Wirtschaft : Airlines: British Airways unter Druck

Die Fluggesellschaft British Airways hat in Folge der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten Verluste in Höhe von 125 Millionen Pfund (umgerechnet rund 390 Millionen Mark) zu verzeichnen. Die Barverluste seien eine "typische Sofortfolge der Tragödie vom 11. September", teilte die Airline am Wochenende in London mit. Für die Zukunft werde von einer "Erholung der Einnahme- und Kostensituation" ausgegangen.

Im Konkurrenzkampf gegen britische Billigfluglinien, die nach den Terroranschlägen ihre Flugpreise drastisch gesenkt hatten, startete British Airways am Samstag ein eigenes Billigflugprogramm. Kinder unter zwölf Jahren können bis Ende März 2002 auf den angebotenen fünf Millionen Spartickets kostenlos mitfliegen.

Die Abwicklung der Swissair gestaltet sich derweil immer schwieriger. Dem Vernehmen nach wird die Swissair-Tochter Crossair, die die Flugaktivitäten von Swissair zum Winterflugplan weitgehend fortführen soll, in der notwendigen Frist offenbar nicht die erforderlichen Fluglizenzen vom Schweizerischen Bundesamt für Zivilluftfahrt erhalten. Offen ist außerdem auch noch, wie viele Mitarbeiter Crossair von Swissair übernehmen kann, wie viele Flugzeuge und wie viel Kapital definitiv benötigt werden. Gewerkschaftsvertreter rechnen damit, dass ohne einen Neuanfang unter dem Dach von Crossair rund 30 000 Entlassungen zu erwarten sind.

Derweil erwägt die Bundesregierung weitere Finanzhilfen für die Swissair. Wenigstens 200 Millionen Franken wären nach Einschätzung von Fachleuten monatlich notwendig, um den Flughafenbetrieb in Zürich und den Swissair-Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Für die neue Schweizer Fluggesellschaft wird ein Kapitalbedarf von rund drei Milliarden Franken, knapp vier Milliarden Mark, für notwendig erachtet.

Unterdessen drohen Passagiere der Swissair mit Klagen. Fluggäste, die nicht befördert worden sind, haben in Deutschland einen Pool gegründet, um ihre Rechte durchzusetzen. Die Ersatzansprüche werden aber voraussichtlich nicht in erster Linie an Swissair gestellt, sondern an die Rechtsnachfolgerin Crossair, sagte Luftrechtsexperte Elmar Giemulla in Berlin. Es sei eine Hotline für alle Passagiere eingerichtet worden, die ihre Flüge nicht antreten konnten oder zum Beispiel wegen des Ausfalls zusätzliche Übernachtungen buchen mussten. Möglicherweise werde mit amerikanischen Kollegen zusammen eine Sammelklage in Übersee erhoben.

Der Pool will auch klären, inwieweit auch das Verhalten einzelner Bankmanager und Swissair-Verwaltungsratsmitglieder schadensrechtlich relevant ist. Es bestehe die Vermutung, dass die Banken UBS und Credit Suisse vereinbarte Zahlungen an Swissair bewusst verzögert hätten, um Forderungen der Passagiere in Milliardenhöhe in die Vergleichsmasse fallen zu lassen.

Auch unter den 60 Gläubiger-Banken wird zurzeit eine Klage gegen die beiden Geldinstitute erwogen. Den Instituten UBS und CS wird vorgewofen, sich mit dem Kauf der Swissair-Tochtergesellschaft Crossair und dem Erwerb der Rechte an dem Namen Swissair die Sahnestückchen aus der Konkursmasse sichern zu wollen. Günstiger als über einen Konkurs ließe sich die Sanierung von Swissair nicht finanzieren, heißt es in der Branche. In einigen Jahren könne so wieder eine hochprofitable Firma entstehen, an der die anderen Gläubigerbanken nicht beteiligt seien.

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