Wirtschaft : Am billigsten in Europa

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Die Briten zahlen laut einem aktuellen Vergleich der Unternehmensberatung Cap Gemini die niedrigsten Bankgebühren in Europa , durchschnittlich 56 Euro im Jahr – gegenüber 103 Euro in Deutschland oder 501 Euro in Italien. Wer in Großbritannien sein Konto nicht überzieht, keine Auslandsüberweisungen verlangt und Geldautomaten nutzt, hat das Konto gratis.

Trotzdem haben die Banken einen schlechten Ruf – vor allem seit der Konsolidierungsphase der 80er und 90er-Jahre. Sie wissen, wie man den Kunden mit Kreditkartenzinsen, Strafen für vorzeitige Kreditkündigungen oder langsamer Verbuchung von Überweisungsbeträgen das Geld aus der Nase zieht. Ein von der Labourregierung in Auftrag gegebener Bericht belegt, dass die britischen Bankkunden jährlich rund fünf Milliarden Pfund für „ungerechtfertigte“ Gebühren bezahlen. Ein Wechsel des Kontos ist ausgesprochen kompliziert. Deshalb kontrollieren die sechs größten Banken – darunter HSBC, Natwest, Barclays und Lloyds – unangefochten rund 80 Prozent des Geschäfts.

Heftig kritisiert wurde die drastische Beschneidung des einst üppigen Filialnetzes . Seit 1990 wurden landesweit 5000 Bankfilialen geschlossen. 1000 Gemeinden haben laut der „Campaign for Community Banking Services“ (CCBS) keine Bank mehr. Aber

viele Gebiete Großbritanniens sind dünn besiedelt. Internet- und Telefon-Banking sowie Geldautomaten können Bankfilialen ersetzen.

Auf Druck der Regierung arbeiten die Banken auch an der Entwicklung eines „Basiskontos“, das Bankleistungen durchschaubar machen und die 1,5 Millionen britischen Haushalte erreichen soll, die noch nie ein Bankkonto und damit keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten. Auch die „Post Office“ mit ihren rund 16500 Filialen soll wieder Bankdienstleistungen anbieten.

Doch viele Briten wollen gar kein Bankkonto. Pläne des Sozialministeriums, die Staatsrente in Zukunft nur bargeldlos per Überweisung zu bezahlen, lösten erbitterte Proteste aus. mth

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