Wirtschaft : „Am Ende muss alles raus“

Montag beginnt der Schlussverkauf. Trotz hoher Rabatte haben Händler Probleme, die Geschäfte zu füllen. Schuld ist die Hitze

Maren Peters

Berlin - Bei Karstadt heißt der Schlussverkauf jetzt „Sale“. Das ist das englische Wort für Schlussverkauf und klingt ein bisschen moderner. Auch Ramschtische, Rabattschilder und Eistee für besonders eifrige Schnäppchenjäger gibt’s nicht mehr. „Früher standen schon frühmorgens oft hunderte von Leuten vor der Tür“, sagt Unternehmenssprecher Elmar Kratz. Auch die sind nicht mehr da. Ansonsten bleibt fast alles beim Alten: Sommer-Tops für sieben Euro, Bikinis für 12,95 Euro – „Alles muss raus!“

Am Montag starten zwei Drittel der deutschen Einzelhändler in den Sommerschlussverkauf, der bei den meisten zwei Wochen dauern soll. Einige große Unternehmen, wie Karstadt und C & A, haben schon in den vergangenen Tagen angefangen, die Preise zu reduzieren. Die Händler locken flächendeckend mit Preisnachlässen von 50, in der Spitze sogar bis zu 70 Prozent. Und die Lager sind voll wie lange nicht.

Das Merkwürdige ist nur: Den Sommerschlussverkauf gibt es offiziell eigentlich gar nicht mehr. Mit einer Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, die vor zwei Jahren in Kraft trat, war auch die Ausverkaufs-Klausel gestrichen worden, die zuvor fast 100 Jahre lang gegolten hatte. Seit der Gesetzesänderung ist Schluss mit der starren Regel, die es Händlern nur erlaubt hatte, zweimal im Jahr, beginnend am letzten Montag im Januar und dem letzten Montag im Juli, bestimmte Waren wie Kleidung, Lederwaren und Sportartikel für zwei Wochen billiger anzubieten. Seitdem können Elektronikmärkte wie Saturn auch das ganze Jahr mit Rabatten werben.

Die Kunden wollen vom Ende des Schlussverkaufs aber nichts wissen. „Das ist so drin in den Köpfen, darum werden wir nicht darauf verzichten“, sagt Anne Blättermann, Geschäftsführerin von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz. Auch beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) heißt es: „Solange es eine Nachfrage nach dem Schlussverkauf gibt, wird der Handel das auch anbieten.“ Die Verbraucher seien daran gewöhnt, dass die Ware zum Saisonende reduziert werde, sagt HDE-Sprecherin Ulrike Hörchens.

Bei den Schlussverkaufszeiten ist der Handel allerdings flexibler geworden. „Das ist ein bisschen wie gleitende Arbeitszeit“, scherzt Günter Päts, Vizegeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Berlin- Brandenburg. Jeder sucht sich raus, was ihm genehm ist. Einige starten den Ausverkauf schon vor dem letzten Juli-Montag, vor allem kleinere Händler warteten damit oft bis in den August hinein. „Sie versuchen, ihre Waren so lange wie möglich zu regulären Preisen loszuwerden“, sagt Päts.

Für die Einzelhändler ist der Ausverkauf des Sommersortiments nicht nur Dienst am Kunden: Sie müssen auch Platz schaffen für das, was kommt. Schon jetzt hängt trotz karibischer Temperaturen die erste Herbstware in den Filialen, ab August wird noch viel mehr geliefert. „Dann müssen die Lager leer sein“, sagt HDE-Sprecherin Hörchens. Dass die Kunden um Daunenjacken und Wollpullover zurzeit noch einen großen Bogen machen, kann den Jahresrhythmus des Handels nicht aus dem Takt bringen. Die Ware werde in der Regel sechs Monate im Voraus geordert, heißt es beim HDE. Und im kalten März können selbst weitblickende Meteorologen ungewöhnlich heiße Sommer wie diesen nicht voraussagen.

Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft und des heißen Wetters sind die Lager in diesem Jahr ziemlich voll. „Es gibt noch genug“, sagt Karstadt-Sprecher Kratz und spricht von „gewissen Problemen“, die Leute in die Kaufhäuser zu locken. „Da ist sicher noch Nachholpotenzial.“

Die Hitze könnte die Umsätze auch im Schlussverkauf drücken. „Es ist klar, dass die Leute bei Temperaturen um die 37 Grad weniger oft als sonst zum Einkaufen gehen“, sagt HDE-Sprecherin Hörchens, ohne Umsatzerwartungen für die Branche zu nennen. Schon im vergangenen Schlussverkauf war der Einzelhandel nur mäßig zufrieden. Hitzebedingte Bedenken hat auch der Bekleidungshändler C & A. „Es ist sicher so, dass die Umsätze bei moderateren Temperaturen höher sein könnten“, sagt Sprecher Knut Brüggemann, dessen Unternehmen schon seit Ende letzter Woche mit dem Ausverkauf begonnen hat. Brüggemann geht aber davon aus, dass die Umsätze im diesjährigen Schlussverkauf zumindest leicht über dem Vorjahr liegen werden, ohne Zahlen zu nennen.

Auch im Berliner Einzelhandel waren die Juli-Umsätze nach ersten Umfragen enttäuschend, wie Vizechef Päts sagt. „Wir haben gehofft, dass es jetzt richtig losgeht – das Gegenteil ist der Fall.“ Erschwerend komme hinzu, dass viele Familien noch außerhalb in den Ferien sind. Und das Portemonnaie zum Monatsende bei vielen leer ist. Zahltag ist bei vielen Arbeitnehmern erst nächste Woche. „Dann hoffen wir auf ein plötzliches Schnäppchenfieber“, sagt Päts.

Noch sind die Händler zuversichtlich, ihre Lager leeren zu können. „Notfalls wird eben nochmal reduziert“, sagt Karstadt-Sprecher Kratz. „Am Ende muss alles raus sein.“

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