Wirtschaft : Allianz Leben wehrt sich gegen Betrugsvorwurf Anwälte klagen, Versicherung rechne Gewinn klein

Heike Jahberg

Berlin – Vor gut einer Woche wurde bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Chef der Allianz Leben, Gerhard Rupprecht, Finanzvorstand Maximilian Zimmerer und weitere Verantwortliche wegen des Verdachts auf Untreue, Unterschlagung und Betrug gestellt. Der Vorwurf: Die Allianz betrüge die Kunden, indem sie den Versicherten zu niedrige Überschussbeteiligungen zahle. Jetzt wehrt sich die Allianz Leben: Sie will ihrerseits die Rechtsanwaltskanzlei KTAG verklagen: „Wir werden unsererseits eine Strafanzeige wegen übler Nachrede stellen“, sagt Finanzvorstand Zimmerer dem Tagesspiegel. Außerdem will die größte deutsche Lebensversicherung prüfen, ob sie von der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Schadenersatz verlangt.

90 Prozent der Kapitalerträge müssen Lebensversicherer den Versicherungskunden gutschreiben. Nach Meinung der Anwälte rechnet die Allianz Leben jedoch mit Tricksereien bei den Verwaltungskosten und konzerninternen Rückversicherungen die Gewinne klein. Bei der Allianz weist man das zurück. „Wir halten die gesetzlichen Vorgaben zur Überschussverteilung selbstverständlich ein“, sagt Zimmerer. Im vergangenen Jahr habe die Allianz Leben Kapitalerträge von 6,5 Milliarden Euro erzielt. Die Kunden erhielten davon insgesamt 6,2 Milliarden Euro. Die Aktionäre – darunter vor allem die Mutter Allianz AG, aber auch freie Anteilseigner – hätten nur eine Ausschüttung von 241,5 Millionen Euro bekommen. „Das liegt unter dem, was nach dem Gesetz erlaubt ist", betont Zimmerer, der im Januar an die Spitze der Lebensversicherung rücken wird.

Auch die Vorwürfe, über Rückversicherungen bei der Mutter oder Kostentricksereien den Gewinn zu Lasten der Kunden manipuliert zu haben, will Zimmerer nicht akzeptieren. Rückversicherungen seien nötig, um sich gegen Großschäden zu wappnen oder die Finanzkraft zu verbessern. Die Rückversicherungsquote sei im Vergleich zum vergangenen Jahr gesunken, so Zimmerer. Ziel sei es, sich in Zukunft nur noch gegen Großschäden etwa als Folge von Epidemien über die Rückversicherung abzusichern. Dass die Allianz Leben einen Teil der Rückversicherung über den Mutterkonzern abwickelt, findet Zimmerer normal: „Die Prämien sind bei der Allianz AG nicht höher als bei unserem Vertrag mit einem anderen Rückversicherer.“ Zudem gebe es zahlreiche Kontrollinstanzen, die Missbrauch verhindern. Das Vorgehen der Anwälte, meint Zimmerer, lege die Vermutung nahe, dass diese ihre Kanzlei bekannt machen wollen, um Klienten zu gewinnen.

„Wir nehmen in Zusammenhang mit der Strafanzeige derzeit keine Mandate an“, beteuert dagegen Jens-Peter Gieschen von KTAG. Die Strafanzeige diene zunächst dazu, Beweise zu sammeln, an die die Anwälte sonst nicht herankämen. Diese Beweise will KTAG dann in späteren Zivilverfahren einsetzen. „Im Moment muss man die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten“, sagt Gieschen. Dass die Allianz die Kanzlei in Regress nehmen will, schreckt Gieschen nicht: „Wir lassen uns nicht mundtot machen.“ Ob die Stuttgarter Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beginnt, steht noch nicht fest. „Wir prüfen“, sagt eine Sprecherin.

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