Wirtschaft : Allianz stellt sich neu auf

Versicherungskonzern wird Gesellschaft europäischen Rechts und gründet eine Deutschland-Holding

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Berlin/Düsseldorf Die Allianz gibt sich eine neue europäische Struktur. Europas größter Versicherungskonzern wird künftig Manager aus sechs Nationen in seinem Vorstand haben. Außerdem will der Konzern seine italienische Tochtergesellschaft Riunione Adriatica di Sicurtà (RAS) komplett übernehmen und sich im Zuge eines anschließenden Verschmelzungsprozesses in eine Gesellschaft europäischen Rechts umwandeln. Italien sei der zweitgrößte europäische Versicherungsmarkt für die Allianz, heißt es als Begründung für die Fusion. Das hiesige Geschäft wiederum wird unter einer neu zu schaffenden Deutschland-Holding gebündelt, teilte die Allianz am Sonntagabend mit. Die Beschlüsse sollen Anfang 2006 umgesetzt werden.

Nach eigener Aussage wird die Allianz das erste Unternehmen mit der Rechtsform Europäische Gesellschaft (Societas Europaea, SE) im Aktienindex DJ Euro Stoxx 50 sein. „Durch die neue Aufstellung können wir die Komplexität der gesamten Gruppe reduzieren“, ließ Konzernchef Michael Diekmann mitteilen. Der Sitz der Allianz SE soll München bleiben, hieß es weiter.

Dabei wird es auch künftig eine Zweiteilung in Vorstand und Aufsichtsrat geben – also kein einstufiges Gremium wie in angelsächsischen Gesellschaften. „Vorstand und Aufsichtsrat der Allianz AG sind sich ferner darin einig, dass sich am Prinzip der paritätischen Mitbestimmung nichts ändern, die Größe des Aufsichtsrats aber verkleinert werden soll“, teilte die Allianz mit. Statt 20 soll das Kontrollgremium künftig nur noch zwölf Mitglieder haben, schlägt der Vorstand vor. Dabei sollen Arbeitnehmervertreter aus verschiedenen europäischen Ländern im dem Gremium vertreten sein.

Europäischer wird auch der Vorstand: Zum 1. Januar wurden Enrico Cucchiani, derzeit Chef der italienischen Tochter Lloyd Adriatico, Jean-Philippe Thierry, Chef der französischen Tochter AGF, und Clement Booth, bisher Vorstandschef der Maklergesellschaft Aon Re International, zu Mitgliedern des Spitzengremiums bestellt. Der Italiener ist für das „Nachhaltigkeits-Programm“ im Bereich der Schaden/Unfall-Versicherung zuständig, der Franzose für ein ähnliches Programm im Bereich der Lebensversicherung. Booth leitet die Bereiche Rückversicherung und das Geschäft mit Großrisiken.

Konzernchef Michael Diekmann, der 2003 die Nachfolge von Henning Schulte-Noelle im Holdingvorstand antrat, hat bislang mit entschiedener Konsequenz die Steigerung der Profitabilität und der Kapitalbasis verfolgt. Teil der künftigen Struktur ist eine Deutschland- Holding, die neu gegründet werden soll. Sie wird von Gerhard Rupprecht, dem Chef der Allianz Lebensversicherung geleitet, der zugleich im Konzernvorstand bleibt. Auf seine Position in Stuttgart rückt der bisherige Finanzvorstand der Lebensversicherung, Maximilian Zimmer, vor. Die Allianz Versicherungs-AG, in der das deutsche Sachgeschäft gebündelt ist, wird künftig von Thomas Pleines geleitet, der bisher an der Spitze der Allianz Suisse steht. Wie bereits bekannt, scheiden Detlev Bremkamp und Reiner Hagemann aus dem Konzernvorstand aus. Dabei hat das Unternehmen kein Geheimnis daraus gemacht, dass der langjährige Vorstand Hagemann vorzeitig geht, weil er mit der neuen Struktur nicht einverstanden ist.

Der Münchner Konzern will die italienische Riunione Adriatica di Sicurtà (RAS) mit der Allianz AG verschmelzen. Dabei geht das Unternehmen von einer Umtauschspanne zwischen 0,153 und 0,161 Allianz-Aktien für eine RAS-Aktie aus. Vor der Fusion gibt es aber ein freiwilliges Barangebot an die RAS-Aktionäre. Nach Angaben der Allianz hat die Transaktion ein Volumen von rund 5,7 Milliarden Euro. Die Allianz hält bereits 55,4 Prozent an dem italienischen Versicherer. Die Finanzierung sei gesichert, hieß es. Bis zu zwei Milliarden Euro will die Gesellschaft aus dem Eigenkapital bestreiten. Der Rest soll durch hybrides Kapital (also eine Mischung von Eigen- und Fremdkapital), Anleihen und weitere interne Mittel aufgebracht werden.

Nach Planung der Münchner wird die Fusion den Gewinn je Aktie bei der Allianz im Jahr 2006 um zwei Prozent erhöhen – und zwar ohne Einrechnung von künftigen Synergieeffekten. Dabei geht die Allianz von einer Steigerung der Dividende für das Jahr 2005 um 14 Prozent auf zwei Euro aus. vis/fw/rl/kk (HB)

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