Wirtschaft : Alles neu im Mai

Wie die Krankenversicherung reformiert werden soll

Carsten Brönstrup

Sinkende Beiträge, bessere Behandlungen, weniger Betrug – über die Ziele einer Gesundheitsreform sind sich Ministerin Ulla Schmidt (SPD), die Opposition und die Experten weitgehend einig. Aber über den richtigen Weg dahin gibt es Streit. Die Vorschläge der Rürup-Kommission werden im Mai vorliegen. Bis ein Reformgesetz daraus geworden ist, dem auch der Bundesrat zustimmt, vergehen schnell ein paar Monate. Die Regierung muss sich also sputen, wenn der Umbau zum Jahreswechsel stattfinden soll. An Vorschlägen mangelt es nicht:

Mehr Wettbewerb: Dies soll der Eckpunkt der Veränderungen sein – damit das 142 Milliarden Euro schwere System effizienter funktioniert. Kassen, Ärzte und Krankenhäuser sollen sich mehr Konkurrenz machen dürfen, und der Patient soll mehr Rechte bekommen. Die Kassen wollen nur noch mit ausgesuchten Ärzten Verträge abschließen. Als Alternative zur Apotheke wird der Arzneiversand per Internet erlaubt.

Mehr Qualität: Eine der Stiftung Warentest nachempfundene Prüfstelle soll den Versicherten darüber aufklären, welches Medikament am besten wirkt und wie Standard-Krankheiten behandelt werden sollten.

Mehr Transparenz: Wenn der Patient dem Arzt auf die Finger schaut, wird auch die Versorgung besser und billiger. Deshalb soll es bald Patientenquittungen geben, auf denen die Versicherten erfahren, was der Arzt abrechnet und was das kostet.

Mehr Wissen: Bislang zwingt niemand die Ärzte, sich regelmäßig auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen. Sie dürfen sich niederlassen, auch wenn sie jahrzehntelang nicht praktiziert haben. In Zukunft soll nur noch eine Praxis-Zulassung bekommen, wer den regelmäßigen Besuch von Fortbildungs-Kursen nachweisen kann.

Mehr Daten: Ist ein Patient bei mehreren Ärzten zugleich in Behandlung, bekommt er womöglich Medikamente, die eine gefährliche Wechselwirkung haben. Das soll eine neue Patientenkarte verhindern, auf der Rezepte, Behandlungen und Notfalldaten gespeichert werden. Auch das Ärzte-Hopping will die Ministerin damit unterbinden.

Mehr Boni: Wer sich regelmäßig untersuchen lässt, nicht raucht oder Prävention betreibt, soll einen Beitragsrabatt bekommen. Weniger zahlt auch, wer immer zuerst den Hausarzt konsultiert und erst danach den Fachmediziner zu Rate zieht. Die Idee dahinter: Der Arzt soll zum Lotsen im komplizierten Gesundheitswesen werden, damit Mehrfachuntersuchungen überflüssig werden.

Mehr Zusammenarbeit: In der DDR hießen sie Polikliniken, demnächst Gesundheitszentren – gemeint ist das gleiche: Wenn viele Institutionen des Medizinsystems auf engem Raum zusammenarbeiten, sinken die Kosten und steigt die Qualität.

Weniger Leistungen: Wenn man die Zahnbehandlung aus dem Kassen-Katalog herausnimmt, lässt sich eine Menge sparen. Experten halten das für fair, weil die Zahngesundheit immer nur so gut ist wie die Pflege und Vorbeugung des Versicherten. Auch die Privatabsicherung von Unfällen oder des Krankengeldes fordern einige.

Weniger Solidarität: Über die Familienversicherung sind heute viele Ehepartner und Kinder versichert, obwohl sie keinen Cent Beitrag zahlen. Fachleute halten Kopfpauschalen für sinnvoller, bei der jeder Erwachsene rund 200 Euro zahlt, unabhängig vom Einkommen. Bei Sozialfällen müsste der Staat helfen. Dabei würde der Arbeitgeberbeitrag eingefroren oder ausgezahlt.

Weniger Vielfalt: In Deutschland sind mehrere zehntausend Medikamente auf dem Markt. Eine Positivliste soll Ärzten und Patienten zeigen, welche Arzneien wirklich wirken – und welche nur Placebos sind.

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