Wirtschaft : Aktienfonds: Mit alten Daten getrickst

Tom Schoenenberger

Dass Aktienfonds nicht zwangsläufig die Lizenz zum Reichtum bieten, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dennoch versuchen Anbieter von Aktienfonds und fondsgebundenen Lebensversicherungen mit dem Hinweis auf inzwischen vergangene Traumrenditen Anleger zu ködern.

Als Anja Germar (Name geändert) einen Werbebrief von Moneymaxx erhielt, war sie von den Renditeaussichten sofort begeistert. "Profitieren auch Sie von der 13,7-Prozent-Renditechance", schrieben die Texter der Aegon-Versicherung, die Moneymaxx als fondsgebundene Lebensversicherung konzipiert hat. Frau Germar unterschrieb den bereits vorgedruckten Antrag - und stellte erst einige Monate später krasse Differenzen zwischen der in Aussicht gestellten und der tatsächlichen Wertentwicklung fest. Der Grund: Im Gegensatz zur herkömmlichen Lebensversicherung fließt bei Moneymaxx das Anlegergeld in einen Aktienfonds, und im Zuge nachgebender Börsen kam die Rendite unter die Räder.

Auf dieses nicht unbedingt verkaufsfördernde Risiko weisen die Moneymaxx-Werber nicht gerne hin. "Aegon hat noch im Frühjahr dieses Jahres mit veralteten Renditezahlen von Ende 1999 für seine Moneymaxx-Fondspolice geworben", weiß Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dass der Moneymaxx-Aktienfonds "Aegon International Sicav Equity Fund" (Wertpapier-Kennnummer 974 534) von Ende 1999 bis Anfang April 2001 neun Prozent Verlust einfuhr, wird großzügig verschwiegen. Vom Höchststand im September 2000 bis Anfang April musste sogar ein Minus von 25 Prozent verbucht werden.

Vor dem Hintergrund, dass Aegon in seinen Moneymaxx-Informationen von "über Jahrzehnte hinweg stabilen Gewinnen" schreibt, sieht Bieler den Tatbestand der irreführenden Werbung erfüllt. Ähnliche Werbeaussagen seien Aegeon im Jahr 2000 vom Oberlandesgericht Düsseldorf verboten worden (Aktenzeichen 2 U 63/99).

Wegen Werbung mit veralteten Wertsteigerungszahlen steht Moneymaxx nicht allein in der Kritik. Auch der Versicherungskonzern Alte Leipziger wirbt für seine fondsgebundenen Lebensversicherungen mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 14 Prozent - bis Ende 1999. Die Deutsche Bank 24 veröffentlicht auf ihrer Homepage noch heute die Fondsdaten der Deutsche-Bank-Investmenttocher DWS vom Mai 2000. Die Consors-Direktbank legt bei der Beispielrechnung zur "FondsAktiv-Rente" die Renditezahlen des Templeton-Growth-Aktienfonds vom 31. Dezember 1999 zugrunde, und den Rekord hält der Direktversicherer Cosmos: Die Zahlen im Cosmos-Fonds-Shop zum Vermögensaufbau mit dem Adig PlusFonds stammen vom 30. Juni 1999 - und dieser hat in einem Jahr rund ein Drittel an Wert verloren.

Bieler hält es durchaus für möglich, dass Anleger die Fondssparverträge rückabwickeln können, wenn sie ihre Anlageentscheidung auf der Basis von veralteten und damit viel zu optimistischen Renditezahlen getroffen haben. Voraussetzung allerdings: Der Vertrag wurde in einem persönlichen Beratungsgespräch vermittelt. Ein Zeuge sollte die Aussagen des Vertreters zur Rendite bestätigen können. Die Folge: Anleger können ihre Verträge rückwirkend auflösen, und die Anbieter müssten das eingezahlte Kapital plus dem banküblichen Zinssatz zurückzahlen. "Wenn die Anlagezeiträume so gelegt werden, dass Börsentiefs ausgeklammert bleiben, können Beispielrechnungen nach Belieben manipuliert werden", warnt Thomas Bieler. Die Gegenstrategie für Anleger: Beim Fondsvergleich sollten kurzfristige und langfristige Wertentwicklung berücksichtigt werden. Die Höhe des bisher maximalen Verlustes und die Dauer der längsten Verlustphase sind Anzeichen dafür, wie hoch das Schwankungsrisiko ist.

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