Wirtschaft : Airlines: LTU-Piloten machen weitere Zugeständnisse

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Im Ringen um den Erhalt des angeschlagenen Ferienfliegers LTU hat die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) jetzt weitere Zugeständnisse gemacht. Der Vorsitzende Michael Tarp sagte am Montag in Düsseldorf, man habe Abstand davon genommen, die angebotene Kürzung der Einkommen zu befristen. Nach Aussage von Tarp ist dies bereits am Freitag dem Vorstandsvorsitzenden der Rewe-Gruppe, Hans Reischl signalisiert worden. Der Kölner Einzelhandelskonzern hatte zum Anfang des Jahres die LTU-Touristik komplett und eine 40 Prozent-Beteiligung an der LTU-Airline übernommen. Schon seinerzeit hieß es, Rewe habe nur Interesse am Verlustvortrag ( siehe Lexikon ) der Airline, der dem Unternehmen Steuervorteile bringe. Allerdings sicherte sich Rewe auch Optionen auf weitere LTU-Anteile.

Bisher sah das von Cockpit vorgelegte Sanierungspaket für die mehr als 300 Piloten zehn Prozent weniger Gehalt befristet bis 2004 vor. Boden- und Kabinenpersonal der LTU hatten bereits dauerhafte Gehaltsabsenkungen von fünf Prozent akzeptiert. Nach den Aussagen von Tarp hat das von Cockpit vorgeschlagene Sanierungspaket ein Volumen von 59 bis 65 Millionen Mark bis 2004 und sei damit höher als von der Geschäftsleitung gefordert. Das Angebot läge LTU bereits seit Freitagmorgen vor, doch bisher habe die Unternehmensführung noch nicht darauf reagiert. Voraussetzung für den Cockpit-Vorstoß sei nach den Worten von Tarp jedoch der Erhalt der Arbeitsplätze und ein sichtbares Engagement, einen potenziellen Investor für den Ferienflieger zu finden. Der Cockpit-Vorstand befürchtet jedoch, dass die Gewerkschaft bald in Verhandlungen über betriebsbedingte Kündigungen eintreten muss, denn auch die LTU bleibe von den Folgen der Terroranschlägen in den USA nicht verschont.

Kritisch äußerte sich Tarp auch zu der undurchsichtigen Lage beim Luftfahrtunternehmen und der Verhandlungstaktik der Geschäftsführung. "Wir bewegen uns im Nebel, was die Zukunft der LTU angeht." Cockpit wisse weder von wem die LTU weitergeführt werden könne, noch auf welche Weise das geschehen soll. Insofern müsse die Frage gestellt werden, ob die derzeitige Geschäftsführung überhaupt der richtige Ansprechpartner für Gehaltsverhandlungen sei. "Wir können durch die Aktionen von LTU erkennen, dass ein Konkurs nicht ausgeschlossen ist", sagte Tarp. Den "Schwarzen Peter" dafür will sich die Gewerkschaft jedoch nicht unterschieben lassen und appellierte noch einmal an alle Seiten, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. "Trotz der Risiken macht es Sinn, in die LTU zu investieren", sagte Tarp. Rewe hat jedoch kein weiteres Interesse, seine Anteile bei LTU aufzustocken. "Wir können unser Kerngeschäft nicht in Gefahr bringen", sagte Rewe-Chef Reischl der "Süddeutschen Zeitung".

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