Wirtschaft : Aktionstag für mehr Ausbildung

680 Berufsberater wollen heute in Berlin-Brandenburg Lehrstellen akquirieren BERLIN (alf).Mit Appellen, Betriebsbesuchen und Informationsveranstaltungen versuchen die deutschen Arbeitsämter am heutigen "Tag des Ausbildungsplatzes" zusätzliche Lehrstellen zu akquirieren.Allein in Berlin und Brandenburg schwärmen rund 680 Berufs- und Arbeitsberater aus, um bei Verantwortlichen in den Betrieben die Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen.Im vergangenen Herbst wurden bei einer ähnlichen Aktion 391 Ausbildungsplätze noch für 1996 sowie 1411 für 1997 gewonnen.Nach Aussage des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg soll der Aktionstag "die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedeutung der dualen Berufsausbildung und die Verantwortung von Politik, Industrie, Handwerk und Verwaltung für die Sicherstellung eines ausreichenden Ausbildungsplatzangebots in den kommenden Jahren unterstreichen".Den Prognosen zufolge wird bis zum Jahr 2004 durch die steigenden Schulabgängerzahlen der Bedarf an Lehrstellen erheblich steigen.Parallel zu der steigenden Nachfrage geht indes das Angebot zurück, entsprechend weit klafft die Lücke auf dem Ausbildungsmarkt. Den Angaben des Landesarbeitsamtes zufolge überstieg zuletzt in Berlin die Nachfrage das Angebot um rund 16 000: Ende Mai lag die Zahl der Bewerber mit 26 695 um 1700 über dem Vorjahresmonat, gleichzeitig gab es bei den "betrieblich besetzbaren Stellen" einen Rückgang um 226 auf 10 930.Anders gesagt kommen derzeit auf 100 Ausbildungsplätze in Berlin 244 Bewerber; vor einem Jahr waren es "nur" 224.Im Land Brandenburg ist die Ausbildungslücke noch größer.Hier kommen derzeit auf 100 betriebliche Ausbildungsplätze 374 Bewerber, im Mai 1996 waren es 281.Insgesamt zählten die Arbeitsämter zuletzt 32 981 Brandenburger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, das waren 4134 mehr als vor Jahresfrist.Demgegenüber ging die Zahl der verfügbaren Plätze um 1444 auf 8830 zurück.Der starke Anstieg der Nachfrage ist - neben den steigenden Schulabgängerzahlen - auf die unversorgten Jugendlichen der Vorjahre zurückzuführen, die gewissermaßen als "Altnachfrage" auf den Ausbildungsmarkt drängen.Da diese Altnachfrage von Jahr zu Jahr größer wird, ist die Problemverschärfung in den kommenden Jahren absehbar.Auf der Angebotsseite schlägt insbesondere die schlechte wirtschaftliche Gesamtsituation durch, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe ist ein starker Lehrstellenrückgang zu beobachten. Ohne öffentliche finanzierte Ausbildungsplätze wäre in den neuen Bundesländern ein beruflicher Einstieg für alle Jugendliche nicht mal annähernd möglich.Der Anteil der vom Steuerzahler vollfinanzierten Lehrstellen an neuen Ausbildungsverhältnisse lag in Berlin im vergangenen Jahr bei 16,7 Prozent, in Brandenburg sogar bei 24,5 Prozent.Für das laufende Jahr haben Bonn und die Landesregierungen ein "Aktionsprogramm Lehrstellen Ost" beschlossen, die Kosten von 400 Mill.DM bis zum Jahr 2000 teilen sich Bund und Länder.Voraussichtlich 15 000 betriebliche Ausbildungsplätze können damit in Ostdeutschland gefördert werden, davon 1616 in Berlin und 3116 in Brandenburg.Nach Einschätzung des Landesarbeitsamtes greift das zu kurz, "die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze wird 1997 nicht ausreichen, um die immer größer werdende Schere zwischen Nachfrage und Angebot zu decken". Für Betriebe, die Ausbildungsstellen anbieten wollen, hat das Landesarbeitsamt die Hotline 0180/32255 sowie die Fax-Hotline 0180/32256 eingerichtet.

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