Wirtschaft : Allianz kürzt Gewinnbeteiligung kräftig

Lebensversicherungskunden bekommen für das kommende Jahr nur noch eine Rendite von 5,3 Prozent

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Berlin (hej). Die Allianz wird die Gewinnbeteiligung ihrer Lebensversicherungskunden für das kommende Jahr noch stärker kürzen als erwartet. Der Vorstandschef der Allianz Lebensversicherungs AG, Gerhard Rupprecht, kündigte am Mittwoch an, dass die Allianz Leben die Überschussbeteiligung von derzeit 6,8 Prozent auf 5,3 Prozent senken wird. In Branchenkreisen war man von einer Kürzung auf 5,5 Prozent ausgegangen.

Rupprecht begründete den deutlichen Einschnitt mit den Verlusten, die der Versicherer in diesem Jahr an den Aktienmärkten erlitten hat. So habe der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Jahresanfang weitere 40 Prozent verloren. Er könne nicht ausschließen, dass die Allianz Leben zum Jahresende mehr als eine Milliarde Euro auf ihre Aktien abschreiben müsse, sagte Rupprecht.

Die Überschussbeteiligung von 5,3 Prozent sei die niedrigste Gewinnbeteiligung der Allianz, „an die ich mich erinnern kann“, räumte Rupprecht ein. Nur in den 50er Jahren hätten die Kunden noch weniger bekommen. Kleiner Trost: Mit einer erneuten Absenkung im kommenden Jahr werden die Versicherten wohl nicht rechnen müssen. „Die Überschussbeteiligung von 5,3 Prozent werden wir langfristig halten können“, sagte Rupprecht. Der Zinssatz gilt nicht nur für Privatkunden, sondern auch für die Allianz-Pensionskasse, in der inzwischen mehr als 50 000 Arbeitnehmer Geld für ihre betriebliche Altersvorsorge einzahlen.

Verzinst wird nur der Sparanteil

Mit der Überschussbeteiligung profitiert der Kunde von den Gewinnen eines Versicherungskonzerns. Sie besteht aus einem gesetzlich festgeschriebenen Mindestzins von derzeit 3,25 Prozent, der – je nach Anlagererfolg des Versicherers – aufgestockt wird.

Die in der Vergangenheit garantierten Überschussbeteiligungen können dem Kunden nicht mehr genommen werden, gesenkt werden können die Überschussbeteiligungen nur für die Zukunft. Aber: Verzinst wird nicht die gesamte Prämie, sondern nur der Sparanteil. Aufwendungen für die Risikoabsicherung, Vertreterprovisionen und Verwaltungskosten werden abgezogen. Branchenprimus Allianz Leben hatte wegen der schlechten Börsensituation seine Überschussbeteiligung bereits für dieses Jahres gesenkt. Nach sieben Jahren ohne Veränderung hatte die Versicherung ihren sieben Millionen Kunden die Gewinnbeteiligung von bislang 7,5 Prozent auf 6,8 Prozent gekürzt.

„Die Allianz hätte schon für dieses Jahr die Überschussbeteiligung deutlicher senken müssen“, kritisiert Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen: „Die Versicherungen können nicht mehr ausschütten als sie einnehmen.“ Scholl verlangt, dass die Versicherungen ihre Kalkulation gegenüber den Versicherungsnehmern offen legen. Der Gesetzgeber solle eine entsprechende Verpflichtung in das Versicherungsvertragsgesetz aufnehmen, das derzeit reformiert wird, fordert der Verbraucherschützer.

Die erneute Absenkung der Gewinnbeteiligung wird die Allianz keine Kunden kosten, glaubt Rupprecht. „Auch die Konkurrenz wird ihre Sätze verantwortungsvoll anpassen.“ Doch das gilt nicht für alle Wettbewerber. Wie eine Umfrage des Tagesspiegel unter Lebensversicherungsgesellschaften ergab, zahlen einige Anbieter für das kommende Jahr deutlich höhere Überschussbeteiligungen als die Allianz. So will die Debeka ihren Kunden auch für das kommende Jahr 6,8 Prozent gutschreiben, die zum Gothaer-Konzern gehörende Asstel senkt ihre Gewinnbeteiligung für kapitalbildende Lebensversicherungen von 7,45 Prozent auf 6,95 Prozent. Beide Versicherer verfügen traditionell über hohe stille Reserven. Zudem hat die Debeka weniger als ein Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien investiert.

Andere Versicherer wollen erst im Dezember entscheiden, wohin die Reise geht. Das gilt für die Düsseldorfer Provinzial, die Hamburg-Mannheimer und die Huk Coburg genauso wie für die Axa und die Volksfürsorge. Dagegen hat die zum Ergo-Verbund gehörende Victoria bereits angekündigt, dass die Gewinnbeteiligung von derzeit 6,8 Prozent auf 5,0 bis 5,2 Prozent gekürzt wird. Die von der Kapitalmarktkrise besonders gebeutelte Mannheimer Lebensversicherung AG wird ihren Kunden für das kommende Jahr sogar nur noch den Mindestzins zahlen.

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