Wirtschaft : Aktionärsschützer befürchten weitere Übernahmen

DSW: Konzerne müssen mehr Dividende zahlen – sonst übernehmen Finanzinvestoren die Macht

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Was der Deutschen Börse durch den Einstieg von Hedge-Fonds passiert ist, könnte in nächster Zeit auch andere deutsche Konzerne ereilen. Für Finanzinvestoren ist der Reiz zum Einstieg bei Kapitalgesellschaften groß, findet die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) – angesichts des Rückzugs großer deutscher Anleger, einer niedrigen Präsenz des Kapitals auf den Hauptversammlungen und zum Teil hoher flüssiger Mittel. „Der finanzielle Aufwand wäre für Finanzinvestoren kein Problem. Zwischen 20 und 30 Milliarden Euro könnten sie stemmen“, sagte DSW-Geschäftsführer Ulrich Hocker am Freitag in Frankfurt am Main. Bei der Deutschen Bank würden schon 8,7 Milliarden Euro reichen, um sich die Zwei-Drittel-Mehrheit auf der Hauptversammlung zu sichern. Die Konzerne sollen deshalb mindestens 50 Prozent des Gewinns ausschütten, außerdem solle das Übernahmerecht überdacht werden, forderte Hocker.

Beim Stromkonzern Eon würden elf Milliarden Euro reichen, um die Macht zu bekommen. Gefährdet sind laut DSW neben der Deutschen Bank und Eon die BASF oder Adidas, weil die Kapital-Präsenz auf den Aktionärstreffen dort meist nur zwischen 25 und 35 Prozent liegt. Zur Kontrolle eines Unternehmens würden dann weniger als 30 Prozent der Anteile reichen. Die verbleibenden Aktionäre hätten dann keinen Einfluss mehr auf das Unternehmen. Erst beim Überschreiten dieser Schwelle muss ein Abfindungsangebot unterbreitet werden.

Angesichts dieser Gefahr fordert Hocker die Konzerne zu einer höheren Ausschüttung des Gewinns auf. Angemessen sei eine Quote von 50 Prozent. 2004 lag sie bei den 30 großen deutschen Aktiengesellschaften aber nur bei 36 Prozent. „Nach dem Rückzug der Deutschland AG kann es fatal sein, Geld unnötig zu bunkern, statt es an die Aktionäre auszuschütten“, warnte Hocker. Viel Zeit zum Überlegen hätten die Vorstände nicht mehr. Kein Unternehmen erreiche derzeit eine Quote von 50 Prozent. Nur BASF, Eon und RWE bewegten sich in die Richtung.

Auch wenn die Aktionäre für 2004 Dividenden von insgesamt 20,3 Milliarden Euro kassieren – fünf Milliarden Euro mehr als für 2003 – , sind die DSW-Experten unzufrieden. Denn 2,6 Milliarden Euro kamen allein von der Telekom. Und pro Aktie stieg die Dividende im Schnitt nur von 0,21 auf 0,28 Euro, also weniger stark als die Gewinne. Ende der neunziger Jahre waren deutlich mehr als 30 Cent gezahlt worden.

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