Wirtschaft : Alkoholfreies vom Discounter

Aldi, Lidl und Co. nehmen dem Getränkefachhandel Marktanteile weg – die Verbraucher profitieren davon

Maren Peters

Berlin - Immer mehr Verbraucher kaufen Wasser, Limo und Cola im Discounter – zum Ärger des Getränkefachhandels, der Kunden verliert. Der Marktanteil von Aldi, Lidl & Co bei den alkoholfreien Getränken stieg im ersten Quartal dieses Jahres nach einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf 44,7 Prozent. Im Vorjahresquartal waren es nur 38,2 Prozent gewesen. „Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Discounter bis zum Jahresende weiter steigen wird“, sagte GfK-Getränkeexperte Günter Birnbaum dem Tagesspiegel.

Da die Deutschen insgesamt nicht mehr nichtalkoholische Getränke kaufen als im Vorjahr – der Gesamtmarkt ist in den ersten drei Monaten nur leicht gewachsen – dürfte der Verdrängungswettbewerb in Zukunft noch härter werden. Der Fachhandel jedenfalls ist schon jetzt beunruhigt. „Wir haben es hier mit einer Verdrängungs- und Vernichtungsschlacht im alkoholfreien Bereich zu tun“, sagte Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels. Zwar habe der Fachhandel in den ersten drei Monaten insgesamt mehr Wasser, Saft und Limo verkauft, der Umsatz sei aber dennoch zurückgegangen, besonders drastisch beim Mineralwasser.

Marktforscher Birnbaum erstaunt das nicht. Die Discounter hätten in den ersten Monaten nach Einführung des Pflichtpfands vor zwei Jahren Dosen und Einwegflaschen vorübergehend aus den Regalen geräumt – und damit einen großen Teil des Umsatzes mit alkoholfreien Getränken abgegeben. Den verlorenen Umsatz würden sie jetzt zurückerobern, auch über deutlich niedrigere Preise als der Fachhandel. „Da besteht ein unverändert hoher Nachholbedarf bei den Billiganbietern“, so Birnbaum.

Dass die Deutschen in Zukunft sehr viel durstiger werden, als bisher, erwartet dagegen niemand. „Jeder Verbraucher trinkt bereits im Schnitt 700 Liter pro Jahr“, sagte Florian Sperling von der Wirtschaftsvereinigung alkoholfreie Getränke. „Das lässt sich kaum noch steigern.“ Um den Markt in Bewegung zu bringen, versuchen die Hersteller daher, ihre Kunden mit neuen Trends zu locken: mit Wellness, Light- und „Zero“-Produkten (die quasi null Kalorien haben) kommen sie dem Wunsch ihrer Kunden entgegen, jung, schön und gesund zu bleiben. „Wir gehen davon aus, dass kalorienarme Getränke in Zukunft stark wachsen werden“, sagte Sperling.

Die Hersteller versuchen es mit immer neuen Produkten. Marktführer Coca-Cola hat in Deutschland gerade „Lift active“ auf den Markt gebracht, eine kalorienarme Limonade mit Grapefruitsaft. Auch „Sprite Zero“ ist neu auf dem Markt und soll die Hüften mit nur 1,3 Kilokalorien pro 100 Milliliter schonen. „Wir sehen kalorienarme Light-Getränke nach wie vor als Wachstumssegment“, sagt Coca-Cola-Sprecherin Claudia Fasse. Eine „Coke Zero“, die in den USA im Juni auf den Markt kommen soll, werde es in Deutschland vorerst allerdings nicht geben. Für den Sommer plant das Unternehmen eine große Kampagne, in der gezielt vier Light-Getränke beworben werden. Eine neue Preisschlacht sei aber nicht geplant, versichert die Sprecherin.

Konkurrent Pepsi-Cola, der gerade den Hamburger Safthersteller Punica übernommen hat, macht Coca-Cola vorerst vor allem auf dem US-Markt zu schaffen. Gerade hat der weltweit zweitgrößte Erfrischungsgetränke-Konzern eine neue Marketingstrategie bekannt gegeben. Mit der Konzentration auf die kalorienarme „Diet Pepsi“ als Flaggschiff-Marke will er dem großen Konkurrenten Kunden wegnehmen. Die Marketingausgaben für die Diät-Brause in den USA sollen in diesem Jahr verdoppelt werden. Ob ein ähnlicher Strategiewechsel auch in Deutschland bevorsteht, dazu will sich Pepsi-Cola nicht äußern.

Gfk–Marktforscher Birnbaum geht jedenfalls nicht davon aus, dass Pepsi-Cola den Wettbewerb auf dem deutschen Markt verschärfen wird. In den USA, sagte er, sei angesichts der Fettleibigkeit großer Teile der Bevölkerung der Druck von Verbraucherverbänden auf die Hersteller zuckerhaltiger Getränke viel größer als in Deutschland. Die Kunden dort würden immer öfter zu Wasser und Säften greifen. Das zwinge die Brause-Produzenten zum Handeln: „Die Hersteller müssen das Angebot um Null-Kalorien-Produkte erweitern“, sagt Birnbaum. „Light allein reicht nicht mehr.“

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