Wirtschaft : Aktien kosten 16 bis 23 Euro / 1999 droht dreistelliger Millionenverlust

Für mindestens 16 und maximal 23 Euro können Anleger bis 22. Oktober die Aktien der ehemaligen Hoechst-Chemie-Sparte Celanese AG zeichnen. Umgekehrt können Altaktionäre ihre Aktien innerhalb dieser Preisspanne bis 20. Oktober zum Verkauf anbieten. Dies sind die entscheidenden Daten für die Umplatzierung des Celanese-Kapitals und der Einführung der Aktien an den Börsen in Frankfurt und New York, die für 25. Oktober geplant ist. Die Vorgaben für den Börsengang könnten allerdings besser sein: Im ersten Halbjahr hat Celanese bei einem Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 259 Millionen Euro eingefahren. Auch für das Gesamtjahr sieht es nicht rosig aus. Celanese-Vorstandschef Claudio Sonder erwartet, wie er beim Auftakt des weltweiten Werbefeldzuges für den Börsengang betonte, erst im Jahr 2000 bei der Gewinnrechung "umgekehrte Vorzeichen".

1999 muss Celanese noch mit erheblichen Problemen fertig werden: "Wir sind gut ausgelastet, aber die Margen sind unter Druck", so Sonder. Nachdem bereits im ersten Halbjahr wegen der Restrukturierung und wegen Schadensersatzklagen in den USA Sonderausgaben in Höhe von 205 Millionen Euro verkraftet werden mussten, könnten auch im zweiten Halbjahr hohe Kosten anfallen. Ein Verlust zwischen 80 und 90 Millionen Euro könnte allein aus dem geplanten Verkauf der Chlorsparte entstehen, heißt es im Börsenprospekt. Dazu kämen noch einmal Kosten für den Stellenabbau sowie weitere Lasten in Höhe von 70 bis 80 Millionen Euro. Finanzchef Perry Premdas betonte dagegen, aus den Verkäufen ergebe sich in den nächsten zwölf Monaten ein Erlös von 500 Millionen Euro. In dieser Schätzung seien Restrukturierungskosten berücksichtigt. Unter dem Strich aber rechnet das Management mit "erheblichen Verlusten" im zweiten Halbjahr. Damit steht fest, dass Celanese 1999 einen operativen Verlust von deutlich über 300 Millionen Euro einfahren wird.

Sonder ist trotzdem überzeugt, dass die Celanese-Aktie ein interessantes Investment ist. Für jeweils zehn Hoechst-Aktien gibt es eine Celanese-Aktie. Der Vorstandschef rechnet damit, dass die meisten Aktionäre diese Offerte annehmen und die Celanese-Aktie behalten. Unklar sei noch, wie sich der Großaktionär Kuwait, der 24,5 Prozent der Anteile hält, verhalten wird.

Bei einem Umsatz von knapp 5,2 Milliarden Euro und weltweit 17 500 Mitarbeitern ist Celanese bei seinen umsatzstärksten Produkten - Essigsäure, Acetat und Polyacetal - Weltmarktführer. Alle übrigen Bereiche mit 800 Millionen Euro Umsatz sollen verkauft werden. Gleichzeitig wird Celanese noch unrentable Anlagen schließen und das Standortnetz "optimieren". Insgesamt werden bis Ende 2000 weltweit 1000 Stellen wegfallen. Celanese muß auch deshalb handeln, weil Hoechst seiner ehemaligen Tochter Finanzschulden in Höhe von netto einer Milliarde Euro mit auf den Weg gibt. Auch die Refinanzierung dieser Außenstände schlägt mit einem beachtlichen Betrag zu Buche.

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