Wirtschaft : Aktionäre der HypoVereinsbank rechnen ab

MÜNCHEN (tmh).Die Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts, der Bayerischen HypoVereinsbank AG (BHV), wurde am Donnerstag von dem auf die ehemalige Hypo-Bank zurückgehenden Immobiliendesaster überschattet.Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wurde aufgeschoben, bis die Ergebnisse einer Prüfung der Vorgänge vorliegen.

"Es ist ein Neuanfang nötig, der an der Spitze des Unternehmens beginnen muß", forderte der Aktionär und ehemalige Hypo-Vorstand Hans Fey, ohne Namen zu nennen, beim Treffen der Anteilseigner in München.Deutlich angesprochen fühlen durfte sich allerdings BHV-Chef Albrecht Schmidt.Dieser habe den falschen Eindruck erweckt, daß die Hypo-Bank ihren Fusionspartner Bayerische Vereinsbank (BV) hinsichtlich der umstrittenen Immobiliengeschäfte getäuscht habe und "die alte Hypo an die Wand gestellt", kritisierte Fey.Schon vor der Fusion habe die BV aber vollen Einblick in Hypo-Geschäfte gehabt.So habe es im April 1998 eine geheime BV-Sitzung gegeben, bei der die später mit 3,5 Mrd.DM wertberichtigten Immobilienrisiken im Detail diskutiert worden seien.

Dennoch sei der BHV-Chef im Oktober wegen angeblich überraschend aufgetauchter Risiken "mit beispiellosen Schmähungen" über die Hypo hergefallen, klagte Fey über Schmidts "Diffamierungen".Die nun zur Klärung des Immobilienflops anstehende Sonderprüfung müsse auch den Wissensstand und die Einblickmöglichkeiten der alten BV untersuchen.Die wegen des Verdachts auf Betrug und Bilanzfälschung erhobenen Vorwürfe an den ehemaligen Hypo-Vorstand bestritt Fey.

Andere Aktionäre verlangten sowohl den Rücktritt Schmidts als auch den des ehemaligen Hypo-Chefs Eberhard Martini als BHV-Aufsichtsrat.Der alte Hypo-Vorstand müsse für sein "scheinheiliges Getue" und jahrelang geschönte Hypo-Bilanzen zur Rechenschaft gezogen werden sowie persönlich für alle Schäden haften.Verantwortlich für den 3,5 Mrd.DM teuren "Supergau" seien Hypo-Manager und Wirtschaftsprüfer der Wedit, die jahrelang die Hypo-Bilanzen testiert hatte.Die teils vernichtende Aktionärskritik offenbarte eine gespaltene Haltung der rund 5000 anwesenden BHV-Anteilseigner, die abwechselnd Schmidt und die Hypo-Seite an den Pranger stellten."Einig waren sich die Aktionäre darin, daß die "Streithähne" im Management ihre "Schlammschlacht" beenden müßten.

BHV-Chef Schmidt wies indessen alle Vorwürfe zurück.Erst Ende September 1998 sei ihm das ganze Ausmaß der Hypo-Pleite offenbart worden.Vielmehr zeige sich, daß die Hypo ihre Immobilienrisiken nicht ausreichend überprüft und eine ursprünglich von der Wedit angeregte höhere Wertberichtigung schon in ihrer Bilanz 1997 abgelehnt habe.

Auch der neue BHV-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz rügte die frühere Hypo-Spitze.Diese habe zu lange auf den Immobilienzyklus vertraut und sich dabei verkalkuliert.Es verdichte sich die Erkenntnis, daß eine regelmäßige und vollständige Erfassung sowie Bewertung der Risiken unterblieben war, was ein "gravierender Fehler" sei.Die Hypo-Prüfer der Wedit nahm Viermetz aus dem Schußfeld.Die hätten sich bei ihren Testaten auf die Erklärungen des Hypo-Vorstands gestützt, daß die "Grenzen vernünftiger kaufmännischer Beurteilung eingehalten worden seien".Trotz des Immobilienfiaskos sei die Verschmelzung der beiden Großbanken "endgültig, unumkehrbar und unangreifbar", stellte Viermetz klar.Auch bleibe das dabei für die Aktien angesetzte Umtauschverhältnis von 60 zu 40 (BV zu Hypo) korrekt.Denn in einem pauschalierten Ansatz ohne Betrachtung einzelner Geschäfte sei der Hypo eine deutlich höhere Risikovorsorge in Rechnung gestellt worden.Deren Dimension seien auch nach der Wertberichtigung von 3,5 Mrd.DM realistisch.

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