Wirtschaft : Aktienfonds: Anleger sind skeptisch geworden

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Die Anleger treten bei Aktienfonds auf die Bremse und halten sich mit Neuengagements zurück. Dagegen greifen sie bei risikoarmen Geldmarkt- und Immobilienfonds stärker zu. Das belegt die aktuelle Statistik des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) für das erste Halbjahr. Die Daten werden erst in einigen Tagen veröffentlicht, liegen dem Handelsblatt aber schon vor. Anlagebereitschaft geht zurück

Der deutschen Investmentfondsbranche flossen in der ersten Jahreshälfte netto 30,2 Milliarden Euro zu - ein starker Rückgang gegenüber dem Vorjahr mit 57,4 Milliarden Euro. Jeweils knapp 15,1 Milliarden Euro entfielen auf Publikumsfonds für Privatanleger und Spezialfonds für institutionelle Investoren. Das Vermögen der Publikumsfonds fiel in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres von 423,6 Milliarden Euro auf 417,4 Milliarden Euro. Grafik: Aktienfonds immer noch gefragt "Der Rückgang der Anlagebereitschaft ist ein Ergebnis der schwachen Börsen", sagt Udo Behrenwaldt, Geschäftsführungssprecher der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Im ersten Halbjahr 2000 hatten Privatanleger noch für 37,8 Milliarden Euro netto Aktienfonds gekauft. Dagegen investierten sie im gerade abgelaufenen Halbjahr nur acht Milliarden Euro. Behrenwaldt sieht in der Zurückhaltung aber keine Gefahr für die Entwicklung der deutschen Aktienkultur: "Das grundsätzliche Vertrauen in die Fondsanlage und die Aktie ist ungebrochen; ein Beleg ist das steigende Interesse an Geldmarktfonds." Anleger kauften für knapp 6,2 Milliarden Euro Geldmarktfonds nach nur 0,5 Milliarden Euro im Vorjahreshalbjahr. Behrenwaldt: "Diese Gelder werden als Parkplatz genutzt und bei einem Börsenaufschwung wieder in Aktienfonds fließen." Der DWS-Chef erwartet die konjunkturelle Wende im ersten Halbjahr 2002, die Börsenwende schon früher. Sein Rat: "Aktienfondsquote schon jetzt erhöhen."

Die Anleger zeigten zuletzt auch verstärktes Interesse an wertstabileren Anlagen. In offene Immobilienfonds investierten sie 2,5 Milliarden Euro, während sie im Vorjahreszeitraum noch für netto 1,8 Milliarden Euro verkauften. Rentenfonds dagegen scheinen kaum auf verstärkten Zuspruch zu stoßen. Hier liegen die Verkäufe bei 1,8 Milliarden Euro. "Ich würde mir hier etwas mehr Anlegerinteresse wünschen", meint Manfred Mathes, Sprecher der Geschäftsführung von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken.

Neue Produkte im Rekordtempo

Ungeachtet der schwächeren Nachfrage legen die Fondsgesellschaften im Rekordtempo neue Produkte auf. Pia Frei, Chefin der Fondsresearchfirma IMA Institut für Marktbearbeitung, zählt 404 neue Fonds im ersten Halbjahr. Davon sind 231 Aktienprodukte. "Es kommen viele neue Gesellschaften an den Markt, die in Deutschland Geschäftschancen wittern; außerdem verkaufen sich neue Produkte gut." Am besten lief allerdings ein "alter Hase", der DWS-Vermögensbildungsfonds.

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