Wirtschaft : Aktionärsverband warnt vor Telekom-Altlasten

BONN / DÜSSELDORF .Gegen die geplante Verschmelzung der Deutschen Telekom mit der Telecom Italia hat die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf Vorbehalte angemeldet.Es bestehe die Gefahr, "daß die deutschen Aktionäre hier wertmäßig über den Tisch gezogen werden könnten", schrieb der nach eigenen Angaben größte deutsche Verband der Privatanleger am Freitag in einer Stellungnahme.Die Bewertung beider Unternehmen müsse jetzt genau unter die Lupe genommen werden.Dazu gehöre es, finanzielle Altlasten beider Firmen mit ihrem wahren Wert in den Bilanzen zu berücksichtigen.Dies gelte beispielsweise für den Immobilienbesitz der Telekom.

"Bei der Telecom Italia sind ebenfalls noch einige Leichen im Keller zu vermuten.Schließlich macht im Zusammenhang mit dem ehemaligen Staatsmonopolisten immer mal wieder das Wort Sanierungsfall die Runde", warnte die DSW weiter.Ein weiteres Problem sei, den Staatseinfluß auf die Telefongesellschaften zurückzudrängen.Für eine "wenig glückliche Lösung" hält die Schutzgemeinschaft die geplante Doppelspitze der beiden Vorstandschefs Ron Sommer (Telekom) und Franco Bernabè (Telecom Italia)."Eine solche Konstellation ist nicht praktikabel und birgt ein großes Risiko in sich." Positiv bewertete die DSW hingegen die Größe des neuen Unternehmens.Sie ermögliche notwendige Investitionen und Unternehmenszukäufe.

Die Kritischen Aktionäre haben der Deutschen Telekom AG eine irrationale Personalpolitik vorgeworfen.Sie befürchten durch die geplante Fusion mit der Telecom Italia einen weiteren Stellenabbau, wie das geschäftsführende Vorstandsmitglied im Dachverband der Kritischen Aktionäre, Henry Mathews, am Freitag sagte.Dies würde vor allem die Beschaffung von Geräten und Vermittlungselektronik betreffen, wo Abteilungen zusammengelegt werden könnten.

"Wenn Sie sich anschauen, welche Personalpolitik der Vorstand der Deutschen Telekom betreibt, dann werden Sie feststellen, daß das eine ausgesprochen irrationale Personalpolitik ist", sagte Mathews.Stückweise würden tausend Arbeitsplätze pro Jahr abgebaut, während gleichzeitig die Beschäftigten an vielen Telekom-Standorten massiv Überstunden leisteten.Der Vorstand der Deutschen Telekom sei absolut auf den Shareholder-Value ausgerichtet."Wenn dieser Geist dann auch in dem neuen fusionierten Unternehmen herrschen soll, dann mache ich mir um die Beschäftigten wirklich große Sorgen", betonte der Sprecher der Kritischen Aktionäre.

Die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) will sich dafür einsetzen, daß nach der Telekom-Fusion betriebsbedingte Kündigungen langfristig ausgeschlossen werden.Seine Gewerkschaft werde darauf drängen, das "Rationalisierungsschutz-Abkommen" über das Jahr 2000 hinaus zu verlängern, sagte DPG-Vorstandsmitglied Rüdiger Schulze.Er gehe aber davon aus, die Fusion eher Arbeitsplätze in Deutschland sichern werde.Die zwischen der Telekom, Gewerkschaft und Betriebsräten abgesprochene Personalplanung, nach der in den letzten vier Jahren bereits 50 000 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut wurden, werde auch nach der Fusion Gültigkeit behalten, sagte Schulze.

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