Wirtschaft : Aktionäre werfen Ackermann Schwäche vor

Der Chef der Deutschen Bank muss auf der Hauptversammlung Kritik einstecken – und kontert mit guten Unternehmenszahlen

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Frankfurt (Main) Aktionärsvertreter haben den Führungsstil von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kritisiert. Bei der Hauptversammlung am Mittwoch warfen sie dem Bankmanager die Pannen im Zusammenhang mit dem Börsengang der Postbank vor. Sie seien ein Beleg für Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand und hätten zu einem Imageverlust geführt. Ackermann wies die Kritik mit Hinweis auf die Erfolge der Bank zurück. Die Deutsche Bank sei auf die Konsolidierung der Branche gut vorbereitet und könne ihre Zukunft selbst gestalten.

„Der Mangel an Führung ist ausgesprochen schädlich“, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Als schädlich für das Image der Bank bewerteten verschiedene Anteilseigner neben dem Fall Postbank den Mannesmann-Prozess, bei dem sich der Bankchef wegen Untreue verantworten muss.

Ackermann verteidigte sich mit dem Verweis auf den Gewinnsprung des vergangenen Jahres, als die Deutsche im Gegensatz zu den anderen Großbanken im Land schwarze Zahlen schrieb. Auch die ansonsten überaus kritischen Aktionäre lobten die guten Ergebnisse im vergangenen Jahr und im ersten Quartal 2004. Ackermann sagte, solche Zahlen seien ohne klare Führung unmöglich. Zwischen Aufsichtsrat und Vorstand gebe es nicht „die geringste Abweichung“.

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Wochen mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Im Zusammenhang mit dem Postbank-Börsengang gab es Gerüchte, Teile des Aufsichtsrats hätten Ackermann zur Übernahme der Post-Tochter gedrängt. In Finanzkreisen hieß es, der Branchenführer spiele eine untragbare Doppelrolle. Die Bank ist zugleich Konsortialführer beim Postbank-Börsengang. Zudem hatte sich Kanzler Gerhard Schröder für eine Bankenfusion stark gemacht. Ackermann beteuerte aber, er habe zu keinem Zeitpunkt unter politischem Druck gestanden.

Zudem war jüngst ein internes Papier aus der Deutschen Bank an die Öffentlichkeit geraten, in dem der Börsenwert der Postbank wesentlich niedriger eingestuft wird als von der Post. Die Aktionäre müssten sich fragen, „was als Nächstes an Hiobsbotschaften auf uns zukommt“, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Ackermann selbst spielte die Brisanz des internen Papiers herunter. Er räumte zwar ein, dass ein langjähriger Mitarbeiter „leider einen Fehler“ gemacht habe, dieser sei aber nicht gravierend.

Zur Strategie erklärte der Konzernchef, im Vordergrund stehe das Wachstum aus eigener Kraft. Die Bank sei so stark, dass sie ihre Ziele alleine erreichen könne. Angestrebt wird 2005 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern. Im Investment-Banking soll vor allem das Geschäft in den USA und Asien ausgebaut werden. Zudem sei der Ausbau des Privatkundengeschäfts ein wichtiges Ziel. Trotz der Betonung des internen Wachstums ist Ackermann im Privatkundengeschäft „im Grundsatz“ auch an Akquisitionsmöglichkeiten interessiert. Zugleich bekannte er sich zum Standort. „Deutschland ist unser Heimatmarkt, hier haben wir unsere Wurzeln.“ Die Bank habe hier zu Lande 2004 Erträge von 7,3 Milliarden Euro, ein Drittel ihrer Gesamterträge, erzielt. ro/HB

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