten senken werde. „Damit Lufthansa selbst wieder wachsen und mehr Flugzeuge einsetzen kann, brauchen wir die Einigung mit den Gewerkschaften“.

 Die Aufregung über die geplante Anhebung seines Gehaltes hält Spohr für übertrieben. Eine entsprechende Vorlage hatte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber in der vergangenen Woche dem Gremium vorgelegt. Die Gewerkschaften hatten empört reagiert. Bereits im Frühjahr und im Herbst sollte sie diskutiert werden, das Thema war aber jeweils vertagt worden.

Er selbst habe noch nie um eine Anhebung seines Gehaltes gebeten, schließlich sei er immer fair behandelt worden, betont Spohr. „Ich selbst war auch gar nicht im Raum, als das Thema im Aufsichtsrat besprochen wurde.“ Er komme im Übrigen mit seinem Gehalt gut zurecht. 

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