Wirtschaft : Aktie der Postbank kostet zwischen 31,50 und 36,50 Euro

Fondsmanager bewerten Preisspanne als unangemessen/Börsenprospekt macht Risiken in der Unternehmens-Bilanz deutlich

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Frankfurt (Main) Die Aktien der Postbank werden Anlegern in einer Preisspanne von 31,50 bis 36,50 Euro zur Zeichnung angeboten. Das teilte die Deutsche Post AG, die 50 Prozent der Postbank über die Börse verkaufen will, am Sonntag in Bonn mit. Damit wird der Gesamtwert der Finanztochter der Post zwischen 5,2 Milliarden bis knapp sechs Milliarden Euro bewertet. Deutsche Großinvestoren hatten einen deutlich niedrigeren Preis gefordert. „Das ist oberhalb dessen, was wir für angemessen halten“, sagte ein Sprecher von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken.

Post-Chef Klaus Zumwinkel hingegen äußerte sich zufrieden: „Die Postbank ist ein solides und wachstumsorientiertes Investment“, sagte er. Mit der Preisspanne werde allen Interessen genüge getan, sagte auch Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann. Vor allem den Kaufinteressenten sei man mit dem jetzigen Preis entgegengekommen. „Die Untergrenze von 31,50 Euro liegt nur um fünf Prozent über den von den Käufern genannten 30 Euro“, so von Schimmelmann. Analysten bewerten das anders. „Es stellt sich die Frage, ob sich die Post mit einer solchen Spanne einen Gefallen getan hat“, hieß es bei Union Investment. Die Fondsgesellschaft hatte einen Ausgabekurs von unter 30 Euro empfohlen. Andere Fonds hatten eine Spanne von 26 bis 32 Euro gefordert.

Die Emission der Postbank ist die größte am deutschen Finanzplatz seit über drei Jahren. Im Vorfeld hatte es jedoch einige Schwierigkeiten gegeben. Zunächst sollte die Postbank an die Deutsche Bank verkauft werden, doch das Frankfurter Geldhaus winkte ab. Dann gefährdete ein internes Dokument der Deutschen Bank, die den Börsengang mitbetreut, die Emission. Die Analysten der Deutschen Bank hatten den Wert der Postbank auf 4,4 Milliarden bis 5,3 Milliarden Euro geschätzt. Zumwinkel bezifferte hingegen den Wert der Tochter auf sechs Milliarden Euro. Jetzt rechnen Investmentbanker wegen des unerwartet hohen Ausgabepreises damit, bei einheimischen Investoren Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Im Ausland sei das Geschäftsmodell der Postbank auf mehr Begeisterung gestoßen als im Inland, hieß es.

Zumwinkel und von Schimmelmann wollen potenzielle Anleger mit einer Dividende und höheren Gewinnen locken. Allerdings schlummern in der Postbank-Bilanz erhebliche Risiken. Das zeigt ein Blick in den 452 Seiten starken Emissionsprospekt. Basierend auf der positiven Entwicklung des ersten und dem Verlauf des zweiten Quartals gehe die Postbank derzeit davon aus, „einen über dem Vorjahr liegenden Konzern-Jahresüberschuss erwirtschaften zu können“, heißt es in dem Dokument (www.postbank.de/aktie). Eine positive Entwicklung erwartet die Postbank auch beim Provisionsüberschuss. 2003 hatte die Postbank den Jahresüberschuss von 132 Millionen Euro auf 352 Millionen gesteigert. Um weiter zu wachsen, soll das Geschäft mit Ratenkrediten massiv ausgebaut werden. In kürze will Schimmelmann eine Vertriebsvereinbarung mit dem Strukturvertrieb AWD verkünden.

Aber die Postbank zählt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken auf. So könnte Brüssel ihr einen Strich durch die Rechnung machen: Möglicherweise werten die EU-Wettbewerbshüter die Vergütung, die die Bank an die Post für die Nutzung der Filialen bezahlt, als unerlaubte staatliche Beihilfe, heißt es in dem Prospekt. Zudem bestehe durch eine aktuelle Brüsseler Entscheidung wieder Unsicherheit, ob die Versorgung der Postbank-Beamten durch den Bund nicht doch verboten sei und eine Rückzahlung die Folge sein könnte.

Die Zeichnungsfrist für die Postbank-Aktie beginnt an diesem Montag und endet am 18. Juni. Das Papier soll erstmals am 21. Juni an der Börse gehandelt werden. mm/rob/HB

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