Wirtschaft : Aktienmarkt kommt in Fahrt Laune der Börsianer so gut wie lange nicht mehr

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Frankfurt am Main / Berlin In der Karnevalswoche wird man an den Börsen aller Voraussicht nach auf zufriedene Mienen stoßen. Zwar dürfte der Schampus noch im Schrank bleiben; nach dem Zwischenhoch des Deutschen Aktienindex (Dax) am vergangenen Freitag sollte aber zumindest ein Piccolo drin sein. Schließlich markierte der Leitindex mit 4339 Punkten den höchsten Stand seit Juli 2002. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass es in dieser Woche zu weiteren Kursgewinnen kommen dürfte.

Als Grund nennen sie zum einen den Rohölpreis, der zuletzt den Rückwärtsgang eingelegt hatte. Die Analysten der DZ Bank gehen hier von einer weiteren Entspannung aus. Auch am Devisenmarkt rechnen Experten mit Entwarnung und einem wieder stärkeren Dollar, so dass der Dax zum Jahresende im Bereich von 4700 Punkten ankommen sollte.

Unter technischen Aspekten überwiegt derzeit ebenfalls der Optimismus. Aus der Sicht der Charttechniker liegt mit der Überwindung entscheidender Marken ein intakter mittelfristiger Aufwärtstrend vor. Wegen des starken Anstiegs in der vergangenen Woche sei allerdings eine Zwischenkorrektur nach unten überfällig. Eine mögliche Achterbahnfahrt in den kommenden Tagen sei für das Aufwärtsszenario aber nicht gefährlich, solange der Dax die 4250 Punkte nicht unterschreitet. Dreht er über dieser Marke wieder nach oben ab, sollen sogar baldige neue Jahreshöchststände deutlich über 4340 Punkte sehr wahrscheinlich sein. Denkbar sei auch, dass es am Montag bereits zu Börsenbeginn zu deutlichen Gewinnen kommt. Die Chart-Techniker von HSBC Trinkaus & Burkhardt zum Beispiel sehen für den Dax jetzt Spielraum nach oben bis in den Bereich der nächsten Hürde bei 4480 Punkten.

Zusätzliche Kursfantasie steckt zudem in den Papieren des Pharmawertes Schering und in den Aktien des Sportartikelherstellers Puma. Hier gibt es die Aussicht auf höhere Dividenden, bei Daimler-Chrysler hingegen wird mit einer unveränderten Ausschüttung gerechnet. Alle drei Unternehmen präsentieren in dieser Woche ihre Jahresergebnisse für 2004 und wagen einen Ausblick auf das laufende Jahr. Mit dem Aachener Biotechnologieunternehmen Paion wird es in dieser Woche auch den ersten klassischen Börsengang 2005 geben.

Rückenwind könnten die deutschen Börsen wieder aus Amerika bekommen. Nach der Anhebung des Leitzinssatzes um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent sei ein bislang bremsender Unsicherheitsfaktor beseitigt, meinen die Analysten der Commerzbank. Geprägt werde das Geschehen an der New Yorker Börse weiterhin von großen Fusionen, nachdem sich innerhalb kürzester Zeit die Konsumgüterriesen Procter & Gamble und Gillette sowie die Telefongesellschaften AT&T und SBC Communications verbündet haben. Die „Jagd auf weitere Fusionskandidaten“ gebe dem Markt zusätzlichen Auftrieb, so die DZ-Bank-Analyse.

Die Berichtssaison in den USA wird wahrscheinlich keine negativen Überraschungen bringen. Bis zum Ende der Woche werden etwa drei Viertel aller Unternehmen aus dem breiten Marktindex S&P-500 ihre Ergebnisse vorlegen. Laut Analysten übertrafen bisher rund zwei Drittel aller Bilanzvorlagen die Markterwartungen, lediglich 20 Prozent enttäuschten. pk/HB/os

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