Wirtschaft : Allianz rückt den Banken auf die Pelle

MÜNCHEN (tmh).Der Assekuranzkonzern Allianz AG, München, startet zum 1.Oktober mit der Vermögensverwaltung für jedermann ein drittes Kerngeschäftsfeld und tritt damit erstmals zu Banken in direkte Konkurrenz.Die dafür gegründete Holding Allianz Asset Management (AAM) GmbH ziele "nicht auf eine Anlageelite", sagte Allianz-Finanzchef Diethart Breipohl vor Journalisten in München.Vielmehr sei die weltgrößte Versicherung darauf aus, mit den vorerst zwölf Investmentfonds ihrer neuen Tochter "speziell bei Kleinanlegern große Summen einzusammeln".Auch die Mindestanlagesumme von 2500 DM zielt eher auf Kleinanleger.

Für ihre Publikumsfonds will die Allianz ein bis fünf Prozent Ausgabeaufschlag und "leicht unterdurchschnittliche" Verwaltungsgebühren kassieren, kündigte AAM-Geschäftsführer Markus Rieß an.Bis 2001 soll die Vermögensverwaltung profitabel arbeiten, schätzte Breipohl.Die nötigen Investitionen bezifferte er auf einen dreistelligen Millionenbetrag.Weitere Geschäftserwartungen äußerten die Manager nicht.Die Allianz verwaltet derzeit Vermögen für rund 120 000 Privatkunden und hat dieses Geschäft bislang eher nebenher betrieben.Jetzt sollen die Anlageprodukte von den 14 000 Versicherungsvertretern des Konzerns vertrieben werden.Sie können dazu auf einen Bestand von allein gut 2,3 Millionen Lebensversicherungskunden zurückgreifen.

An zusätzlicher Infrastruktur zum Vermögensmanagement wird ein Call-Center aufgebaut, das telefonisch jeden Tag von acht bis 22 Uhr erreichbar ist.In zehn deutschen Großstädten entstehen ferner sogenannte Investmentforen.In diesen Filialen wird vor Ort beraten.Erste Standorte sind von Januar 1999 an München, Augsburg und Stuttgart, später auch Berlin.Als Vertriebsweg dient zudem das Internet.Abgewickelt werden die Finanzgeschäfte über die Allianz-Tochter Augsburger Aktienbank AG, eine Direktbank.Stellen bringt der Aufbau des neuen Geschäfts kaum.Bis Ende 1999 rechnet der Konzern mit rund 140 neuen Arbeitsplätzen.Darin nicht enthalten ist das Personal der Allianz Dresdner Asset Managment (Adam) GmbH.Diese gemeinsame Tochter von Allianz und Dresdner Bank soll von November an einzig die EDV und Verwaltung für beide Partner im Vermögensmanagement bündeln.Es sei lukrativer die Kundschaften beider Häuser in Form dieser Teilkooperation auseinanderzuhalten als alles in einen Topf zu werfen und "Adam direkt auf den Markt loszulassen", verteidigte Breipohl das Konzept.Zwar habe man ursprünglich weiter gedacht, wolle aber nun den Erfolg von Adam und AAM abwarten.Eine Fusion von Allianz und Dresdner sei "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht geplant.Derzeit verwaltet der Versicherer Vermögen von rund 600 Mrd.DM.

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