Wirtschaft : Alexander Voigt

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Visionär und Börsen-Zockermot

Als begeisterter Zocker kenne er sich seit seinem 16.Lebensjahr auf dem Börsenparkett bestens aus, versichert der Diplom-Physiker Alexander Voigt.An die Höhen und Tiefen des Wirtschaftslebens habe er, der Naturwissenschaftler, sich deshalb inzwischen gewöhnt.Voigt sitzt im dreiköpfigen Vorstand der 1996 gegründeten Solon AG, die ­ wie berichtet ­ in Berlin mit einer 25- Mill.-DM-Investition die industrielle Fertigung von Solarstrom-Modulen aufbaut und damit bis zur Jahrtausendwende 10 Prozent des Weltmarktes für Solartechnik bedienen will. "Wir wollen der Solartechnik zum Durchbruch verhelfen", beschreibt Voigt nüchtern die anspruchsvolle Zielrichtung.Eine Unternehmensidee, die, so Voigt, nur von Menschen getragen werden könne, die eine "Vision" teilen: Den privaten Haushalt nicht mehr länger nur als Energieverbraucher, sondern als Energieerzeuger anzusprechen.Im vergangenen Jahr fanden sich vier gleichgesinnte Unternehmen aus Berlin, die die Solon AG gegen manch nervenaufreibenden Widerstand im "Dschungel der Förderprogramme und bei Kritikern aus dem Bankgewerbe" aus der Taufe hoben.Voigt ist heute einer von sieben Solon-Gründungsaktionären, die nach einer Kapitalerhöhung im März dieses Jahres ein Grundkapital von zusammen 460 000 DM aufbrachten. Schon während des Physik-Studiums, das den 1965 in Frankfurt (Main) geborenen Voigt nach Berlin führte, kam er bei Aushilfsjobs auf dem Bau und bei Architekten mit Solar- und Photovoltaik-Technik in Berührung.Das Interesse wuchs, Voigt beschäftigte sich intensiv mit der praktischen Anwendung der Zukunftstechnologie.Freunde und Bekannte erkundigten sich regelmäßig nach praktischen Methoden der Solarstromerzeugung."Ich hätte etliche Anlagen verkaufen können", erinnert sich Voigt, allein das Geld und die Maschinen fehlten noch.1993 hielt es den frisch diplomierten Physiker nicht mehr an der Uni.Zusammen mit einem Kompagnon gründete er einen Betrieb für Solar-Installations- und Haustechnik.Man spezialisierte sich auf Problemlösungen für komplexe Regelungstechnik für solare Verbundsysteme und machte Erfahrungen, die drei Jahre später bei der Gründung der Solon AG Früchte trugen.Ob die junge AG ihre hochgesteckten Ziele ­ 40 Mill.DM Umsatz, schwarze Zahlen und 100 Arbeitsplätze im Jahr 1999 ­ tatsächlich realisiert, macht Voigt auch davon abhängig, "wie gut wir unseren Glauben daran kommunizieren können".Die Chancen, im Ballungsraum Berlin als technologisch orientiertes Unternehmen Erfolg zu haben, stünden gut.Für die Solon-Gründer war der Berliner Standort erste Wahl. Die Zukunft gehört auch im Energieversorgungsbereich den kleinen, intelligenten und vernetzten Systemen, davon ist Voigt überzeugt.Als Vorbild dienen ihm die Tüftler des Computerkonzerns Apple, deren Personalcomputer sich vor 15 Jahren gegen die Vormacht der vermeintlich leistungsstärkeren Großrechner durchsetzen konnten.Dazu paßt eine andere Vision, die der Unternehmer seit einiger Zeit auch öffentlich propagiert: das Internet als virtuelles Börsenparkett.Die Resonanz auf seine Anregung, das Projekt auch tatsächlich in die Praxis umzusetzen, sei so groß gewesen, daß inzwischen die Gründung einer eigenen Aktiengesellschaft denkbar sei, die als Anbieter des "Börsendienstes" auftreten könne.Voigts Zoêker-Qualitäten hätten dann eine weitere Entfaltungsmöglichkeit gefunden.

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